Kalusha: „Musik sollte ja für mich der Absprung von der Kriminalität ins legale Leben sein.“

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Hast du die ganze Zeit Mucke gemacht?

Kalusha: Nein. Ich brauchte schon meine Zeit um wieder richtig rein zu kommen. Zuerst musste ich sehr viel mit mir selber ausmachen. Wie gesagt: Ich habe auch eine Frau und Kinder. Da musst du Prioritäten setzen. Ich habe auf jeden Fall meine Zeit gebraucht um mich hier wieder richtig zu Recht zu finden. Musik war mir zu der Zeit nicht so wichtig. Ich musste arbeiten und gucken das ich meine Familie versorge und noch hundert andere Sachen.

Aber das du wieder nach Berlin kommst, war klar?

Kalusha: Ja. Das war ein Deal den ich mit meinem Anwalt und der Ausländerbehörde ausgehandelt habe.

Irgendwann hattest du dich wieder eingelebt und kamst zu Hoodrich. Mit Said, Ufo und dir hattet ihr drei Künstler mit großem Potential. Das wurde aber nie so wirklich ausgeschöpft, habe ich das Gefühl.

Kalusha: Das ist ein ganz schwieriges Thema. Vom Gefühl her kam ich da gerade frisch aus Ghana und Said rief mich gleich an und meinte: „Lass treffen. Ich will ein Label machen – Hoodrich soll das heißen.“ Kai Mason war damals noch mit im Boot, der ja auch mein erstes Album produziert hatte. Ich war auch dabei, hatte aber wie gesagt auch noch andere Sachen zu tun. Auf der einen Seite war es auch schön, weil ich immer ins Studio gehen, einen rauchen und an Songs arbeiten konnte. Das war eine gute Methode aus der Wirklichkeit zu entfliehen und kreativ zu werden. Irgendwie war es aber auch nicht das Richtige, weil ich wusste, dass meine Pflichten eigentlich woanders lagen. Das wurde mir letztendlich sicherlich auch zum Verhängnis, weil ich mit meinem Kopf nicht zu einhundert Prozent bei der Musik war, was sich Said vielleicht gewünscht hätte. Als dann die Jahre vergingen, hat sich das irgendwie alles auseinander gelebt. Said war sehr verbissen und wollte unbedingt erfolgreich werden – ist er ja mittlerweile auch glaube ich. Ufo war auch ein ganz jungscher Kerl und sehr erfolgsorientiert. Die Jungs haben alles gegeben, während ich ganz andere Sorgen hatte. Die hatten aber auch keine Kinder und keine familiären Verpflichtungen so wie ich. Die hatten den Kopf frei für die Musik. Es hat auf jeden Fall zu lange gedauert. Vielleicht habe ich es auch zu lange schleifen lassen – jetzt habe ich mir aber so einen Rahmen erarbeitet wo ich mich wieder mit freiem Kopf der Musik widmen kann.

Irgendwie war es aber auch nicht das Richtige, weil ich wusste, dass meine Pflichten eigentlich woanders lagen.

Dieses Mal machst du alles Darum kommt jetzt auch dein Album alleine…

Kalusha: Ganz genau. Es bedeutet halt noch mehr Stress. Ich habe kein Team, sondern nur mein Cousin der mich unterstützt. An dieser Stelle: Shoutout an meinen Bro Quicky. Ich habe mich hier bei Feyzi ins Studio eingemietet – der unterstützt mich mit seinen Kontakten. Das wars dann aber auch. Ich rufe überall alleine an, organisiere Fotoshootings, Artworks und meine Interviewtermine selber. Meine Kinder sind jetzt aber auch schon in einem gewissen Alter und ich habe eine sehr gute Frau, die fantastische Arbeit leistet und darum bleibt jetzt auch ein bisschen mehr Zeit sich reinzuhängen und Musik zu machen. Das passt schon.

Lass uns zu deiner aktuellen Situation kommen. Nach 12 Jahren kommt jetzt dein erstes Soloalbum raus. Fühlt es sich für dich überhaupt nach Comeback an oder ist das wie dein Debüt?

Kalusha: Keine Ahnung, Alter. Darüber habe ich mir wirklich keine Gedanken gemacht. Ich will jetzt einfach mein Album raus bringen, dann noch eins und dann will ich gucken wie weit ich damit kommen kann. Man kann mich jetzt als Newcomer oder als alten Hasen bezeichnen – das ist mir egal. Ich will jetzt einfach nur das machen was ich am besten kann.

