Hut ab, Kollegah, (aus BACKSPIN #115)

von deinem aktuellen Album „King“ sind am ersten Verkaufstag über 100.000 Einheiten abgesetzt worden. Am Ende der ersten Woche waren es über 160.000. So gut soll sich während der letzten zehn Jahre kein anderes Album in Deutschland verkauft haben. Mal ehrlich:

Wie hast du das alles aufgenommen?

Das in dem Moment direkt zu verarbeiten, ist schwer. Ich war noch mitten im Arbeitswahn. Natürlich habe ich gecheckt, dass das krass ist. Aber realisieren, was wir da erreicht haben, konnte ich erst mit einem gewissen Abstand. Natürlich freue ich mich sehr und möchte auch noch mal wirklich jedem da draußen danken. Insgesamt haben wir in der ersten Woche übrigens, wenn man Österreich und die Schweiz mitzählt, knapp 180.000 Alben verkauft. Das ist der Wahnsinn.

Wo warst du, als du die Information bekommen hast?

Thomas von Selfmade Records hatte die Zahlen immer im Blick und hat mich auf dem Laufenden gehalten. Als er mir die finalen Zahlen der ersten Woche schickte, machte sich natürlich Euphorie breit. In dem Moment war ich gerade in einemGespräch mit einem Mitarbeiter von mir. Ich hatte ihn angepflaumt, weil ich im Stress und auch et- was abgefuckt war. Als die SMS kam, war ich mit einem Mal wieder der freundlichste Mensch der Welt.

Seit fast zehn Jahren bist du als Rapper im Spiel. Hast du damit gerechnet, dass du mit deinem vierten Album so einen Erfolg feiern würdest?

Letztes Jahr im Sommer habe ich mit der Arbeit am Album begonnen. Da war ich gerade in der Massephase. Zu diesem Zeitpunkt war mir das natürlich überhaupt nicht klar. Im Verlauf der Promophase im September konnte man das dann langsam abschätzen. Als schließlich der Hype immer größer wurde, war mir plötzlich klar, dass einiges gehen könne. Also habe ich Vollgas gegeben. Mit solchen Zahlen hätte ich letztendlich aber niemals gerechnet.

Erfährst du durch diesen kommerziellen Erfolg nun auch von den Nicht-Hip-Hop-Medien merklich mehr Wertschätzung?

Erfreulicherweise ja. Viele Medien hatten mich vorher überhaupt nicht auf dem Schirm, oder sie steckten mich in irgendeine Schublade, in die ich nicht so richtig reingehöre. Daher kommt das für mich doch recht überraschend. Meinem Album hört man von Track 1 bis 20 an, dass es nicht darauf ausgelegt ist, von den Massenmedien akzeptiert zu werden. Es ist reiner Battle-Rap, bei dem die Punchline-Dichte so hoch ist wie nie zuvor. Ich habe ohne Kompromisse ein straightes Rap-Album gemacht. Doch durch die Kaufbereitschaft meiner Hörer muss sich das Radio nun mit mir auseinandersetzen. Das war für die dann der Anlass, sich das Album anzuhören und der Sache frei von Vorurteilen eine Chance zu geben. Und so bekam ich von 90 Prozent aller Medien, großen Radio- wie Fernsehsendern, absolut positive Resonanz. Die befinden das für gute Musik und checken auch, dass es nicht dieser stumpfe Gangsta-Rap ist, dem die mich vorher vielleicht noch zugeordnet hatten. Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung. Ich denke sogar, dass dadurch die Vorurteile gegenüber Deutschrap im Allgemeinen etwas ab- gebaut werden. Ich pöbele auf dem Album ja nicht herum. Auch wenn ich auf der einen Seite Battle- Rapper bin, habe ich noch andere Facetten, die, objektiv gesehen, einfach positiv sind. Sei das nun mein Ein uss auf die Jugend, wenn es um Moral, Prinzipien und den Sport geht, oder die lyrische Komponente. Die beginnen die Leute immer mehr zu verstehen. Darauf bin ich stolz.

Während der Promophase hast du, neben den klassischen Mitteln, auch stark auf deine Entertainer- und Moderatoren-Qualitäten gesetzt. Denkst du, dass darin einer der Schlüssel für den Erfolg liegt?

Sicherlich waren die eine Art Türöffner. So konnte ich Fans hinzugewinnen, die, genau wie die eben angesprochenen Medienvertreter, ein falsches Bild von mir hatten und meiner Musik sonst nie eine Chance gegeben hätten. Auch wenn teilweise sehr alberne Songs wie „Wat is’ denn los mit dir?“ und „Vom Salat schrumpft der Bizeps“ dazugehörten, hat das Gesamtpaket viele Leute erst dazu gebracht, sich mit meiner Musik auseinanderzusetzen und diese dann sogar zu feiern. Als 80 Prozent der Songs fertig waren, wusste ich schon, dass das mein stärkstes Album wird. Deswegen auch diese intensive Promophase, die ja über acht Mo- nate ging. Ich musste diesen starken Release ein- fach so stark wie möglich pushen.

Und dann habt ihr euch bei Selfmade zusammengesetzt und überlegt, was man machen kann?

Nein. In puncto Promo habe ich freie Hand und auch niemanden, der mich groß berät. Das ist alles auf meinem Mist gewachsen. Den YouTube-Kanal zum Beispiel habe ich einfach aus dem Bauch he- raus gemacht. Diesen gezielten Höhepunkt der Promo kurz vor Release gab es bei mir ja auch nicht. Es hat sich einfach dahin entwickelt. Wobei ich natürlich auch psychologische Überlegungen angestellt habe, um ein bestimmtes Klima zu er- zeugen. So war das Überthema „Du bist Boss“, dazu habe ich dann eine schöne Late-Night-Show gemacht und ein bisschen was Lustiges zwischen- durch. So eine Aufmerksamkeitsspanne über eine lange Zeit zu halten, ist aber gar nicht so einfach. Dafür muss man viel arbeiten.

 

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