Jenny Bohn im Interview zu ihrem Buch „TOPF“

24 Jahre bestand die Münchener Gruppe Blumentopf. 24 Jahre, in denen die Deutschrap-Urgesteine Cajus, DJ Sepalot, Roger, Schuh und Wunder einen Kult schufen, der auch nach ihrer Auflösung vorhanden bleiben wird. Um diese Geschichte zu manifestieren, machte sich Herausgeberin Jenny Bohn auf eine Reise durch Deutschland, sammelte dabei die Eindrücke vieler namenhafter Zeitzeugen und grub sich durch das Archiv der Band. Wie und warum sie das angestellt hat, erzählt sie in den folgenden Zeilen.

blumentopf19922

Blumentopf 1992 – 24 Jahre Deutsche Hiphop-Geschichte

Wie kamst du zu der Idee, ein Buch über Blumentopf zusammenzutragen?

Der Verlag Antje Kunstmann oder genauer der Lektor Moritz Kirschner hatte die Idee, ein Buch über die Band zu machen.

Wie bist du dabei vorgegangen?

Christian Rothe und Markus Postrach von Copa-Ipa, Janna Wonders und ich haben das Konzept gemeinsam entwickelt. Es war uns von Anfang an klar, dass das Buch keine Fließtext-Biographie sein kann, sondern eine Mischung aus Fotoband, Erzählungen und Zeitzeugenberichten werden muss. Ich habe zuallererst die Töpfe getrennt voneinander interviewt um nicht das Kollektivgedächtnis abzubilden, sondern die unterschiedlichen bandinternen Perspektiven einzufangen. Zudem haben mir die fünf ihre Archive zur Verfügung gestellt. Ich habe mich durch Aktenordner voller Zeitungsartikel und Fotos gearbeitet und nach und nach die relevanten Themen und Gesprächspartner herausgearbeitet.

Welche Erfahrungen verbindest du mit Blumentopf?Jenny Bohn©Fritz Beck

Ich selbst habe Blumentopf nie wirklich wahrgenommen.
Ein guter Freund aber war ein großer TOPF-Fan und spielte mir ständig die neuen Sachen vor
um mich von dem Sound aus München zu überzeugen. Leider war darunter auch Partysafari und dadurch blieb ich standfest. Aber ich ließ die Listening-Sessions immer mal wieder zu, denn ansonsten hätte ich Curse hören müssen.

Wie war die Reaktion der Band auf die Buchidee?

Die Band war anfangs eher skeptisch. Sowieso ist es schwierig von der Band zu sprechen, wenn es um Meinung geht: Fünf Reaktionen, fünf Ansichten, fünf Meinungen. Mit der Bekanntgabe der Auflösung sind Anfragen über Anfragen auf die Band eingeprasselt, aus einem Konzert wurde eine kleine Tour und dann auch noch ein Buch. Es war klar, dass sie eng mit mir zusammenarbeiten müssten und das bedeutete auch einiges an Arbeit für die Jungs. Sie haben mir nicht nur ihre Archive geöffnet, sondern auch Kontakte hergestellt und auch alle eigene Beiträge verfasst. Als nach und nach die Stimmen der Zeitzeugen eintrafen, waren die fünf ganz schön gerührt. Und schlussendlich würde ich sagen, dass der Blumentopf froh darüber ist, sich das Buch ins Regal stellen zu können.

Wie haben die Personen, die in deinem Buch über Blumentopf berichten, auf deine Anfrage reagiert?

Ich habe in meinen Anfragen gleich deutlich gemacht, dass das Buch keine Lobhudelei auf die Band werden soll, sondern differenzierte und auch kritische Stimmen gefragt sind. Die Reaktionen waren durchweg positiv. Das Gemeinschaftsgefühl in der Hip-Hop-Kultur ist wirklich nicht zu unterschätzen. Grundsätzlich sind alle am Start – schon allein, um dem „Lebenswerk“ der Band ihren Respekt zu zollen.

Was hast du auf deiner Reise erleben können?

Für mich war das Projekt auch eine kleine Zeitreise. Es hat wirklich Spaß gemacht. Denn wenn die Protagonisten alle eines gemeinsam haben, dann ist es gut, gute Geschichten erzählen zu können.

Abschließend: Hat sich deine Sicht auf Blumentopf positiv oder auch negativ verändert?

Ich bin zunächst sehr nüchtern an das Thema herangegangen. Umso tiefer ich in die Materie eintauchte, umso mehr Achtung entwickelte ich vor dem Werk der Band. Die Songs sind viel differenzierter in ihrer Thematik als ich es angenommen hätte. Es ist nicht immer alles politisch korrekt und nicht immer alles so gutbürgerlich-Reihenhaus-mäßig, wie ihnen nachgesagt oder gar vorgeworfen wird. Und vor allem habe ich den Witz sehr zu schätzen gelernt.

blumentopf19922 (1)

Das Buch erscheint morgen, am 24. August über den Verlag Antje Kunstmann und kann hier bestellt werden.
Außerdem wird am Mittwoch, dem 25. August um 21 Uhr die Buchpremiere im Ampere, in München gefeiert.

 

The following two tabs change content below.
Razer

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.