Jubiläumsalbum: Jay Z – „Kingdom Come“ (2006)

Kingdome

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Was könnte den Rückzug aus dem Business besser begleiten, als den metaphorischen Gangsta-Tod in einem Musikvideo? Die obige Szene stammt aus Jay Zs Videoauskopplung von „99 Problems“. Das schmerzverzerrt Gesicht kommt nicht von ungefähr, der New Yorker ist in die Schusslinie geraten und wird vor einer Kirche durchlöchert. Mit der Metaphorik in der finalen Videoauskopplung aus dem 2003 erschienen „The Black Album“ demonstrierte der MC und Produzent den Tod Jay-Zs, damals noch unter dieser Schreibweise, und die Geburt von Shawn Carter – kurz die Rückkehr vom Künstler- zum Geburtsnamen und somit auch die Kehrtwende vom Rapper-Dasein. Dementsprechend wurde das 2003 releaste Album als finales Werk gehandhabt. Nur drei Jahre später stand Shawn Carter mit einem neuen Album wieder auf der Matte, veröffentlichte dieses aber doch unter dem bekannten Künstlernamen.

jay-z_kingdome-come_750_webHeute vor zehn Jahren hat das neunte Album „Kingdom Come“ von Jay-Z sein Release gefeiert. Der Longplayer beinhaltet insgesamt 14 Anspielstationen, von denen vier als Single erschienen sind. Als Produzenten waren unter anderem Kanye West, Swizz Beatz und Just Blaze, aber vor allem Dr. Dre an dem Album beteiligt. Auch Coldplay Frontmann Chris Martin hat sich mit einem Instrumental, wie ebenso mit einem Featurepart auf dem Werk verewigt. Als weitere Featuregäste treten auf „Kingdom Come“ John Legend, Pharrell Williams, Usher, Ne-Yo und seine besser Hälfte, Beyoncé, hervor.
Mit 680.000 verkauften Einheiten in der ersten Woche, konnte das Album den Platz eins der Billboard 200 erklimmen. Zudem wurde das Werk zwei Jahre nach Release für den Grammy Award in der Kategorie „Best Rap Album“ nominiert. Alles in Allem mehr als solides, kommerzielles Feedback, das sich aber nicht in den Meinungen der Kritiker wiederfand. Der Rapper selbst betitelte „Kingdom Come“ im Nachhinein als sein „worst“ Album.

Die Kontroverse, die um dieses erfolgreiche, aber dennoch stark kritisierte Album entstanden ist, ergibt sich meiner Ansicht nach, aus einer schlichten Komponente. Mit dem Beenden einer Musikkarriere entsteht um den jeweiligen Artist eine Art unantastbare Aura, vor allem wenn er zuletzt große Erfolge verzeichnen konnte, wie Jay Z mit „The Black Album“. Ein Longplayer, auf dem unter anderem mit „99 Problems“ ein prägender Rap-Hit beheimatet ist. Nun sind die Erwartungen dementsprechend hoch und wollen erfüllt werden. Mit „Kingdom Come“ konnte J-Hova einige Liebhaber seiner Musik allerdings nicht zufrieden stellen. Der soundtechnische Rahmen, der aus einem Angebot aus sanften Instrumentals, harten Drums und wilden Samples besteht, ist keineswegs ungewohnt für den typischen Hova-Klang. Allerdings sticht kaum einer der Beats hervor, sodass ein relativ monotones Soundbild geschaffen wird, welches aber trotzdem stilvoll ist. Auch die Fülle an Thematiken hebt sich auf dem Longplayer nicht unwissentlich von der klassischen Gangsta-Materie, mit Blick auf materiellen Wohlstand und gegenseitiges Kräftemessen ab. Zumindest behalten die Lyrics aber durch die leidenschaftliche Form des Reimens an Brisanz. Zusammengefasst im Sinne des erfolgreichen Rappers:

„Your best shit ain’t better than my worst shit.“ (Jay Z – „Versus“)

Ein ebenfalls direkter Vergleich zwischen den Duett-Tracks mit Beyoncé führt die Differenz vor Augen. Während „Crazy in Love“ 2003 große Erfolge verzeichnen konnte, ist „Hollywood“ nur einer von 14 Tracks, der auf „Kingdom Come“ umher schwirrt und längst nicht so eingängig ist, wie die R’n’B Hymne des Paars.

Lange Rede, kurzer Sinn: „Kingdom Come“ ist in meinen Augen kein schlechtes Album. Gemessen an dem Standard eines Jay Zs mag es aber vielleicht nicht das Beste sein. Insbesondere im direkten „Hit-Vergleich“ kann das Album die verwöhnten Geschmäcker sicherlich nicht vollständig überzeugen, was aber kein Hauptkriterium darstellen sollte. Der Longplayer ist ein gemütliches Werk, das man gut am Stück hören kann, aber kein Feuerwerk beinhaltet, welches nach einem mehrjährigen Pausieren meist ganz wünschenswert ist. Das größte Fünkchen des erhofften Feuerwerks findet sich dann aber doch auf „Show Me What You Got“ wieder.

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