Wenn Rapper sich das Mic teilen: Internationale Kollaboalben

Im Matheunterricht haben wir schon früh gelernt, dass Eins plus Eins Zwei ergibt. Wenn man dieses Prinzip auf Hip-Hop Kollabos anwenden möchte, kommt man damit nicht immer durch. Einige Alben zählen inzwischen als Klassiker, auf viele hätte man zugegebenermaßen verzichten können. Momentan dürfen wir uns gefühlt wöchentlich über Rap-Zusammenkünfte freuen oder zumindest neue vermuten. Grund genug, sich mal anzuschauen, welche Pärchen in den vergangenen Jahren miteinander gearbeitet haben. Zu allererst sollte man hierzu eine klassiche Kollabo von einem Hip-Hop Duo differenzieren. Outkast oder Mobb Deep in einen Topf mit Drake und Future zu schmeißen, wäre unangebracht, da erstere eine feste Verankerung als Zweierpack in der Szene haben, man von zweiteren nach einem Release nicht zwangsweise ein gemeinsames nächstes in Aussicht stellt. Bei einem Hip-Hop Duo stellt ein Solo-Release die Ausnahme dar, bei einer Kollaboration die Veröffentlichung zu zweit. Trotzdem oder gerade wegen dieser Kurzweiligkeit, scheinen Kollabo-Alben beliebter denn je. Jüngste Beispiele liefern uns Künstler wie Young Thug, Future, Offset und 21Savage

Young Thug & Future – Super Slimey (2017)

Young Thug und Future, nicht nur ihre Herkunft verbindet die beiden Künstler, auch die Zeit, in der sie an Aufmerksamkeit gewannen, war eine ähnliche. Parallelen finden sich auch in der Zusammenarbeit mit Metro Boomin und in ihren Feature-Listen. Eine Zusammenarbeit war also für viele schon ersichtlich und heiß erwartet, wenn auch nicht immer sehr wahrscheinlich. Auf dem Album erwarten euch unter anderem namenhafte Produzenten wie WiLL Made-It, London On Da Track, Southside und Richie Souf.

Offset & 21Savage – Without Warning (Prod. by Metro Boomin) (2017)

Metro Boomin scheint seine Finger momentan überall im Spiel zu haben. Auch auf dem unangekündigten Album „Without Warning“ von Offset und 21Savage liefert der gefragte Produzent düstere Beats ab. Damit schaffen die Drei den perfekten Soundtrack für die dunkle Jahreszeit. Auf zwei der 10 Tracks haben es Travis Scott und Quavo geschafft. 
 

 
Fat Joe & Remy Ma – Plata O Plomo (2017)
Fat Joes Karriere ist durchzogen von Auf und Abs. Nachdem er jahrelang nur mittelmäßige Erfolge verzeichnen konnte, kam gefühlt aus dem Nichts der Hit „All The Way Up“, der sich wochenlang in den Charts hielt. Scheinbar daran anknüpfen wollend, veröffentlichte der New Yorker Rapper wenig später ein Album mit Remy Ma unter dem an den Drogenbaron Escobar angelehnten Titel „Plata O Plomo“. Die beiden zeigen ihrer Hörerschaft in Albumlänge, dass sie gut zusammen funktionieren und es auch in Kombination schaffen, massentaugliche Musik zu machen. Leider fehlt am Ende eine besondere Note, die dieses Duo unverzichtbar machen würde.
 

Mos Def & Talib Kweli – Black Star (1998)

Eigentlich waren Soloalben geplant, dank außergewöhnlich vieler Überschneidungen der persönlichen Ansichten und der Art Musik zu machen, kam 1998 das Album „Mos Def & Talib Kweli Are … Blackstar“ zustande und die Solo-Projekte wurden verschoben. Zum Großteil von DJ Hi-Tek produziert, war die Platte im Veröffentlichungsjahr ein riesen Erfolg. Funkig soulige Klänge und einzelne Jazz-Passagen gepaart mit verbaler Extraklasse. Nicht umsonst zählt die Platte heute als Klassiker unter Rap-Fans.
 

