Johnny Rakete: „Vielleicht bin auch ich der Sonderling und der Komische“

Johnny

Johnny Rakete ist nun schon seit fast fünf Jahren ein fester Bestandteil der deutschen Rapszene. Der Fürther rappte sich sowohl mit seinen entspannten und ehrlichen Songs, als auch mit einigen Battles bei DLTLLY mit seiner bodenständigen Art in die Herzen vieler Zuhörer. Am Freitag erschien mit  „Macht’s gut und danke für den Fisch“  der dritte und letzte Teil seiner, von Douglas Adams inspirierten, „Per Anhalter durch die Galaxis“ Reihe, auf der er wieder von Beat-Spezialist HawkOne unterstützt wurde. Ich unterhielt mich anlässlich dessen mit ihm darüber, wie es weiter geht, über Inspiration und ein neues Battle. 

Johnny

Du hast zu „Per Anhalter durch die Galaxis“ ein Interview bei uns gegeben, bei dem du meintest, dass „The Infamous“ von Mobb Deep unglaublich wichtig für dich ist. In den „Was die Delfine schon vorher wussten“ Videos war es auch zu sehen. Inwiefern spielt das Album eine Rolle auf „Macht’s gut und danke für den Fisch“?

Das Cover verglichen mit dem „The Infamous“-Cover ist eine Parallele und ich kann dir so viel sagen, dass das alles nicht zufällig passiert. Es ist nicht nur so: „Ich feier das, deshalb zeig‘ ich das jetzt.“. Es hat schon auch mit dem Soundkonzept zu tun. Wir haben die gleichen Samples gediggt, die Havoc für „The Infamous“ gediggt hat. Wir benutzten die gleichen alten Funk-, Soul- und Jazz Songs für Beats, wie auf dem Album auch. Eine kleine Hommage praktisch. Aber alles neu geflippt und geil geflippt.

Ist das der letzte Teil deiner „Per Anhalter durch die Galaxis“-Reihe?

Ursprünglich sind es fünf Bücher. Hawk One und ich haben uns während der ersten Platte gedacht: „Lass uns drei EPs machen.“, also eine Trilogie und mit  „Danke für den Fisch“ ist die Trilogie abgeschlossen. Das ist nur für den Rahmen. Das hat nicht zu bedeuten dass ich nicht mehr mit Hawk One Musik mache, oder, dass es mit den Douglas Adams Anspielungen vorbei ist. Aber in diesem Fünf-Song-EP-Rahmen habe ich mich glaube ich erstmal genug ausgetobt. Das nächste Ding wird deswegen irgendwas anderes.

 

 

Es wirkst so, als wären Bücher eine große Inspirationsquelle für dich. Welche Bücher sind dir besonders wichtig?

Ich bin ein großer Science-Fiction und Fantasy Fan. Im Alltag ist man voll von der Realität und realistischen Sachen umgeben, wo ein Buch echt gut tut. Woanders zu sein. Walter Moers  und Douglas Adams das sind meine Lieblings-Autoren. Es ist immer mit Herz geschrieben, es ist was zum Lachen dabei, die Sachen sind einfach völlig abstrus und wahnsinnig lustig. Ich liebe das sehr. Ansonsten gehör‘ ich zu den Leuten, die es im Deutschunterricht ganz cool fanden Herman Hesse zu lesen. Mir hat das getaugt. Ich bin auch heute noch ein großer Herman Hesse Fan. Ich habe auch Faust verschlungen in der Schule, weil es in Reimen geschrieben war. Ansonsten habe ich viel Albert Camus in meinem Bücherregal. Jules Verne auch. Das ist eher die Richtung in die ich gehe.

Du sagtest in einem Interview zu „Das Leben Das Universum und der ganze Rest“, dass es dich zu einem gewissen Zeitpunkt sehr beschäftigt hat, dass viele Leute an der Universität ähnliche Inspirationsquellen haben. Siehst du den fehlenden Individualismus immer noch als Problem? Wie löst du das Problem für dich?

Uni ist scheiße, auf jeden Fall. Das ist einfach ein Ding, dass Bayern grundsätzlich schwierig ist, von den Leuten her. Ich gehe halt hier zur Uni. Das ist eigentlich mega arrogant und eingebildet. Vielleicht bin auch ich der Sonderling und der Komische, der mit den anderen nicht klar kommt. Aber ich habe aus der Uni keine Leute mit denen ich richtig eng bin, mit denen es darüber hinaus geht, dass man in der Pause eine rauchen geht, oder, wenn Freistunde ist, zusammen am Tisch rumhockt.
Irgendwie sind die Leute an der Uni erschreckend uninteressant. Ich weiß nicht, ob das an der Uni liegt und an der Art und Weise wie es dort läuft. Das Fachliche und das Studium selbst ist auch noch mal was anderes. Man hat immer eine sehr romantische Vorstellung von der Uni bevor man dort ist.  Filme und die Eltern haben da einen großen Einfluss. Dann kommst du dahin und es ist  halt nicht geil. Am Ende ist es doch wie die Schule. Durch die Bologna-Reform ist, was du an Vorlesungen und so machen musst, sowieso noch mal doppelt scheiße geworden. Und dann hängst du halt mit 200 Idioten in einem riesigen Hörsaal, mit einem Idioten an der Tafel ganz vorne, an der er sein Programm runter stottert, aber keinen Funken Interesse daran hat, ob das jetzt ankommt, oder ob das gut ist. Uni ist eine sehr ernüchternde Erfahrung gewesen. Dementsprechend würde ich sagen, dass alles, was ich damals gesagt habe, immer noch stimmt.

Ich denke, es ist schwierig Inspirationen zu finden wenn, wie im Studium, viel vorgegeben ist. Was sind für dich Sachen, die dir helfen Inspiration zu finden, außer der Literatur?

Das kann echt alles sein. Ganz banal zum Beispiel, ich habe es nicht direkt in Raps verpackt, aber One Piece. Durch Mangas habe ich so viel über Freundschaften und Loyalität für mich selbst mitgenommen und gelernt. Oder auch Alltagssituationen, oder Nachrichten. Wenn mich was beeinflusst, dann immer mehr auf einer emotionalen Ebene. Billiges Beispiel, aber das Einfachste: Wenn ich im Fernsehen ein hungriges Kind aus Afrika sehe, dann berührt mich das so sehr. Es ist dann nicht so, dass ich dann über ein hungriges Kind in Afrika rappe, sondern ich denke über dieses Gefühl, das ich habe wenn ich das sehe, und über die Situation, in der das Kind lebt nach. Mich beeinflusst dann eher die Traurigkeit und die Hilflosigkeit, die dort herrscht. Das verarbeite ich dann mehr, als dass ich mich tatsächlich auf diese Tatsache beziehe. Ich mach ja keine Themen-Songs in dem Sinne. Wenn man sich „Manchmal“, „Keine Panik“ und „42“ anhört, merkt man das. Das ist alles so „Laut denken auf Beats“. Mehr das, als alles andere.

 

 

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Stuttgarter Heidelberger, der in Hamburg ist, sich in der Musik zuhause fühlt und von Hannes Wader erzogen wurde Hip-Hop zu lieben.

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