Lumaraa über „Ladies First“, Frauen im Rapgame und die Bindung zu ihren Fans.

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Kaum ein Jahr ist das letzte Album her, schon meldet sich Lumaraa mit einer neuen Platte zurück. „Ladies First“ heißt das Ding und hat am 10. März das Licht der Welt erblickt. Immer die Balance zwischen beatlastigem Rap und gesangslastigem Pop haltend, erzählt die 27 Jährige über alte Liebe, die neue, über Frauen, Männer, verschwendete Zeit und ihre Weltsicht. Wir haben uns mit ihr über ihre Arbeit mit Daniel Sluga (a.k.a. Fader Gladiator), seinerseits Labelgründer von Blitzvinyl, Gründungsmitglied von Die Firma und Echogewinner, ihren Stalker und die Nähe zu ihren Fans unterhalten.

 

Früher war Köchin dein Berufswunsch. Wie kommt man von Traumberuf Köchin zum Traumberuf Rapperin?

Lumaraa: Also ich hab das rappen auch da schon nebenbei gemacht, während ich Köchin werden wollte. Da ich das aber, aufgrund meiner Neurodermitis, nicht machen konnte, habe ich mich mehr auf die Musik konzentriert, weil mich das irgendwie beruhigt hat. Also die Musik war auch vorher schon da.

In deiner Musik mischt du oft eher poppige, gesungene Tracks mit härterem Rap. Wolltest du schon immer beides machen oder versuchst du da bewusst eine Vielfalt reinzubringen?

Lumaraa: Es war immer schon beides, aber ich versuche auch bewusst eine Vielfalt zu nutzen, da ich mir das eine um das andere nicht verbauen will, weil ich beides cool finde.

Jetzt bist du nach fünf Jahren in Berlin, nach Leipzig gezogen. Wieso grade Leipzig ?

Lumaraa: Ich bin mit dem Asiaten zusammengezogen und der hat hier in Leipzig gewohnt und arbeitet hier auch, deshalb bin ich hierher gezogen.

Viele Beats und auch Videos von dir, sowohl von „Ladies First„, als auch von vorherigen Sachen sind von Daniel Sluga (a.k.a. Fader Gladiator). Wie ist diese Zusammenarbeit entstanden?

Lumaraa: Ich habe 2013 mein Label beziehungsweise mein Management gewechselt und war dann natürlich auf der Suche nach einem passenden Label und passenden Leuten, da wurde mir dann Daniel Sluga vorgeschlagen. Der wollte zwar erst nicht und hat mir auch nicht zurückgeschrieben. Hat ihn gar nicht interessiert. Aber als ich dann ein ausverkauftes Konzert in Köln gespielt habe, da hat er sich dann gemeldet, da dachte er ‚Hä, wie? Eine Rapperin? In meiner Stadt und ausverkauft? Kann ja gar nicht sein.‚ Und so hat er sich dann bei meinem Management gemeldet und dann haben wir miteinander telefoniert, dann bin ich nach Köln gefahren, da haben wir dann Verträge gemacht und gequatscht und seitdem arbeiten wir zusammen.

Nach ‚Mädchensache‚ 2012 steht jetzt mit ‚Ladies First‚ nach fünf Jahren wieder die Frau im Vordergrund. Wieso glaubst du, dass man Frauen im Rap immer noch so krass betonen muss?

Lumaraa: Ich hab nicht das Gefühl, dass man Frauen im Rap krass betonen muss. Ich bin halt ein Mädchen und kann mein Album nicht ‚Men First‘ nennen. Männer sagen ja auch ‚Südberlin Maskulin‚ und was weiß ich was alles. Ich glaube jetzt nicht, dass die da den Hintergrund hatten die Männerwelt speziell zu vertreten. Die sind halt einfach Männer und machen Männermusik und rappen über Männersachen und ich bin eine Frau und rappe über Frauensachen und will natürlich nicht in die ‚Eier-Ollen-Schiene‘ reingedrückt werden. Man kennt ja diese Rapperinnen, die einen auf Mann machen und ‚Brudi, ich schwör ich f*ck dich‚ und so weiter sagen. Damit wollte ich nie identifiziert werden, weil ich ja doch irgendwo eine Frau bin und meinen Platz kenne. Das hört sich jetzt sehr unterdrückt an, aber es ist eben so. Ich hab halt keinen Schwanz. Das weiß ich auch und das vertrete ich auch so vor der Öffentlichkeit. Aber das hat noch lange nichts mit Feminismus oder so zutun.

