Dame: “Auf der Straße ist das alles viel persönlicher. Viel direkter.”

Die erste richtig große Bekanntheit erreichte Dame mit Viralhits über Spiele wie World of Warcraft. Bis heute hängt dem Vollblutmusiker der Ruf als Spielenerd hier und da nach. Dabei hat der Österreicher in den letzten Jahren viel mehr, als nur Musik über Videospiele gemacht. Das letzte Studioalbum, “Lebendig Begraben”, katapultierte Dame aus dem Stehgreif auf Platz eins der Charts seines Heimatlandes und auch in Deutschland schnappte sich der Salzburger den zehnten Platz in den Charts. Mit “Straßenmusikant” steht der Nachvolger zu seinem Platz-Eins-Album an. Der Begriff Straße mag bei einigen zunächst mit harten Themen in Verbindung gebracht werden, aber bei Dame geht es um die tatsächliche Straße – denn schon in jungen Jahren verdiente er sich als Musiker auf der Straße Geld zu seinem kleinen Ausbildungslohn dazu. Unter anderem darüber, das eigene Label Damestream und über Computerspiele hat BACKSPIN mit Dame gesprochen.

Dein Werdegang liest sich anders als der von anderen Rappern. Vom YouTube-Star, zum Sänger/Rapper – zum Platz eins Artist. Was ist das für ein Gefühl?

Dame: Es ist auf jeden Fall viel passiert. Viele Leute sehen es so, dass ich als YouTube-Star angefangen habe und meine Klickzahlen sprechen da auch für sich, aber im Endeffekt habe ich ganz normal angefangen. Ich habe, wie viele andere auch, Mixtapes gemacht und die dann auf dem Fußballplatz an ein paar Freunde vercheckt. 2012 habe ich mein Debütalbum geschrieben und da waren nun mal diese beiden Spielesongs drauf. Ich habe damals sogar noch mit meinen Jungs diskutiert ob ich die online stellen soll, um nicht direkt als Nerd abgestempelt zu werden. Auf jeden Fall habe ich eines Tages gedacht: „Warum nicht einfach ein kleines Video dazu schneiden?!“ und habe das auf YouTube gestellt. Dieser Song über World of Warcraft war der erste von mir, der die Millionen geknackt hat. Das war der erste Lichtblick. Ich hatte vorher schon meine Mixtapes und auch bei Battles mitgemacht, aber das war das erste, was richtig Welle gemacht hat. Vorher hatten meine Songs so um die 10.000 Klicks. Ich habe von dem Album auf dem auch der WoW-Song „12 Millionen“ drauf war, auch noch zwei andere Singles ausgekoppelt. Da sind die ersten Fans so richtig auf mich aufmerksam geworden, weil die gucken wollten was ich sonst noch so mache. Vielleicht bin ich in der Hinsicht ein wenig gebrandmarkt.

Stört es dich so „gebrandmarkt“ zu sein?

Dame: Nee, nicht wirklich. Manche wissen bis heute gar nicht, dass ich auch „normale“ Musik mache. Hier und da ist mal einer dabei, der denkt ich mache nur diese Spielesongs. Das ist natürlich traurig, weil mein Hauptaugenmerk liegt natürlich auf meiner „normalen“ Musik. Aber stören tut mich das nicht. Ich zocke auch für mein Leben gern, bin aber nicht der Übernerd wie viele vielleicht denken. Ich habe immer mit meinen Jungs Call of Duty und WoW gespielt. Warum also nicht mal einen Song darüber machen?!

Ich zocke auch für mein Leben gern, bin aber nicht der Übernerd wie viele vielleicht denken.

Hast du überhaupt noch Zeit zum Zocken?

Dame: Hin und wieder schon. Ich habe aber nicht mehr so große Spiele wie WoW am Start, in denen du fünf Stunden lang irgendwelche Bosse bekämpfst – dafür reicht die Zeit leider nicht mehr. Aber für hier und da eine kleine Runde oder neue Spiele austesten, bin ich schon am Start. Die Zeit in der ich mich wochenlang verbarrikadier und nur vor der Glotze hänge, ist vorbei.

Also kannst du dir nicht vorstellen noch mal ein Song zu dem Thema zu machen?

Dame: Die Nachfrage ist natürlich groß. Viele fragen mich wann mal wieder was in die Richtung kommt. Ich denke mir, dass wenn wirklich mal wieder ein cooles Spiel kommt, das mir so richtig gefällt, dann gibt es auch mal wieder Songs zu dem Thema – so einmal im Jahr circa. Ich wollte das auch nicht komplett ausmerzen oder das es so rüberkommt, dass ich das nur mache, weil es mehr Aufmerksamkeit bringt. Ich will ganz normal meine Musik machen und keine Alben mit Spielesongs oder so einen Quatsch. Ich mache alles so wie ich will und manchmal gibt es für die Community einen kleinen Leckerbissen.

Lass uns ein bisschen über dein neues Album reden. Straßenmusikant behandelt vergleichsweise größere Themen. Warum stehen für dich jetzt andere Themen im Vordergrund?

