Hut ab: Eko Fresh (aus der BACKSPIN MAG #110)

Hast du zwischendurch mal daran gedacht, in die normale Arbeitswelt einzutreten? Dort hättest du vielleicht eher ein sicheres, regelmäßigeres Einkommen gehabt…
Dafür war ich doch schon viel zu weit, da wäre aufgeben tödlich gewesen. Wie soll ich etwas Normales machen, wenn mich hier fast jeder Jugendliche oder Gleichaltrige kennt? Aufzugeben kam also nie infrage. Vielleicht bin ich aber auch einfach so ein Typ, der nicht aufgeben will. Türken sind ja schlechte Verlierer (lacht). Ich konnte mir das einfach nicht bieten lassen.
Was war der tiefste Punkt in deiner Karriere? Wo hast du dir ernsthaft Sorgen gemacht, wie es weitergehen könnte?
Da gab es ein paar Punkte. Aber wenn man nicht gerade in Reichtum geboren wurde oder auf irgendeiner Insel lebt, auf der es die Probleme unserer Gesellschaft nicht gibt, sind diese Tiefpunkte doch völlig normal. Nur kommt bei mir noch dazu, dass mein Leben von Anfang an sehr öffentlich war, weil ich als Jugendlicher schon recht bekannt geworden bin. Da bekommt man natürlich immer Fragen gestellt wie: Wo bist du jetzt? Was machst du nun? Warum läuft das nicht mehr so gut? Da musste ich mich schon öfter mal aus dem Schlamassel herausziehen. Und manchmal haben mir dabei einige gute Freunde geholfen, oft habe ich es auch alleine geschafft. Und schau mich an, ich bin erst 28, da kann noch einiges gehen.
Hast du dir selbst am tiefsten Punkt überlegt, was du außer dem Rappen noch machen könntest?
Nein, es gab ja auch immer die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu gehen. Eine zeitlang habe ich ja auch sehr aktiv am German-Dream-Label gearbeitet und versucht, andere Leute zu pushen. Zudem gab es die Möglichkeit, für andere Texte zu schreiben. Die Branche hätte ich also so schnell nicht verlassen müssen, ich hätte mich dann lediglich vom Vordergrund verabschiedet. Das habe ich ja sogar ein, zwei Jahre gemacht. Aber als dann der Deal mit Seven Days Music kam, hatte ich ja wieder so etwas wie einen Major-Deal und konnte weiter machen.

Aber du musstest einige Dinge umstellen und dich neuen Gegebenheiten anpassen. Wie hast du das gemacht?

Mich auf das Internet-Game einzustellen, hat einige Zeit gebraucht. Als altes Major- Kind war ich es ja lange Zeit gewohnt, einfach Single-Hits abzugeben und die liefen dann im Radio und im TV. So ging das die ersten Jahre meiner Karriere. Und dann kam das Internet, darauf musste ich mich neu einstellen. Im Netz funktionieren die Dinge nicht mehr so, wie man sie früher fürs Fernsehen und Radio geplant hat. Heute geht es darum, dass die Leute etwas im Netz liken und weiterleiten. Das heißt für mich: Ich muss zeigen, was ich kann. Dann wird das eher mal weitergeleitet, so unter dem Motto: hier hör mal, das ist total gut gemacht. Das kam mir allerdings auch zugute, ich komme ja aus einer harten Rap-Schule, war bei Royal Bunker und so weiter. Also machte ich einfach weiter meine Mucke und hoffte auf die Leute, die die zu schätzen wissen. Es kriegen einen ja ohnehin vor allem die Leute mit, die sich für einen interessieren. Warum also nicht mal die mit guten Songs verwöhnen?

Eben meintest du, dass du auch auf die Macher-Seite hättest wechseln können. Ein klassisches Label mit Künstlerverträgen und allem war German Dream aber nie…

Richtig, in der Form existiert das Label nicht. Im Nachhinein betrachtet ist das aber auch nicht so schlimm. Sicherlich hätte ich hier und da noch mal etwas Geld bekommen können, aber ich wollte das nie anders haben. Die Leute auf German Dream waren immer meine Freunde, die wollte ich einfach pushen. Zudem ist es ja auch nicht gesagt, dass ein richtiges, klassisches Label besser gewesen wäre. Die anderen Label, bei denen ein Rapper die Hauptfigur war, haben alle mit der Zeit Probleme bekommen und sind sogar gescheitert. Cem, Farid und ich sind noch immer befreundet und zeigen uns unsere Sachen. Wenn man es etwas freier aufzieht, hält es also vielleicht etwas länger. Wir waren eben nie eine richtige Firma, sondern einfach eine Crew.

Man konnte dich ja auch schon in einigen TV-Shows sehen, die man von einem gewissen Standpunkt aus durchaus als uncool bezeichnen könnte. Hast du in der Not mitgenommen was gerade da war?

