Hut ab Bonez MC, die 187 Strassenbande ist über die Jahre immer bekannter geworden, ohne das ihr euch irgendwo angebiedert habt. Wie ging es eigentlich los? (aus BACKSPIN #118)

 

Das nächste Kapitel, wo ich dann auf euch aufmerksam geworden bin, war „Zwei Assis trumpfen auf “ mit AchtVier…

AchtVier war gerade nach Hamburg gezogen. Ich habe ihn bei uns im Bunker in der Sternschanze kennengelernt und gesagt, dass ich ihn für seine Graffitis respektiere und er hat gesagt, dass er auch angefangen hat zu rappen. Ich war sowieso immer auf der Suche nach Leuten, die mitmachen wollen, und er war voll motiviert. Damals war natürlich auch der Einschüchterungsfilm ganz groß. Da waren wir auch mit die ersten, die das verstanden haben. Je mehr Leute böse gucken und authentisch wirken, desto mehr Respekt kriegst du. In dem „Unlimited“-Video waren ungefähr 100 Jahre Knast. Einer hat sich einen Tag danach umgebracht. Er hat noch „Bis es nicht mehr witzig ist“ in die Kamera gesagt. Bei ihm war es auf jeden Fall nicht mehr witzig. Das hat dem ganzen Video einen komischen Beigeschmack gegeben. Ich wusste auch bis zum Ende nicht, ob ich das löschen kann. Jetzt ist es auf privat.

Du bist immer sehr kritisch, was dich selbst angeht, kann das sein?

Wenn du auf Facebook guckst, lade ich eigentlich fast nie Fotos von mir selbst hoch. Ich weiß, wie ich die Jungs in Szene setze, aber finde mich selbst jetzt nicht so geil anzusehen. Ich bin der Herzschrittmacher von der ganzen Scheiße. Ich mache die Videos, ich mache die Fotos und ich pflege die Seite. Ich setze viel lieber Gzuz in Szene. Er ist das Herz und ich bin der Herzschrittmacher.

Durch „Zwei Assis trumpfen auf“ habe ich das erste Mal von dir gehört. Das war bei Lucky im Auto. Zu dem Zeitpunkt wollte er dich signen …

Er ist über die erste Scheibe auf uns aufmerksam geworden. Da war „Zwei Assis trumpfen auf“ schon in der Mache. Da ist er an mich herangetreten. Jentown Crhyme hat auch 2007 mit diesem Straßending angefangen.

Wie war denn die Zeit für dich? Da war ja eine Menge Bewegung drin …

Lucky war schon so eine Boss-Figur. Auf jeden Fall eine krasse Respektsperson. Er konnte mich auch mit anderen Sachen krass supporten, womit ich nebenbei mein Geld gemacht hatte. Wir hatten immer 100 Gramm Studio-Ott rumliegen. Das war eine ganz andere Sache als vorher. Rap kam noch einfacher rausgeblubbert, weil das nicht mein Brot war. Ich hatte mein Brot und habe darüber gerappt, wie ich es verdiene.

Diesen Hunger der alten Tage hast du dir bewahrt. Wie machst du das?

Dieses Angekommen-Gefühl habe ich jedenfalls noch nicht. Ich habe jetzt das Gefühl, dass sich die ganze Scheiße auszahlt. Ausgeschöpft ist das aber noch lange nicht. Ich fühle mich die ganze Zeit wie ein 500er-Motor, der nur 40 fährt.

Die Schnellstraße mit einem großen Hit wäre für euch nicht das Richtige gewesen, oder?

Ich bin kein Fan von Hypes. Seit wir rappen, sind so viele Rapper gekommen, die mittlerweile auf dem absteigenden Ast sind, weil das Potenzial verbraucht ist. Bei uns ist da ist kein Ende in Sicht. Wenn ich will, fange ich richtig an zu singen. Wenn ich Pop machen will, dann mache ich richtig Pop und ficke trotzdem Nutten und fahre auf 23 Zoll rum. Wir haben schon immer gesungene Sachen gehabt. Da würde noch viel mehr gehen.