Dame: Wie gesagt: Diese Themen standen für mich schon immer im Vordergrund, nur haben das vergleichsweise nicht so viele Leute mitbekommen. „Straßenmusikant“ geht für mich zurück zum Ursprung. Als ich circa 15 war, hat mein Nachbar mich mit Hip-Hop angesteckt. Der hatte alle Alben im Regal. Ich habe schon immer gerne Texte geschrieben und Musik gemacht. Während meiner Lehre hatte ich echt wenig Geld. Darum bin ich dann in die Stadt gegangen und habe gespielt und gesungen, um mir ein bisschen Taschengeld dazu zu verdienen. Das ist jetzt mein fünftes Album und wenn ich zurückdenke und sehe, was in fünf Jahren alles passiert ist: vom Straßenmusikant zu den großen Bühnen. Das war echt ein weiter Weg.

Lag der Fokus damals auch schon auf Rap oder war eher der Gesang im Vordergrund?

Dame: Eigentlich habe ich damals schon alles bunt gemischt. Ich habe Klassiker wie Guns n Roses, aber auch eingene Songs gespielt. Je nachdem wie das Wetter war, habe ich raus gehauen, wie es mir gerade gepasst hat. Damit habe ich versucht wenigstens ein bisschen Taschengeld dazu zu verdienen um im Studio weiter arbeiten zu können. Mein Produzent ist mir sehr entgegen gekommen. Sonst wäre das gar nicht möglich gewesen, dass ich die Alben produzieren kann. Es ist ja aber zum Glück ganz gut ausgegangen.

Mein Produzent ist mir sehr entgegen gekommen. Sonst wäre das gar nicht möglich gewesen, dass ich die Alben produzieren kann. Es ist ja aber zum Glück ganz gut ausgegangen.

Kannst du dich an deine ersten Auftritte auf der Straße erinnern?

Dame: Das waren weniger Auftritte, als das ich eher in der Gasse gesessen und vor mich hin geklimpert habe. Mal ist niemand stehen geblieben, mal hat sich eine kleine Traube gebildet. Es war mal mehr und mal weniger los. Die ersten Auftritte waren bei mir Battles. Ich bin komplett durch die Salzburger Szene durch.

Was ist das prägendste was du als Musiker auf der Straße erlebt hast?

Dame: Klar gab es sowas. Irgendwann ging dann dieser ganze Internethype so stark los, dass man die ganzen Kommentare gar nicht mehr mitverfolgen konnte und das sind die schönsten Momente. Auch auf Tour oder wenn man Autogramme gibt und endlich in die Gesichter von den Leuten gucken kann, die deine Musik hören und die du bewegen kannst. Das waren alles tolle Gefühle, aber auf der Straße ist das alles viel persönlicher. Viel direkter. Von daher war das schon sehr prägend.

Auf der Straße ist das alles viel persönlicher. Viel direkter. Von daher war das schon sehr prägend.

Straße wird ja in Rapdeutschland in einen ganz anderen Kontext gesetzt. Stört dich das?

Dame: Nee, überhaupt nicht. Ich habe auch überlegt ob ich den Titel nehme, weil die Leute könnten ja bei dem Namen schon etwas anderes erwarten, aber für mich war es dann schon ziemlich schnell klar, dass es so heißen soll. Ich finde beides steckt da etwas mit drin.

Inwiefern hat es dir als Musiker geholfen durch diese harte Schule zu gehen?

Dame: Ich habe immer gern Musik gemacht. Ich habe Gitarre gespielt, auch ein bisschen Klavier gespielt und mir einiges selber beigebracht. Darum war es mir auch wichtig den Titel zu nehmen. Ich will ja auch nicht, dass die Leute nur die Gaming-Songs kennen, sondern auch meinen musikalischen Background verstehen. Von daher hat es mir extrem geholfen. Ich habe das auch live gemerkt. Die ersten Konzerte kamen damals ziemlich schnell. Ich habe damals noch als Koch gearbeitet und wurde dann plötzlich für die erste Tour gebucht. Da kam es mir sehr zu Gute schon Erfahrung im Live-Geschäft durch die Straßenaktivität und Battles zu haben.

Sensibilisiert dich das für Straßenkünstler die von vielen nur als nervig wahrgenommen werden?

Dame: Man lernt sich in solchen Kreisen sehr schnell kennen. Ich habe auch mit Leuten zusammen gespielt, die ich in einer Gasse kennen gelernt habe oder so. Das war eine sehr inspirierende Zeit. Bei Straßenkünstlern gibt es ja auch verschiedene Ambitionen. Ich hatte meinen Fokus immer auf die Texte. Sich selbst was zu überlegen oder etwas nachzuspielen macht einen großen Unterschied, aber irgendwie ist es gut, dass die Zeit da war. Dadurch weiß ich alles was ich jetzt habe zu schätzen. Ich lebe seit drei Jahren von der Musik, bin selbstständig und kann auf Tour gehen. Das hat alles mit ein paar Münzen im Hut angefangen.

Ich lebe seit drei Jahren von der Musik, bin selbstständig und kann auf Tour gehen. Das hat alles mit ein paar Münzen im Hut angefangen.

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Hallo Deutschrap, ich bin ab jetzt fest bei BACKSPIN. Gewöhn dich an mein Gesicht - ich bin gekommen um zu bleiben.

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