Man kann mich jetzt als Newcomer oder als alten Hasen bezeichnen – das ist mir egal. Ich will jetzt einfach nur das machen was ich am besten kann.

Was ging eigentlich in der Zwischenzeit?

Kalusha: Ich habe viel gearbeitet und mich um meine Kinder gekümmert. Mein Sohn ist fast 12 und kommt aufs Gymnasium. Das war auch ein Stück Arbeit. Ich nehme mich auf jeden Fall als guten Vater wahr. Ich biete den Kindern ihre Freizeitangebote und fahre sie überall hin. Wer selber Kinder in dem Alter hat, weiß auch, dass das eine zeitaufwendige Arbeit ist. Jetzt sind die beiden aus dem Gröbsten raus und ich kann wieder Musik machen.

Dein Album heißt „Prototyp“. Was macht dich dazu?

Kalusha: Ich war der erste Artist in Deutschland, der ein authentisches Gangsterrapalbum raus gebracht hat. Viele werden sagen, sie waren die ersten, aber ich finde mir steht das zu. Viele andere Rapper, ich will jetzt keine Namen nennen, sind für mich nicht echt. Manche die aus Berlin kommen kenne ich sogar und darum kann ich sagen: „Mein Produkt hat nichts mit denen zu tun.“ Das macht mich zum Prototyp. Ich war der erste Echte. For real. For real real.

Ich war der erste Echte. For real. For real real.

Apropos Realness. Auf einer der Singles sagst du auch, dass du nach wie vor observiert wirst.

Kalusha: Dieser Song ist sehr alt. Der stammt aus der Zeit als ich gerade frisch aus Ghana kam. Da habe ich gemerkt, dass man mich auf jeden Fall beobachtet und guckt mit wem ich mich so treffe und was ich da so mache. Da habe ich die Motivation her genommen den Song zu schreiben. Eingeschränkt hat mich das aber nicht.

Auf einer anderen Single geht es um „Dope“. Das scheint dich auch zu beschäftigen.

Kalusha: Das ist einfach Berlin, Dicker. Als ich aus Ghana gekommen bin, habe ich gemerrkt, dass viele Leute die damals gekifft haben mittlerweile zu anderen Sachen umgestiegen sind. Das hat mich zu der Zeit sehr beschäftigt. Du nimmst ja auf was dich umgibt. Darum habe ich das Thema aufgegriffen und es aus der Ich-Perspektive erzählt. So als ob ich der Mann wäre, der sowas macht. Das ist aber nur kreative Arbeit die ich mir da raus genommen habe. In Berlin ist das nach wie vor ein großes Thema.

Die Broke Boys, die unter anderem auch einiges für Ufo machen, haben dein Album produziert. Was kann man also Soundtechnisch erwarten?

Kalusha: Es ist halt ein Trap-Album geworden. Wer die Broke Boys kennt, weiß das die Jungs richtige Trap-Bretter liefern. Außerdem ist es sehr gut ausproduziert. Aber das sagt ja auch jeder von seinem neusten Album. Was die Beats und das Mixing betrifft wurde aber wirklich gute Arbeit geleistet. An dieser Stelle Shoutouts an Alex, Sam und Greeny. Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Jungs eine große Zukunft in dieser Branche haben und ich bin auch ein Fan von denen. Das ist harter Trap-Sound mit meinem alten Flow. Ich bin jetzt kein Trap-Rapper der seine Pausen so komisch setzt und (imitiert den typischen Trap-Flow) macht. Ich mache mich nicht zum Affen. Ich habe mich am Anfang auch sehr schwer damit getan, aber Greeny hat es mir sehr schmackhaft gemacht. Bei den Beats, die die liefern, kann man echt nicht Nein sagen. Um es zusammen zu fassen: Ich habe meinen alten Flow beibehalten und auf Trap-Beats gepackt. Ich bin auch kein Typ der sich musikalisch einschränkt. Ich bin offen.

Dann wissen wir jetzt worauf wir uns freuen können. Zeit für die obligatorischen letzten Worte.

Kalusha: Am 08.10.2016 kommt mein Album „Prototyp“. Zieht euch das rein – jeder der mich von früher kennt, weiß in etwa was ihn erwartet – ist auf jeden Fall ein cooles Album geworden. Checkt das ab.

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Hallo Deutschrap, ich bin ab jetzt fest bei BACKSPIN. Gewöhn dich an mein Gesicht - ich bin gekommen um zu bleiben.

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