Lil Wayne & Birdman – Like Father, Like Son (2006)

Einen gemeinsamen Nenner finden Lil Wayne und Birdman nicht nur thematisch durch Drogen und Geld, auch persönlich standen sich beide Künstler zu Beginn der jeweiligen Karrieren nah. Nicht verwunderlich also, dass 2006 das gemeinsame Album „Like Father, Like Son“ releast wurde. Produzenten-technisch treffen sich auf der Platte einige große Namen. Neben Jim Jonsin sind unter anderem auch Scott Storch und Robin Thickle vertreten. Für Cash Money Fans ist und bleibt dieses Kollabo-Album ein Muss, stellt aber auch generell ein solides Gesamtwerk dar.

KRS One & Buckshot – SurvivalSkills (2009)

Auf Survival Skills versuchen KRS One und Buckshot herauszuarbeiten, was im Rapgame schief läuf. Robert Christgau sagt über die Platte „Basically an old-school mixtape, wiser when it instructs the fathers than when it criticizes the sons.“ und umschreibt damit ziemlich treffend den Inhalt. Es wird viel kritisiert und vergleichsweise wenig individuelle Eigeninitiative gezeigt. Wer Bock auf eine klassiche Oldschool Platte hat, die Technik-Affinität im Doppelpack beinhaltet, kann sich die Platte gut und gerne anhören. Eine unverzichtbare Kollabo stellt sie nicht dar. 

Kanye West & Jay Z – Watch The Throne (2011)

Jay Z und Kanye West, zwei große Namen, die man einzeln definitiv auf den Hip-Hop Thron setzen könnte. Aber geht das auch in Kombination? Mit Tracks wie „Murder To Excellence“ schaffen es die beiden ihr jeweiliges Potential auf gemeinsame Tracks zu verpacken. Mit „N*ggas in Paris“ bescherten sie einer der Rap-Hymnem überhaupt. Auf Watch The Throne bekommen Hörer die scheinbar grenzenlose Musikalität von Kanye West, gebündelt mit Jay Zs technischer Fertigkeit geboten. Einzig und alleine die lyrischen Ansprüche sollten von den Fans runtergeschraubt werden. Massig Provokation, wenig message.

Drake & Future – What A Time To Be Alive (2015)

Wie ein Kollaborationsalbum bestenfalls auszusehen hat: 50% Künstler Eins, 50% Künstler Zwei. Wie ein Kollaborationsalbum von Drake und Future aussieht: 30% Drake, 70% Future. Das komplette Soundbild scheint nicht zuletzt wegen Metro Boomin auf Future zugeschnitten zu sein. Drake wirkt hierbei wie ein fast schon verlorener Feature-Gast, der hier und da ganz solide Parts abliefert und damit zumindest halbwegs Einfluss auf das Gesamtwerk nimmt. Vielleicht eine der Nebenwirkungen eines eher mageren sechstägigen Entstehungsprozesses.
 

Abschließend kann man sagen, dass die meisten Kollaborationen in Albumform zwischen zwei Rappern zwar ganz solide sind, aber meistens ähnlich wie die Zusammenarbeit, eher kurzfristige Sachen hervorbringen, die man selten noch Jahre später auf dem Schirm hat. Alben wie „Black Star“ stellen hierbei eher eine Ausnahme dar. 
Für Hoffnung auf Nachschub sorgen neben Quavo und Travis Scott auch immer mal wieder Drake und Kanye West. Kürzlich wurde zudem die langersehnte Zusammenarbeit zwischen Kendrick Lamar und J.Cole von Top Dawg Entertainment bestätigt. Chance the Rapper und Childish Gambino scheinen ihr gemeinsames Album sogar schon fertiggestellt zu haben und lassen auf Hits à la „The Worst Guys“ hoffen. Allesamt Künstler, die solo in den letzten Jahren für den ein oder anderen Hit gesorgt haben. Umso enttäuschender wären mögliche Alben, die es nicht schaffen, das jeweilige Potential zu bündeln. 

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