Verfolgst du denn auch andere Female MCs, auch international ?

Lumaraa: Ja, definitiv.

Hast du denn eine Meinung zur aktuellen Auseinandersetzung zwischen Remy Ma und Nicki Minaj?

Lumaraa: Oh, ne da kenn ich mich nicht aus. Also ich höre Nicki Minaj. Ich feier Nicki Minaj auch, aber mit diesem ganzen Pressezeug habe ich nichts zutun. Das interessiert mich nicht. Mich interessiert nur die Musik, aber was die Leute in ihrem Privatleben machen und was die für Stress haben, das interessiert nur die Magazine und Radios, aber mich nicht.

Zwischen „Mädchensache“ und „Ladies First“ gab es jetzt eine vierjährige Pause. Was ist in der Zeit bei dir passiert?

Lumaraa: Ich hatte eine Gerichtsverhandlung mit meinem ehemaligen Management und das hat eine ganze Weile gedauert, bis ich da raus war. Hat mich auch eine Menge Geld gekostet, weil ich einen Anwalt brauchte und Gerichtskosten zahlen musste und so weiter. Dann brauchte ich erstmal eine Pause, um ein wenig Luft zu holen nach dem ganzen Stress. Mitte 2014 war ich dann schon mit der Hälfte des Albums fertig, habe aber dann nochmal mein Produzententeam gewechselt, weil die auch noch aus der alten Konstellation kamen und da hatte ich dann wirklich keinen Bock mehr drauf. Das war mir alles zu viel Stress. Mitte 2014 habe ich auch den Asiaten kennengelernt, weil wir dann frisch verliebt waren, haben wir dann auch nochmal ein halbes Jahr rumgetrödelt. Ende 2014 habe ich dann angefangen das Album richtig aufzunehmen. 2015 haben wir die Videos gedreht und insgesamt ist einfach viel passiert. Aber hauptsächlich war es eben die Gerichtsverhandlung und die Pause, die ich danach brauchte um mich zu sammeln.

Wurde die Hälfte des Albums, die noch mit dem alten Produzententeam entstanden ist, verworfen oder übernommen?

Lumaraa: Ich habe die Produktionen bezahlt und die dann auch mitgenommen und die andere Hälfte des Albums dann mit dem neuen Label gemacht, unter anderem dann mit Daniel Sluga.

In den vier Jahren zwischen den Alben warst du auf Youtube sehr aktiv und hast da auch sehr viele Follower, genau wie auf Facebook. Glaubst du, dass auf dieser Community dein aktueller kommerzieller Erfolg basiert?

Lumaraa: Ich denke wir leben in einer Zeit, in der Youtube essenziell ist und eigentlich auch ganz normal. Aber ich würde mich jetzt nicht als Youtuberin bezeichnen. Ich bin eben nicht dieser klassische Youtuber. Ich weiß, ich bin noch jung im Gegensatz zu manch anderen, aber als ich angefangen habe zu rappen, gab es eben Youtube und die ganzen Youtuber noch nicht. Und ich finde es total schlimm, wenn es dann heißt  ‚Du bist die coolste Youtuberin der Welt.‘ oder so, denn ich hab eigentlich nichts mit Youtube zutun. Das ist für mich nur eine Plattform, auf der ich meinen Fans ermögliche mich häufiger zu sehen, als auf Konzerten, aber ich würde jetzt nicht einen auf Bibi (Anm. d. Redaktion: Große, Deutsche Youtuberin) machen oder so. Es kommt auch noch dazu, dass ich in der Zeit über die Plattenfirma nichts veröffentlichen konnte und das dann ein bisschen über Youtube gemacht habe.

 

Regelmäßige Youtube User sind im Durchschnitt relativ jung. Spiegelt sich das auch in deinen Fans wieder?

Lumaraa: Meine Youtube-Statistik sagt ich habe 70 Prozent Männer und 30% Frauen. Was ich auf Konzerten sehe, ist allerdings, dass es wirklich bunt gemischt ist. Also ich habe auch schon 50-Jährige bei meinen Konzerten gesehen, die ein Autogramm haben wollten, aber genauso gab es auch schon Elfjährige, die mit ihren Eltern kamen und die Eltern sind dann auch geblieben, weil sie gesagt haben ‚Oh, das ist ja eigentlich doch ganz cool, was da aus dem Zimmer von meiner Tochter kommt.‘

Vor kurzem war ich bei SXTN auf einem Konzert und die haben, zum Beispiel, wirklich nur 17- bis 23-Jährige. Da gibt’s keine kleinen, da gibt’s keine größeren. Das ist genau eine Sparte, die die abfrühstücken. Bei mir gibt es eben voll viele verschiedene.

