Jedi Mind Tricks „The Thief and the Fallen“ (Review)

jedi_mind_tricks_review_the_thief_and_the_fallen-475Der beste Weg, Vinnie Paz aka Boxcutter Pazzie zu beschreiben, ist dieses Zitat aus „Poison in the Birth Water“, dem ersten Track, produziert von Stoupe und C-Lance, auf dem neuen Album „The Thief and the Fallen“ von Jedi Mind Tricks. Mit seinem alten Weggefährten Stoupe an der Seite steigt Vinnie P. erneut in den Ring, um klarzustellen, dass er ein absolutes Schwergewicht am Mic ist. Und so schickt er in der Hook seine Gegner auch mal gerne ohne Zähne nach Hause. Hier kommen Vocal-Samples aus alten Hip-Hop-Klassikern zum Einsatz, Runde eins geht somit an Vinnie Paz, Stoupe und C-Lance.

Mit „Rival the Eminent“, „Hells Messenger“ und „Merchant of War“ gibt Vinnie lyrisch ein hohes Tempo vor und teilt dabei ordentlich aus. Dazu scheint der Leader der Official Pistol Gang über ein weitreichendes Waffenarsenal zu verfügen, denn er wird nicht müde, das ein oder andere Kaliber zu erwähnen – und dass er es durchaus auch mal benutzen würde. „Your guns go boom boom, mines go pow pow“ – ganz im Sinne von Big L. Die Produktionen erfinden das Rad nicht neu, sind aber liebevoll arrangiert und im Jedi Mind typischen Boom-Bap-Stil gehalten. Die Handschrift von Stoupe ist dabei sofort zu erkennen. Samplelastige Beats, Vocals, häufiger Einsatz von Scratches und eben das gewisse Etwas, das spätestens beim Interlude „La Montagna Del Dio Cannibale“, gesungen von Yes Alexander, an alte Jedi-Mind-Tricks-Zeiten erinnern lässt. Das Spiel zwischen der rauen Stimme, den pumpenden Beats und den dann folgenden Ruhepausen in den Interludes geht auch hier wieder voll auf. Man gönnt dem Hörer bewusst eine Pause und holt ihn zurück auf Normalpuls, um dann mit einer emotionalen Nummer tiefe Einblicke zu gewähren.

„Fraudulent Cloth“ nämlich bietet Einsicht in das Innerste des Protagonisten, dessen sprichwörtliche harte Schale doch einen weichen Kern beherbergt. Die sehr soulige Hook wird von Eamon gesungen, der sich mit „Fuck it“ vor Zeiten schon einen Namen machen konnte und auch hier durchaus zu überzeugen weiß. Die zweite Video-Auskopplung aus dem Album hat mich persönlich direkt mitgerissen und zeigt das Spektrum und Niveau, auf dem sich Jedi Mind Tricks zurzeit bewegen.

Mit „And God said to Cain“ folgt der erste Track, der mir erstmal nicht so gut ins Ohr geht. Mag daran liegen, dass Newcomer A.F.R.O. (All Flows Reach Out) eröffnet und dabei eine durchaus experimentelle Art und Weise an den Tag legt. Selbst nach mehreren Durchläufen konnten mich nur Vinnie Paz und R.A. the Rugged Man, der zweite Feature-Gast, überzeugen.

Der nächste Track „Destiny Forged in Blood“ erscheint im militärischen Gewand und gewohnt treibend. Das Schwergewicht Vinnie P. Haut hier wieder gewaltig einen raus: „I was on the mic 1,2 is that thing on, you was just an asshole, rama lama ding dong“ und überzeugt mit freshen Flows. Man spürt hier deutlich die Energie, die von Vinnie Paz ausgeht. Aussagen wie: „Dont ever in ya life play god with me, I’m a seven time rhyme winner you’s a nominee“ oder: „And don’t ever question who Im targeting, It ain’t no one specific, this is just a slaughtering“sprechen eine deutliche Sprache und spätestens jetzt lehne ich mich zufrieden zurück und genieße ein bislang sehr starkes Album.

Das Interlude „Il Tuo Vizio E Una Stanza“ spielt wieder die sanften Töne an. Neben Gitarren und Streichern verzaubert Yes Alexander mit ihrer Engelsstimme und sorgt erneut für einen Ruhepol beim Hören von „The Thief and the Fallen“.

Mit der ersten Video-Auskopplung zu „Deathless Light“ hat Vinnie Paz deutlich aufgezeigt, in welche Richtung es mit dem Album gehen wird. Der Sound ist wie die Bildsprache gewohnt düster und peitscht nach vorne. Das Tempo wird mit „No Jesus, No Beast“ nochmal angezogen und es herrscht akute Kopfnick-Gefahr. Als dann noch Dilated Peoples einen Feature-Part auf „The Kingdom“ abliefern, hatte ich schon ein wenig Pipi in den Augen. Vor Freude versteht sich.

„The God Supreme“ bietet typische Battle-Lyrics und überzeugt durch die gewohnt gute Delivery von Vinnie Paz. „In the Coldness of a Dream“ featuring Thea Alana und „Lemarchand’s Box“ featuring Yes Alexander runden die düstere Stimmung, die beim Hören von „The Thief and The Fallen“ herrschte, ab und machen Lust auf weitere Produktionen des Dream-Teams aus Philadelphia. Langjährige Fans vonJedi Mind Tricks machen mit dem Kauf dieser Platte absolut nichts falsch.

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Ivan zählt zur gestandenen Garde der BACKSPIN GANG und zeichnet vor allem für das Marketing verantwortlich. Der 1979 geborene Hamburger aus Eimsbüttel engagiert sich darüber hinaus als Kamera-Assistent und hilft, wo er nur kann. Neben seiner Leidenschaft für traditionsreichen New Yorker Boom Bap begeistert er sich für die Graffiti-Kunst.
Hanfosan

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