Jugo Ürdens über seine Jugend, das WG-Leben mit Einfachso und sein Debütalbum „Yugo“

Vor zwei Wochen waren wir auf dem Reeperbahn Festival unterwegs und haben für euch Interviews und Diskussionsrunden geführt. Unter anderem mit Fler über seine Marke und mit Marina Buzunashvilli, Miriam Davoudvandi, Sokee und Salwa Benz über Frauen im Rap . Wir haben uns aber auch noch mit einem Künstler getroffen, den man vielleicht nicht direkt auf dem Schirm hat: Jugo Ürdens. Heute erscheint das Debütalbum des Wieners und wir haben mit ihm und Einfachso über seine Jugend, das WG-Leben und sein Debütalbum geschnackt.

Heute ist ein gottverdammter Feiertag
Denn ich habe endlich den rot-weiß-roten Reisepass
Deshalb haue ich richtig auf die Kacke, baby
VIP for life, sag, was willst du machen, hä?

Aleks, wie Jugo Ürgens mit bürgerlichen Namen heißt, ist zwar aus Wien, seine Wurzeln liegen aber in Mazedonien, dem Heimatland seines Vaters. Seine Mutter kommt aus Serbien und er beherrscht beide Sprachen. Er ist mit sieben Jahren nach Österreich gezogen und ist dort im 16. Bezirk aufgewachsen. Auf seinem Track „Österreicher“ feiert er die österreichische Staatsbürgerschaft. Er besitzt zwar noch keinen Österreichischen Pass, dennoch bedeutet er für Jugo Ürdens vor allem Akzeptanz als Teil der Gesellschaft und Freiheit besonders auch im Bezug auf Reisen, denn Österreich liegt beim „Visa Restrictions Index“ auf dem fünften Platz der stärksten Reisepässe.

Er hat aber auch nach wie vor eine starke Verbindung zu seiner Heimat, da er seine Verwandten zwei bis dreimal im Jahr dort besucht. Außerdem erinnert er sich daran, dass er in seiner Kindheit gern Fußball gespielt hat und erzählt von seinem Großvater:

Wir waren dort in einem Dorf, wo mein Großvater herkommt. Der hatte da so ein Haus mitten im Wald ohne Strom mit so einem Aggregator. Da waren wir halt immer und es hatte hat immer so Minusgrade und Wildschweine sind da rumgelaufen und so sind wir vorm Kaminfeuer alle gesessen.“

„Ich weiß dir geht’s nicht ganz so gut, midlife crisis, arbeitslos. Früher ja da warst du schön – bitte bleib hier stehn“ (Vater)

Auf seinem Neuen Album „Yugo“ hat er einem anderen Familienmitglied einen Song gewidmet – seinem Vater. Der Track ist seiner Aussage nach der beste Song des Albums und er verarbeitet darin die „Familienstruggles“, die er damals mit 16 hatte.

Als Jugendlicher besuchte er außerdem ein Gymnasium im 1. Bezirk und machte dort seine Matura. Anschließend versuchte er es mit einem Wirtschaftsstudium, brach aber nach anderthalb Jahren ab, weil es nicht so sein Ding war.

„Ich glaub ich hätte das schon durchziehen können, aber ich habe es so abgrundtief gehasst.“

Obwohl Musik für ihn die einzige Alternative ist, hat er sich bisher immer irgendwie mit Jobs über Wasser halten können. So hat er beispielsweise auch schon nebenbei gekellnert, oder mit 16 als richtiger „OG“ in der Obst- und Gemüseabteilung einer Spar-Filiale gearbeitet. Selten blieb er bei einem Job, da er oft nach einer bestimmten Zeit gefeuert wurde.

„Aber Danke Mama für die Augen, Danke für die Wangenknochen“ (Läuft)

Andere Medien bezeichnen ihn auch als „Pretty Boy“ und das Magazin goodnight.at hat Jugo sogar zu einem der 18 schönsten Männer Wiens gekürt. Auch er selbst bezeichnet sich als „schönsten Mann in Wien“ und in seinem Track „Ajde“ rappt er: „Wird das mit dem Rappen nix, werd‘ ich Model“. Doch in Wirklichkeit kann er sich trotz gelegentlicher Jobs nicht wirklich vorstellen als Model zu arbeiten.

„Ist auch behindert so ’n Kleiderständer ’n ganzes Leben.“

Im Bad macht Jugo Ürdens übrigens nicht mehr, als sich alle paar Tage die Glatze zu rasieren. In den eigenen vier Wänden entstehen auch die Texte des 22-Jährigen – oft aus Alltagssituationen. Beispielsweise sitzt er gemeinsam mit seinem Mitbewohner und Freund Einfachso auf der Couch und dreht die Beats laut auf. Der Rest passiert dann auf dem Klo, oder in der Dusche. Jugo produziert seine Beats unter dem Namen Jue auch meistens selbst, denn Beatbauen ist seine große Leidenschaft.

Angefangen hat das mit der Musik bei Jugo Ürdens, der von seinem Freund Kaul Kwappe so getauft wurde, mit einem Keyboard. Dieses hat er von seiner allerersten Freundin geschenkt bekommen. In seinem Debütalbum schlägt er teilweise auch ernstere Töne an und möchte sich von den aktuell gehypten Trends im Hip-Hop abheben, denn das ist alles seiner Meinung nach totgehört.

„Es ist jetzt alles nicht mehr ganz so lustig. Mit diesem Album kann ich jetzt sagen ich steh zu hundert Prozent dahinter. Ich kann mich jetzt nicht mehr rausreden.“

Zwar ist der Sound zeitgenössisch, aber Jugo muss das Rad auch nicht neu erfinden. Auf ernste Songs wie „Vater“ treffen aber auch wieder ironisch gemeinte Lieder. Es sind aber auch battlerap-artige Tracks und Punchlines zu finden – aber hört einfach selbst rein.

 

The following two tabs change content below.

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.