Welche Variante findest du besser? Viele von den jüngeren können vielleicht die Emotionale Tiefe deiner Texte nicht unbedingt nachvollziehen.

Lumaraa: Ich denke nicht, dass man meine Texte 100-prozentig nachvollziehen muss, ich denke man muss das fühlen. Wenn eine Elfjährige mir sagt, ich habe ihr mit meinen Text aus einer schlimmen Krise geholfen, dann glaub ich ihr das. Da ist es egal ob die 25, 50 oder 10 ist. Wenn sie das in dem Moment so fühlt, dann kann ich mich ja nicht auf ihr Alter beziehen und sagen: ‚Du bist doch eh erst 10, du kannst das noch gar nicht verstehen‘.  Anscheinend verstehen sie es ja doch, sonst würden sie es nicht hören. Und vielleicht sagen sie in zehn Jahren ‚Ach, krass, okay, das hat sie damit gemeint.‘ , aber das ist eben der Lauf der Dinge. Ich habe früher auch viele Sachen mit Elf, Zwölf gehört und habe null verstanden was die da sagen, aber hab es trotzdem gefeiert.

Du hast mal auf Youtube deine Handynummer rausgegeben, unter der dich deine Fans dann erreichen konnten. Gibt es ein Telefonat, das dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Lumaraa: Von Fans jetzt kein besonderes, die waren alle immer super lieb und so oft habe ich das jetzt auch nicht gemacht. Ich hatte aber mal einen krassen Stalker, den gibt es sogar immer noch.  Ich habe ihn zwar überall blockiert, aber er versucht immer noch mir zu schreiben und so weiter. Der darf auch nicht mehr auf Konzerte kommen und ich versuche ihn so gut es geht zu ignorieren. Er hat mir so meterlange Briefe geschrieben und wollte den Asiaten herausfordern, war total eifersüchtig auf den. Er wäre ja viel besser für mich und ich soll mich endlich richtig entscheiden, hat er gesagt.

Damals hast du Telefonate mit deinen Fans geführt. Wie versuchst du heute noch die Fanbindung so eng zu halten?

Lumaraa: Also zum ersten bin ich nach meinen Konzerten immer am Start, mache immer Fotos und schreibe Autogramme und quatsch mit den Leuten auch richtig. Also nicht nur so schnell, schnell, sondern wirklich entspannt. Das zehrt zwar manchmal auch an den Kräften, aber ist trotzdem super. Ich versuche so viel Bindung wie möglich zu halten, aber ich schaffe es leider nicht jedem zurückzuschreiben. Außerdem sind unter allen limitierten Ladies First Boxen, drei Boxen dabei, in denen eine Autogrammkarte drin ist, auf der meine Handynummer steht. Die drei können mich dann anrufen und sich eines meiner Tourdates aussuchen, auf das sie wollen und vor dem Konzert mit mir essen gehen.

Du hast mal gesagt ein Album ist eine Momentaufnahme, in der man sich grade befindet. Bist du jetzt schon wieder im nächsten Moment?

Lumaraa: Ja, eigentlich schon. Ich schreibe ja immer. Egal, ob ich jetzt ein Album produziere oder nicht, ich schreibe immer. Ich will eben nicht immer über meine Probleme reden, sondern schreibe die lieber auf. Das habe ich auch schon immer so gemacht. Irgendetwas beschäftigt einen und man hat einen coolen Beat und dann schreibt man eben mal zwei, drei Stunden. Das liegt dann da und wenn es ans nächste Album geht, setzt man sich zusammen und überlegt: Gibt es schon ein Konzept? Haben wir schon Texte? Dann lege ich die vier bis fünf Texte vor, die ich in der Pause eben geschrieben habe und dann schaut man, was man benutzen kann. So läuft das meistens ab.

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Schon vor seiner Zeit bei BACKSPIN hat er immer von Hip-Hop geträumt . Jetzt darf er sich auch endlich tagsüber damit beschäftigen.

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