„Jung, brutal, gutaussehend“: Kollabo der Rekorde

Kollegah und Farid Bang sind schon lange Teil der Rapszene und haben mittlerweile fast alles erreicht, was es zu erreichen gibt: Gold, Platin, Streamingrekorde. Viele warten nur noch auf ihr nächstes gemeinsames Album und sind gespannt, welche Rekorde damit aufgestellt werden. Keine Sorge, bald ist es soweit: „Jung, brutal, gutaussehend 3“ erscheint am 1. Dezember und somit wird die Trilogie vervollständigen. Wir haben uns die ersten beiden Exemplare nochmal genauer angesehen und versucht, den Werdegang und die Entwicklung dieses Projektes nachzuvollziehen.

Die Anfänge

2007 lernten sich die beiden kennen, nachdem Kollegah nach Düsseldorf gezogen war. Zwei Jahre später veröffentlichten sie ihr erstes gemeinsames Album, was nur so vor Unbeschwertheit strotzte. Keine gefühlvollen Songs. Einfach nur technisch versierter Battlerap. Und damit haben sie neue Maßstäbe gesetzt. Zwar gab es mit Carlo, Cokxxx, Nutten schon das Berliner Äquivalent, jedoch legten diese weniger Wert auf Technik sondern auf Härte. Boss und Banger hingegen verknüpften harte Punchlines mit guter Technik und machten quasi CCN für Nordrhein-Westfalen. Danach war es Gang und Gäbe, dass Rapper fünfsilbige Vierfachreime hatten und sich an Doubletime versuchten. Im Nachhinein kann man die These aufstellen, dass der erste Teil von JBG seiner Zeit voraus war. Denn wirtschaftlich hatte das Album, nach eigenen Aussagen, keinen Erfolg und die Fanbases der Künstler waren anfangs nicht glücklich mit dem jeweiligen Kollabopartner. Erst Jahre später erreichte das Album Kultstatus. Mitverantwortlich dafür waren  auch Catchphrases a la „Fresse Mois, ich ramm’ dir mein Messer in Kreuz, noch bevor du sagen kannst: ‚Halt! Der Teppich ist neu“. Eine Zeile, die mit ihrer Ignoranz, sinnbildlich für das ganze Album steht, ist wohl folgende: „Nicht erwähnenswerte Punks, die Mercedes-Sterne sammeln. Mach ich auch, nur bei mir hängen Mercedesse daran.“ Kleiner Sidefact: Fünf Monate nach JBG erblickte CCN2 von Bushido und Fler das Licht der Welt. Wer weiß, ob dies auch ohne „Jung, brutal, gutaussehend“ so schnell passiert wäre.

Der Durchbruch

Acht Monate nach der Indizierung des ersten Teils kam „Jung, brutal, gutaussehend 2“ auf den Markt und ging prompt durch die Decke. Es wurde das erste Straßenrap-Album mit einer Goldauszeichnung. Gründe dafür waren wahrscheinlich einerseits die Fans, die sich lange nach einer Fortsetzung gesehnt hatten, und andererseits die Promophase, die ein Level erreichte, das es so bis dato im Deutschrap nicht gab. Sie machten mehrere Vlogs in verschiedenen Städten und veröffentlichten insgesamt sechs Musikvideos. Das Ganze gipfelte in einer DVD: Zuerst zeigen sich die beiden humorvoll im Fitnessstudio und veranschaulichen mit ihren „10 Geboten des Fitness“ wie man sich dort zu verhalten hat. Anschließend offenbaren sie uns ihre Arbeit im Tonstudio. Sie blättern in einem Hip-Hop Magazin, um nach dissenswerten Rappern zu suchen und präsentieren die obersten Devisen während der Albumarbeit: Mütter f*cken und Rapper erniedrigen. Somit veränderte sich inhaltlich nichts im Vergleich zum ersten Teil. Jedoch arbeiteten die beiden länger an diesem Album und der Sound wurde etwas massentauglicher. Das kann man positiv oder negativ sehen, aber es erfüllte seinen Zweck. Der Sound auf JBG2 knallte und ging direkt in die Fresse. Anscheinend hat sich das alles ausgezahlt. Denn das Werk wurde in der ersten Woche über 80.000 Mal gekauft. Ein Jahr später war es schon auf dem Index.

Die Vollendung

Mit der Vollendung der Trilogie wollen sie nun an den Erfolg des Vorgängers anknüpfen und wirtschaftlich werden sie diesen um Längen übertreffen. Allein die Deluxe Box verkaufte sich schon über 50.000 mal, womit Kollegah sich selbst vom Thron stieß. Denn „Imperator“ war zuvor Rekordhalter in dieser Kategorie.  Zu diesem Erfolg trug wieder die fulminante Promophase mit Videoblogs aus Mailand, Compton und Mallorca bei. Hinzu kommen Parodien von Afro-Trap oder „Realkeeper“-Rap. Zweiteres war ein Disstrack an sich selbst mit ihren akas Farid Ben und Friend. Den Höhepunkt erreichte die Promo, als sie in einem Vlog zeigten, wie sie zwei AMG Mercedes plus zwei Rolex-Uhren (insgesamter Wert ungefähr 180.000 Euro) kaufen, die sie unter den Box-Käufern verlosen. Eines muss man den beiden lassen: Das Promophasen- und das Boxen-Game haben sie durchgespielt. Schwer vorzustellen, dass dies noch jemand übertreffen kann. Doch die ersten zwei Musikvideos des neuen Albums lassen vermuten, dass die beiden das Erfolgsrezept verstanden und das vorherige Album als Blaupause nahmen, um die Tracks  neu aufzulegen. Denn „Sturmmaske auf“ stellt auch vom Video quasi  „Dynamit“ dar, in dem sie anstatt aufeinander zuzuspringen sich mit Autos entgegenfahren und miteinander verschmelzen und „Gamechanger“ ist der obligatorische Doubletime-Track. Doch warten wir erst einmal auf das Release und lassen uns gegebenenfalls eines Besseren belehren.

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