Jimmy Torrio: Wer steckt hinter den erfolgreichen Beats?

Jimmy Torrio

Für wen Jimmy Torrio noch kein Begriff ist, der sollte sich diesen Namen hinter die Ohren schreiben. Seine Beats klingen rau, sind der Inbegriff des deutschen Traps und jeder kennt mindestens einen produzierten Song von ihm. Doch wer steckt hinter den erfolgreichen Hits von Haftbefehl, Ufo361 oder RIN?

Jeremias aka Jimmy Torrio wuchs in Husum auf und lebt seit 2012 in Hamburg. Man könnte vermuten, dass ihn Hip-Hop seit jungen Jahren begleitet – doch bei Jeremias sieht das anders aus: Der 25-Jährige erzählt, dass er sich nie richtig mit Musik beschäftigte. Zwar spielte er als kleiner Junge fünf Jahre Geige und verfolgte über seine Geschwister die neuesten Musiktrends, dennoch hörte er nie bewusst Hip-Hop.

Erst zu Zeiten von Aggro Berlin und dem steigenden Interesse an der Filmmusik begann Torrio die melodischen Elemente bewusster wahrzunehmen. Im Alter von 16 Jahren versuchte er sich an den ersten eigenen Projekten, um herauszufinden, wie Beats entstehen. Ein richtiges Erfolgskonzept hat der 25-Jährige nicht. Alles begann mit einfachen Programmen für 20 Euro aus dem Netz, setzte sich fort mit Profi-Software wie „Cubase“, und stellte sich zusammen aus gekonntem Halbwissen:„Ich hatte eigentlich keine Ahnung von irgendwas. Ich wusste noch nicht mal was Takte sind.“ Bevor es zu seinen ersten Erfolgen kam, produzierte Jeremias lediglich zum Spaß. Er war sich selbst bewusst, dass das, was er machte, nicht gut war. Schon als er damals nach Hamburg kam, wusste er, dass er hart an sich arbeiten muss. Sein Ziel verlor er dennoch nie aus den Augen: Er will Musik produzieren.

Jimmy Torrio ist ein bodenständiger Typ. Er selbst ist sein größter Kritiker. Trotz keiner Resonanz und Feedback von außen, machte er weiter. Einige Zeit später lernte er Erfan Bolourchi, den ehemaligen Manager von Haftbefehl kennen. Für den 25-Jährigen ermöglichte sich erstmals eine große Chance. Dort fand er Anschluss und schickte Bolourchi auf gut Glück seine Beats zu. Erstmals bekam der Produzent Hilfestellung in seiner Arbeit. Erfan erkannte zwar sein Talent, kritisierte aber, dass er sich noch mehr reinhängen müsste und mehr als nur ein Beat in der Woche produzieren müsse – und genau das tat Jeremias auch. Nach einigen Monaten Funkstille forderte das Management die Arbeit des Producers ein.

Gerade noch im WG-Zimmer irgendwelche Tonspuren aneinandergelegt, danach plötzlich die Beats für das Album „Russisch Roulette“ von Haftbefehl produziert. Mit dem schnellen Erfolg wurde auch das Pseudonym Jimmy Torrio ins Leben gerufen. Der 25-Jährige lehnt seinen Künstlernamen an den italo-amerikanischen Mobster „Johnny Donato Torrio“ an. Jimmy hebt jedoch hervor, dass er sich nie mit einem Mafioso vergleichen würde und mittlerweile nur noch „Jimmy“ als seinen Tag benutzt.

Mit dem Haftbefehl-Album setzte sich der 25-Jährige einen Fuß in die Tür. Den großen Durchbruch schafft er 2016 zusammen mit Nimo und seinem Song „Nie wieder“ aus dem Debüt-Mixtape „Habeebee“. Jimmy orientierte sich dabei bewusst an Nimo. Als der Rapper seine Handyvideos veröffentlichte merkte der Produzent schnell, dass Nimo einer der einzigen deutschen Rapper war, der auf Trap-Beats rappte. „Er war so der Erste, bei dem ich mir dachte, dass deutsche Sprache doch echt cool auf Trap-Beats klingen kann.“ Jimmy Torrio kontaktierte daraufhin Erfan, welcher den Kontakt zum Management von Nimo herstellte. Kurze Zeit später schickte er fertige Projekte an Nimo, der sich anschließend den „Nie wieder“-Beat selbst auspickte.

Alles was Jeremias in seiner Freizeit macht ist Beats bauen. Mittlerweile ist Jimmy in der Hip- Hop Szene gut vernetzt. Es ist ein ständiges Geben und Nehmen zwischen den Künstlern, Managements und dem Produzenten. Mal kommen die Musiker auf ihn zu, ein anderes Mal schickt der Produzent seine Beats einfach drauf los. „Ich baue Beats, aber wenn jemand fragt, ob ich was anderes daraus machen kann, dann bau ich wieder was Neues.“

Aktuell arbeitet Jimmy zusammen mit dem Hamburger Intibabypusha an einem Tape für den Newcomer. Dennoch gibt es auch für einen Jimmy Torrio mal Tage, an denen es nicht gut läuft: „Wenn ich jetzt einen Beat anfange und nach einer halben Stunde merke, dass sowieso alles gleich klingt, dann mach ich einen Neuen. Es kann aber auch wieder sein, dass ich den eine Woche später wieder raushole und mir denke, jo der ist krass.“

Heute weiß er nicht nur ganz genau was Takte sind, sondern hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Der Produzent zeigt, dass man seine Ziele auch ohne jegliches Fachwissen erreichen kann, so lange man das tut, was einem am Herzen liegt.

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