Alles mitgenommen was da war, habe ich nicht. Aber sicherlich gab es Zeiten, in denen es schlecht lief für mich und in denen ich das vielleicht doch gemacht hätte. Allerdings finde ich, dass ich meine Auftritte in diesen Sendungen immer so hinbekommen habe, dass die wenigstens noch halbwegs cool waren. Und heute ist es doch ohnehin so, dass viele TV-Sachen, auf die man als Rapper früher gerne hinabgeblickt hat, doch irgendwie klargehen. Durch die Aktivitäten von mir und einigen anderen ist heute manches salonfähiger als es mal war. Klar kann man sich weiter fragen, wie man bloß beim Promi-Dinner mitmachen konnte. Aber es gibt auch viele Leute, die kennen mich allein daher. Ich würde das also nicht unterschätzen. Zumal ich andererseits den Hip-Hop-Leuten immer weiter gezeigt habe, dass ich etwas kann.

Gibt es heute noch TV-Formate, wo selbst du sagen würdest: Das mache ich nicht?

Ich war mal kurz davor, ins Dschungelcamp zu fliegen. Ich saß sozusagen schon auf gepackten Koffern, und dann kam zum Glück doch noch die Absage. Darüber bin ich im Nachhinein sehr froh. Man lernt eben nie aus. Bei manchen Dingen sollte man es sich auch heute noch genau überlegen, ob man sie machen sollte. Selbst wenn man auf einen Schlag viel Geld bekommen würde ist es am Ende vielleicht doch besser, kleinere Schritte zu machen. Man darf bei all dem aber auch nicht vergessen, dass ich erst mal lernen musste, mit den Medien umzugehen. Noch heute merke ich bei den Medien wie überrascht die sind, dass ich mich nicht wie ein Asi benehme. Die denken wohl, nur weil ich Rapper bin und obendrein noch Ausländer, wäre ich ein asozialer Typ. Wenn ich schon mal da bin, versuche ich, dieses Bild zu ändern.

Grundsätzlich: Was ist deiner Meinung nach der beste Weg, immer wieder aufstehen zu können?

Man darf niemals aufgeben. Und man sollte sich nicht unterkriegen lassen von irgendwelchen Posts, Comments oder Disses. Dazu sollte man sein Privatleben nicht zu sehr exposen. Und man darf sich nicht so schnell beeindrucken lassen. Und wenn man das Gefühl hat, eine Gruppe von Leuten hält nichts von dem, was man macht, dann muss man eine neue Gruppe von Leuten aufbauen, die an einen glauben. Menschen sind Gewohnheitstiere. Und wenn einer sich erst mal daran gewöhnt hat, etwas scheiße zu finden, dann lass den das erst mal weiter scheiße finden und gib ihm die Zeit, sich daran zu gewöhnen, dass es doch cool ist. Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen.

Du hast nun als erster Rapper in Deutschland mit deinem Namen gebrandete Kopfhörer. Was ist da los?

Das ist eine spannende Geschichte, die mir die Marke Icy Box ermöglicht hat. Ich habe heute den Prototypen bekommen und konnte es noch gar nicht glauben, als ich ihn in der Hand hielt. Das ist ein tolles Gefühl. Das Ziel dabei ist es, einen Kopfhörer auf den Markt zu bringen, der mit den qualitativ hochwertigen mithalten kann, aber dennoch erschwinglich ist. Der darf nicht zu teuer sein und gleichzeitig nicht wirken wie ein Billigprodukt. Darum geht es bei den Kopfhörern.

Lass uns zum Schluss auch über deine neue Platte sprechen. Was für ein Ziel hast du bei „Ek to the Roots“ verfolgt?

Ich habe mich mit meinem Produzenten Fat Crispy darüber unterhalten, dass wir dieses Mal die Beatauswahl präziser treffen sollten. Darüber hatten wir uns vorher nie so viele Gedanken gemacht und uns einfach darauf verlassen, dass das schon irgendwie cool wird, weil ich einigermaßen gut rappen kann. Über eine Richtung hatten wir nie wirklich nachgedacht. Auch weil ich ja ziemlich viel machen kann, haben wir uns nie beschränkt. Aber dieses Mal haben wir uns dazu entschieden, das zu machen, was uns ausmacht, womit wir angefangen haben und worauf wir am meisten Bock haben. So kamen wir auf das Retro-Thema. Wir haben also die Beats genommen, die in die 90er Jahre passen, in die Golden Era, unsere Lieblingsbeats – die wollen wir den Jugendlichen zeigen, gerade in einer Zeit, in der alles immer mehr techno wird. So startete das Album. Textlich habe mich mir außerdem vorgenommen, nicht irgendwelche Tracks zu machen, in denen man die Strophen auch einfach austauschen könnte. Ich habe immer einen gewissen Aufhänger in den Liedern, das war mir dieses Mal sehr wichtig. Selbst die Battletracks haben ein übergeordnetes Thema. Ich bin inzwischen 28, ich kann nicht einfach nur Punchline- Rap machen, das Feld müssen die Jugendlichen heute unter sich ausmachen. Dieses Album ist mein Schritt hin zum Erwachsenwerden und dahin, auch mal andere Themen zu behandeln. So kam es letzten Endes zu einem Doppelalbum. Ich hatte bis auf den „Scheibenwischer“-Song lange nichts gemacht, also bieten wir den Leuten nun auf dem Doppelalbum die ganzen Tracks, die wir gemacht haben. So konnte ich auch viele Videos vorab releasen, ohne den ganzen Inhalt der LP zu verraten.

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