Jubiläumsalbum: J Dilla – „Donuts“ (2006)

Donuts

Wenn man die Leute fragt, was sie mit dem Wort „Donuts“ assoziieren, werden neben dem verdammt leckeren Zuckergebäck viele wohl auch an Homer Simpson oder leicht übergewichtige US-Cops denken. Ich für meinen Teil verbinde damit aber hauptsächlich einen persönlichen Hip-Hop-Meilenstein. Grund dafür ist das Instrumental-Album „Donuts“ von J Dilla, auf das ich stets mit einem weinenden und lachenden Auge zurückblicke.

Donuts
“Dead rappers get better promotion”. Diese Line von Jadakiss hat sich bei mir tief ins Gedächtnis eingebrannt und wird wohl niemals ihre Gültigkeit verlieren. Es gibt viele Künstler die erst durch ihren verfrühten Tod zur Legende wurden und eine Aufmerksamkeit erreichten, von der sie zu Lebzeiten nur hätten träumen können. Einer dieser Menschen ist meines Erachtens J Dilla. Bevor der Mann aus Detroit 2006 tragisch an Lupus starb, war er in Szenekreisen zwar durchaus bekannt und wurde von Kollegen geschätzt, eine wirklich große Fanbase (vor allem in Übersee) hatte er allerdings nicht. Und auch ich hatte vor „Donuts“ noch nie bewusst von Jay Dee gehört, damals war ich 21 und hörte immerhin schon etwa acht Jahre Hip-Hop-Musik. Doch plötzlich war J Dilla in aller Munde und sein Instrumental-Album „Donuts“ wurde allerorts in den Himmel gelobt.

Ich war eigentlich immer skeptisch gegenüber reinen Instrumental-Alben eingestellt. Bis auf RJD2 und Pete RocksThe Surviving Elements: From Soul Survivior Session II“ konnte ich dem Konzept nicht viel abgewinnen. Gerade im Hip-Hop-Bereich waren mir die Alben zu monoton und uninspiriert. Die meisten loopten einfach nur einen einprägsamen Beat über mehrere Minuten, der als Background für einen Rapper zwar sehr gut funktionierte, für sich alleine aber zu langweilig erschien. Heute würde ich zwar auch anders urteilen, aber dies war vor zehn Jahren in jedem Fall meine Einstellung. Trotz allem beschloss ich J Dilla eine Chance zu geben. Also packte ich meinen Discman (Smartphones kannte damals noch niemand), meinen Hund und ging mit „Donuts“ bewaffnet ins Feld. Bereits die ersten kurzen Tracks ließen mich aufhorchen, doch spätestens bei „Time: The Donuts of the Heart“ hatte mich James Yancey vollends. So viel Soul, Abwechslungsreichtum und Energie hatte ich zuvor noch nie von einem Hip-Hop-Instrumental-Album gehört.

Donuts

Mit diesem Moment an begann meine große Liebe zu der Musik und Leidenschaft J Dillas. Ich fing an das komplette Internet nach den Produktionen von Dilla zu durchforsten und fand dabei auch einige meiner Lieblingslieder, wie etwa Pharcydes „Runnin‘“. Aber nicht nur die Musik, auch für die Persönlichkeit von James Yancey begann ich tiefe Bewunderung zu empfinden. Er verschenkte Beats an gute Freunde, obwohl er daran hätte viel Geld verdienen können, „Donuts“ stellte er unter großen Schmerzen am Krankenbett fertig. So etwas findet natürlich nicht nur bei Freunden und Kollegen großen Anklang auch die recht kritische Hip-Hop-Gemeinde kann sich hier recht schnell einigen. Und so schien es weniger verwunderlich, dass Dilla in den folgenden Jahren geradezu mit Lob und Aufmerksamkeit überhäuft wurde.

Der große kommerzielle Erfolg blieb zwar auch nach seinem Ableben aus, aber ich bin mir bis heute unsicher ob J Dilla den gleichen Legendenstatus hätte, wäre er nicht so früh gestorben und wäre „Donuts“ eben nicht in dieser tragischen Zeit entstanden. Die große Euphorie in Form von Shirts à la „J Dilla changed my Life“ oder die Krönung von diversen Kollegen zum besten Producer aller Zeiten, halte aber selbst ich, als mittlerweile großer Dilla-Fan, für leicht übertrieben. Und auch wenn ich die meisten Dilla-Beats für genial halte, so sind einige Produktionen doch zu unspektakulär und viele seiner Posthum-Releases wären in meinen Augen besser nie veröffentlicht worden. Ich habe vielmehr das Gefühl, dass Dilla seine Bestform erst erreicht hatte und die kommenden Jahre nach „Donuts“ für seinen großen Durchbruch gesorgt hätten. Es betrübt mich bis heute nicht erfahren zu können ob ich mit dieser Vermutung Recht habe oder ob die Euphorie um Dilla hauptsächlich seinem Tod geschuldet ist.

Donuts“ selbst wird aber stets ein besonderes und zeitloses Album für mich bleiben, denn es hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren. Und auch wenn ich bis heute kaum etwas vergleichbares gefunden habe, war es ein Weckruf für mich, auch Instrumental-Alben vermehrt eine Chance zu geben.

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Daniel hat seine Ausbildung im Büro der Schädlingsbekämpfung gemacht und anschließend Informationswissenschaft studiert. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei Rap4Fame ist er bei der Backspin gelandet und hilft seit 2011 als freier Mitarbeiter aus.

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