Jubiläumsalbum: Haftbefehl – „Kanackiş“ (2012)

kanackiş

2011 war ein von Erfolg gekröntes, aber auch stressiges Jahr für Haftbfehl. Der Rapper aus Offenbach spielte laut eigener Aussage im Zuge des Erfolgs seines Debütalbums „Azzlack Stereotyp“ in dem darauffolgendem Jahr an fast jedem Wochenende ein Clubshow. Anstatt auf der Straße im Mainpark, verbrachte er viel Zeit auf der Autobahn, unterwegs von der einen Clubshow zur nächsten. Während dieser Zeit entstand sein zweites Album „Kanackiş“, bennant nach einem Slang, der den Wortschatz des Deutschrapfans wohl am meisten erweitern würde.
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Sein Debütalbum brachte Offenbach neu auf die Karte und Haftbefehl genoss einen lange im deutschen Rap nicht mehr dagewesen Hype. Ganz nebenbei personifizierte er die Polarisierung. Viele Rapfans warteten auf den Nachfolger des Neuzeitklassikers, erhofften sich die logische Fortsetzung von AS.

Was ein Dilemma: Wenn das Debütalbum dafür sorgt, dass du durch die Großraumdiskotheken der Republik tourst, aber keine Zeit hast mit deinen Freunden im Block verrückte Sachen zu erleben.

Aber Hafti verbrachte viel Zeit auf der Bühne und in Clubs, wollte Musik für diese Situationen schaffen. Sein „Halt die Fresse“ zu „Ich und meine Sonnenbrille“ drehte er dementsprechend nicht inmitten vielen Kollegen vor einer alten Halle, sondern in einer Bar.

Tatsächlich verlagerte sich der Schwerpunkt von seiner Musik. Zwar erzählt Hafti Abi nach wie vor aus seinem Leben in den Blockhäusern der Mainstadt und als Kontrast dazu aus seinem Leben als Rapstar, der von Neidern umgeben ist, in teuren Autos durch Europa fährt und wenn er will deine Traumfrau aufreißt. Aber die angenehm melancholiche Seite, die sich durch eine glaubwürdige und nicht überspitze Blockromantik auszeichnete, am besten präsentiert in „Sommernacht in Offenbach“, verlor sich ein wenig zwischen den VIP-Plätzen des Clubs in deiner Vorstadt und dem achtem Stock im Mainpark. Dafür finden sich mehr gesungenene Hooks auf seinem Zweitwerk.

Auch die Featureliste zwischen seinen ersten beiden Alben könnte kontrastreicher nicht sein.

Wird er auf seinem Debüt unter anderen von seinem ehemaligen Labelchef Jonesmann und Frankfurter Urgestein Chaker unterstützt, sind auf seinem zweiten Langspieler neben weiteren Featureparts aus dem eigenen Camp, Jan Delay, Sido und Rim’K. Große Namen für das zweite Album.

Beeindruckend sind auch die Produktionen über die H-A-F-T rappt. Die Namen Bazzazian, m3, Abaz,Lex Barkey, Desue, KD Beats und Bounce Brothas stehen bis heute alle noch für starke Produktionen made in Germany. Dennoch ist es die Vortragsweise des zwei Meter großen, böse guckenden Haftbefehls, jene die die Platte besonders macht. Jenseit von komplexen Vergleichen und atemberaubenden Doubletimepassagen, hören wir Reimketten, die sich eigentlich nicht reimen dürften, es bei ihm aber tun. Auf diesem Album traute sich der damals 26-Jährige einiges, was die Beats, Hooks und eben Delivery angeht.

Niko besuchte ihn damals bei dem Dreh zu seiner Videoauskopplung „Crackküchenmukke“ in Frankfurt.

Die Legende sagt, dass Haftbefehls Bruder die Festplatte formatierte auf der „Azzlack Stereotype 2“ sei. Wie wir Hafti kennen, trauerte er diesem Verlust nicht lange nach, sondern begann die Arbeiten an „Russisch Roulette“ und legte das Album nach, dass sich viele nach seinem Debüt erwünscht hatten. Nur war Haftbefehl da, vier Jahre nach seinem Debüt, bereits zu einem der prägendsten Rapper unserer Szene geworden.

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Moin! Aachener, der irgendwas mit Medien studiert, ungern über sich in der Dritten Person schreibt und fest zu BACKSPIN gehört. Kopf ist kaputt, aber Beitrag is nice, wa.

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