Hut ab Bonez MC, die 187 Strassenbande ist über die Jahre immer bekannter geworden, ohne das ihr euch irgendwo angebiedert habt. Wie ging es eigentlich los? (aus BACKSPIN #118)

 

Außer „Krampfhaft kriminell“ ist fast alles mit Jambeatz entstanden …

Ja. Jam war damals schon mit bei Jentown. Der wurde mir damals vorgestellt und ich habe direkt gemerkt, was für ein Tier der Typ ist. Ich mache alle Beats mit ihm zusammen und spiele auch selbst viele Sachen ein. Bei den ganzen Dancehall-Sachen trommel ich selbst auf der Maschine da rum. Ohne Jambeatz funktioniert das aber nicht so flüssig, wie es funktionieren könnte.

Es gibt ja die Legende, dass ihr ihn von anderen fernhaltet. Ist da was dran?

Er hat selbst keinen Bock. Es macht ja keinen Sinn, ihn fernzuhalten. Er hat schon den einen oder anderen Beat verkauft, aber er ist momentan sehr mit unseren Sachen ausgelastet und will ja auch noch seine Freiheit haben. Momentan sind wir immer Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag bei ihm. In der Zwischenzeit will er ja auch mal eine Frau ficken, oder nicht? Seit Tag eins kommen wir zu ihm. Er muss nicht in die Stadt fahren, sondern nur von sich zu Hause aus diese fünf Minuten ins Studio laufen. Damit entlasten wir ihn komplett. Er ist auch der bescheidenste Mensch, den ich kenne. Nie hat sich irgendjemand mit ihm gestritten, weil er so ein guter Mensch und so positiv ist.

Aber den Output behältst du am Ende unter deiner Kontrolle?

Im Endeffekt segne ich alles ab. Ich bin der Film. Letztens hatten wir es das erste Mal nach ganz langer Zeit, dass Jam von sich aus einen Beat gemacht hat. Da haben wir so viel Zeit gespart, weil wir sonst alles zusammen anfangen und machen. Ich habe aber immer das letzte Wort.

Du bist ein ganz schönes Alphatier. Sind die anderen auch mal genervt von dir?

Bestimmt. Gzuz hat letztens irgendwo gesagt, dass es noch nie ein Fehler war, sich auf mich zu verlassen. Ich will nicht sagen, dass ich immer Recht habe, aber ich lasse uns doch nicht schlechter aussehen als wir sind. Wir sind eine Gruppe. Ich habe ja nichts davon, wenn ich uns schlechter aussehen lasse. Darum wissen die Jungs, dass sie sich auf mich verlassen können. Und aus diesem Verlass mache ich mir natürlich noch mehr Arbeit. So ist das auch beim Texte- Schreiben. Wenn ich im Studio mal eben ins andere Zimmer gehe und auf mein Handy gucke, dann kommt irgendwann einer rüber und sagt: „Ey, Digga, willst mal wieder rüberkommen? Wir wollen langsam mal wissen, in welche Richtung das gehen soll.“ Die verlassen sich darauf. Unterm Strich kann ich 100 Prozent dahinterstehen. Die Jungs können dahinterstehen, wenn ich dahinterstehe. Alle haben einen Haufen weiblicher Fans – übertrieben hübsche Frauen. Was willst du denn mehr als Anerkennung?! Wenn das so ist, dann muss ich ja irgendwas richtig machen. Ist nicht so, dass die nicht eigenständig sind, aber die verlassen sich drauf, dass ich den letzten Schliff gebe. Ich entscheide dann, was am Ende rauskommt. Bis jetzt fahren wir damit eine ziemlich gute Schiene.

Wann hast du denn mal Fehler gemacht?

Ich habe viele Fehler gemacht. Das fängt an mit Leuten, die ich zu 187 geholt und denen ich Aufmerksamkeit gegeben habe, die die nicht verkraftet haben. Ich bin seit Tag eins dabei. Ich weiß, wie es losging. Darum komme ich auch drauf klar. Wenn man auf einmal Hype hat, will man auch nicht mehr im Schatten von Bonez stehen.

Du stehst aber zu jeder Entscheidung, oder?

100-prozentig. Wenn ich was in Leuten gesehen habe und im Endeffekt hat sich was anderes herauskristallisiert, dann war das mein Fehler. Im Endeffekt hat es weder 187 noch den Menschen selbst geschadet. Die haben auch noch was davon. Jeder meinte irgendwie, den Dreh rauszuhaben, aber die kommen alle aus meinem Sack. Ich will kein Danke, ich will gar nichts.

Euch wird ja unterstellt, dass ihr alle auch einen weghabt …

Wenn ich mir zum Beispiel Rattos Locos angucke, das sind alles richtige Rapper. Die cyphern sich alle die Reime an den Kopf und haben nicht so einen Schaden wie wir. Ich war nie ein Freestyle- Cypher-Mensch. Ich fahre nicht im Auto und mir fällt eine Zeile ein. Nie im Leben. Ich mache den Beat an einem Tag, dann schreibe ich am besten noch drauf und nehme das auf. Wenn ich jetzt in meiner Freizeit hier rumfahre und noch über Texte nachdenke, dann ist mir das zu viel. Das kann nur funktionieren, wenn ich hinfahre und mir einen reinkiffe. Ich fahre weg aus dem Studio und weiß keine einzige Zeile mehr von meinen Texten. Ich höre mir das auch gar nicht mehr an. Das mache ich am nächsten Tag und dann entscheide ich, ob es gut oder schlecht ist.

Neben der Musik ist die 187 Strassenbande auch durch Graf ti bekannt geworden. Frost ist ein ziemlich präsenter Writer …

Er hat Hamburg-Mitte zerstört. Er ist ja auch einer von uns. Er wollte 187 damit so groß machen, wie wir es mit Rap groß machen. Er macht sich auch Features mit Sprühern klar. Da geht es ja auch darum, ob man Effekte beim Sprühen macht. Das ist so ähnlich wie Rap. Wenn Frost auch noch Rapper wäre, hätten wir keinen coolen Sprüher mehr.

Was sagst du eigentlich zu dieser Realness-Debatte, die da draußen abgeht?

Natürlich kann man die Sachen adaptieren und so tun, als wäre man das, weil man die Scheiße gefressen hat. Für mich persönlich muss man auch das sein, was man rappt. Da gibt es keinen Kompromiss.

Hast du schon einen Plan, was du 2017 vorhast?

Ich weiß nur, dass das das Richtige für uns ist.

Gehst du irgendwann Gold?

Bestimmt. Wenn es so weiterläuft. Ich habe mir das aber nie als Ziel gesetzt.

Aber die Goldene muss dir dann auch erst mal jemand kaufen, oder?

Die Goldene muss mir auch einer kaufen, genau. Sonst kaufe ich mir von den 400 Euro lieber neue Schuhe.

Zu weiteren Artikeln aus BACKSPIN Mag #118  u.a mit Frost 187, Blumentopf und Ali As geht es hier

 

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Razer

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