Hut ab Bonez MC, die 187 Strassenbande ist über die Jahre immer bekannter geworden, ohne das ihr euch irgendwo angebiedert habt. Wie ging es eigentlich los? (aus BACKSPIN #118)

Warst du immer zu allen fair?

Das kann man selbst nicht so genau sagen. Die Jungs, mit denen ich heute noch bin, sind glücklich. Wenn ich nicht fair zu denen wäre, würden die nicht dasitzen und so begeistert sein. Wenn wir Probleme haben, dann reden wir darüber. Wenn sich einer ungerecht behandelt gefühlt hat, war das in seinem Kopf wahrscheinlich berechtigt. Das beste Beispiel ist AchtVier. Wenn du mit jemandem freundschaftlich nicht mehr so viel zu tun hast, dann hast du zwei verschiedene Leben. Warum soll er dann Geld teilen, wenn das Gruppending für ihn nicht existiert?! Dann macht er lieber einen Schnitt und sein eigenes Ding. Dann ist er mir gegenüber nicht zu Loyalität verpflichtet.

Was war „Krampfhaft kriminell“ für ein Release?

Das war mein ziemlich experimentelles Debütalbum. Das ist entstanden, als Gzuz im Knast war. Das war eine sehr schwierige Phase in meinem Leben. Da habe ich immer nur auf der Couch geschlafen und hatte tausend Baustellen. Das ist auf 60 gechartet und war jetzt nichts Krasses. Trotzdem habe ich gedacht, dass das kommen muss. Das kam noch über Toprott. Das waren Track und ich zusammen mit Bobby – unserem Grafiker, der auch noch bis heute dabei ist. Ich lege viel Wert darauf, dass man sich kennt und zusammenhält. Gzuz war drei Jahre dabei, auch wenn er nicht dabei war. Ich glaube auch, 50 Prozent der Fans sind dazugekommen, während er im Knast war. Das zeigt ja schon das Vertrauen und die Loyalität.

Würdest du sagen, in der Zeit gelernt zu haben, auf wen du dich verlassen kannst?

Ich glaube, Gzuz hat das mehr gesehen. Schon daran, wer ihn besucht hat. Draußen sind die alle nett. Je besser es dir geht, je besser du aussiehst und je geilere Autos du fährst, desto mehr Leute wollen deine Freunde sein. Er hat wirklich gesehen, wer nur Blabla macht und wer nicht.

Als Gzuz wieder frei war, habt ihr „High & Hungrig“ gemacht. Das war ein Release, auf das die Leute sehnsüchtig gewartet haben …

Auf jeden Fall. Ein Gzuz-Album wäre noch zu fern gewesen. Ich habe ihm den größten Teil der Arbeit abgenommen. Er war mit dem Kopf und auch physisch nicht da. Ich dachte, es klappt mit dem Gzuz-Album nicht – dann machen wir wenigstens eine Kollabo. Ich wusste eine Zeit lang gar nicht, wie ich Gzuz davon überzeugen kann, dass das unser einziger Weg ist mit der Mucke. Er kam aus dem Knast und wollte Zuhälter, Drogenbaron oder sonstwas werden. Ich meinte zu ihm: „Digga, du kannst dir deinen beschissenen CL auch einfach von Rap kaufen.“ Irgendwann hat er das auch eingesehen und seinen CL hat er ja auch bekommen.

Was Interviews angeht, habt ihr auch fast gar nichts gemacht …

Ich finde, man muss die Musik für sich selbst sprechen lassen. Wenn man sich dauernd in Interviews setzt, ist das zu viel Seelsorgerei. Für mich ist es viel mysteriöser, wenn man sich bedeckt hält. Wie geil ist es denn bitte, dass sich die Leute jetzt auf das BACKSPIN-Interview zu „High & Hungrig 2“ freuen?!

Wenn man den nächsten Schritt geht, auf Major-Ebene ein größeres Publikum zu erreichen, kommt ja irgendwann der Punkt, an dem man Kompromisse eingehen muss …

Sagt wer?

Irgendwann haben die allermeisten dann doch mehr Interviews gegeben …

Ich hatte nie vor, bei Stefan Raab auf der Couch oder mit Moritz Bleibtreu auf dem roten Teppich zu sein. Da gehöre ich nicht hin. In Anzügen fühle ich mich nicht wohl. Darum bin ich auch im Lacoste-Anzug zur Echo-Verleihung gegangen. Nicht, weil ich einem Image gerecht werden muss, sondern weil ich mich nicht wohl fühle in diesen eierkneifenden Nadelstreifendingern. Die Gesellschaft geht mir sowieso jedes Jahr mehr am Arsch vorbei. Das Schamgefühl wird immer weniger. Das ist vielleicht keine gute Eigenschaft, aber so ist es eben. Früher war es noch so, dass die Leute dachten, dass ich nur so bin, weil ich Rapper bin und meinem Film gerecht werden will. Das ist aber nicht so. Ich sehe einfach, wie scheißegal mir die Meinung von anderen Men- schen geworden ist. Ich will einfach so komfortabel wie möglich sein und mir ist egal, was andere Menschen davon halten. Der Erfolg gibt mir Sex und Recht. Ich habe alles, was ich brauche. In Deutschland geht es ja um Statussymbole. Ich habe eine Wohnung, ein Auto und ein Kind. Einen Baum kann ich noch pflanzen. Wenn du das abdeckst, dann bist du in der Gesellschaft ja irgendwie drin. Ich mache das nicht, um zu schocken oder zu provozieren, sondern nur, weil es für mich der gemütlichste Weg ist.

Wie liefen die Gespräche mit großen Branchenexperten, wenn die alle angefangen haben, das 187-Gefühl als Produkt zu sehen, das sie gerne verkaufen würden?

Ekelhaft. Aber das ist ja auch deren Job, das als Produkt zu sehen. Ich kann nicht von denen er- warten, dass die checken, was wir meinen. Die sehen, das läuft gut und sehen die Zahlen und wollen das vermarkten. Die können von mir auch nicht erwarten, dass ich die mag oder sie als krasse Freunde sehe. Ich weiß ja, was ich machen kann. Solange ich machen kann, was ich will, und meine Jungs mit hochziehen kann, weil wir als Gruppe funktionieren, ist das gut. Natürlich kann ich auch wie Peter Fox ein Bonez-MC-Album machen, das noch experimenteller ist. Das würde mir auch keiner meiner Jungs übel nehmen.

Inwiefern funktionieren die 187-Elemente auch alleine? Oder geht es nur im Kollektiv?

Jeder Künstler funktioniert auch alleine. Ich kann mir jetzt noch nicht vorstellen, wie sich ein ganzes Maxwell- oder ein komplettes Bonez-Album anhört, aber das liegt auch daran, dass man auf diesem Abwechslungsfilm eingependelt ist. Wir sind ja eh alle im Studio. Macht doch viel mehr Spaß, wenn das alle zusammen machen. Jeder könnte sein Ding alleine machen, aber es würde niemals so gut funktionieren wie jetzt.

 

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Razer

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