In der Situation lag in dir auch sehr viel Hoffnung für das gesamte Projekt, oder?

Lucky ging es finanziell besser denn je. Der hat nur Sachen gesucht, in die er Geld reinstecken und später eventuell was rausholen kann. Vor mir gab es ja auch ein paar Künstler, bei denen es nicht so geklappt hat. Ich war so das Letzte, das er versuchen wollte. Bei „Mehr geht nicht“ hat er noch mal richtig reingebuttert. Das „Sinn des Lebens“-Video hat ihn 8.000 Euro gekostet. Da habe ich mich das erste Mal wie ein Rapper gefühlt. Ich hatte ein Label hinter mir, war aber immer noch 187. Irgendjemanden liegen zu lassen für meinen eigenen Film, war nie eine Option. Für mich ist dieses Gang-Ding das einzig Wahre. Das war damals auch nicht anders.

Ihr wirktet jung und wild, aber mit einer Vorstellung von dem, was ihr da macht …

Ein Ziel hatten wir nicht. Ich hatte und habe einen Plan davon, wie man uns den Leuten nahebringen kann. Ich wusste schon immer, wie der Look sein soll und wie es authentisch ist. Die Leute von der Straße haben das gefeiert. Das war so Stille- Post-mäßig.

Dann kam es zum Bruch mit Jentown Chryme …

Lucky ist damals in den Knast gegangen. Aber ehrlich gesagt, hatte er schon vorher das Handtuch geworfen. Wir haben noch den ersten Sampler rausgebracht. AchtVier, Sa4, Gzuz und Bonez in den Hauptrollen und Mosh36 als den neuen.

Das waren bisschen schwierige Zeiten, oder?

Ja, klar. Man hatte sich da in dieses Bett reingelegt und dachte, es geht so weiter, aber dann musste man auf einmal gucken, wo man bleibt. Lucky war im Knast, Gzuz musste auch rein – das war Anfang 2010. Der zweite Sampler war schon fast fertig, darum haben Track und ich uns je 12.500 Euro zusammengeschnorrt und für 25.000 Euro die Toprott Muzik GmbH gegründet. Da dachten wir, es wird jetzt ganz groß, wir werden Millionäre. Dann haben wir Shirts gedruckt und die bei Tracks Oma bis unter die Decke gestapelt. Zu der Zeit habe ich da auf der Couch gewohnt. Wir haben täglich Pakete zur Post gebracht, aber irgendwann hatte jeder Fan einen Pulli. Bei der Gründung saßen Mosh, Hasuna, AchtVier, Sa4 und ich alle an einem Tisch und haben gesagt, wir machen jetzt fünf Releases pro Jahr. Hasuna musste in den Knast, Gzuz saß eh ein und Mosh ist in Berlin geblieben. Am Ende waren nur noch AchtVier und ich da. Der hat in der Toprott-Zeit zwei Alben rausgebracht und das mit seiner Anwesenheit ein bisschen über Wasser gehalten.

Was hat dich durch diese Zeit durchgebracht?

Marihuana. Ich habe viel gekifft. Wenn ich meine drei, vier Joints geraucht habe – auch wenn ich gerade eine richtig beschissene Zeit hatte – konnte ich mich hinsetzen und weitermachen. Es gab ja auch keine Option. In der Anfangszeit habe ich bei McDonalds gearbeitet, eine Ausbildung als Gestalter für Marketing angefangen und ich war auf der Handelsschule. Da war ich total unterfordert. Ich dachte da schon, ich wäre der überkrasseste Rapper, alle anderen haben das eher belächelt. Darum ist es auch so geil, mit so einem Auto rumzufahren. Wäre das nicht so, hätten die Recht gehabt.

 

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Hanfosan

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