Hohe Fünf XXL mit GfK Entertainment zu ihren neuen Hip-Hop-Charts

Endlich ist es soweit. GfK Entertainment veröffentlicht seit letzter Woche – geplant im Wochentakt – nun die durch sie ermittelten Hip-Hop-Albumcharts und gießt somit dem sowieso schon omnipräsenten Konkurrenzgedanken der Schublade Charterfolge und Verkaufszahlen noch einmal Öl ins Feuer, verschafft den hiesigen Musikjournalisten aber einen interessanten Einblick in die Entwicklung und Popularität der Deutschen Hip-Hop-Artisten.
BACKSPIN-Kopf Niko nahm sich dies zum Anlass und es sich nicht nehmen, GfK Entertainment-Geschäftsführer Dr. Mathias Giloth zu einem kleinen Gespräch zu bitten. Die durchaus aufschlussreichen Antworten in Form eines Hohe Fünf XXL seht ihr im Folgenden.

1. Was hat zu der Entscheidung geführt, jetzt Deutsche Hip-Hop-Charts zu erheben?
Die Hip-Hop-Charts sind seit Längerem in Vorbereitung und wir freuen uns, dass sie jetzt veröffentlicht werden können. Hip-Hop ist ein bedeutendes und immer relevanter werdendes Marktsegment, mit passionierten Künstlern und Fans. Die Relevanz dieses Segments in einer eigenen Liste festzuhalten, spannende Trends und Entwicklungen darzustellen und damit Musikfans, Künstlern und Branchenkennern eine wertvolle Orientierungshilfe zu geben – dies sind wesentliche Ansatzpunkte der Hip-Hop-Charts.

2. Was genau ist die Grundlage, wie berechnen sich die Charts?
Grundlage der Hip-Hop-Charts sind die in Deutschland erfolgreichsten Hip-Hop/Rap-Alben innerhalb einer Woche. Der Chart-Zeitraum geht dabei, wie bei den Album-Charts auch, von Freitag bis Donnerstag. Rund 2.800 einzelne Verkaufsstellen senden uns ihre Verkaufsdaten – physische und digitale Verkäufe – auf elektronischem Weg zu. Daraus werden die wöchentlichen Hip-Hop-Charts erstellt.

3. In der Deutschrap-Szene sind die Diskussionen über Chartplatzierungen und Verkaufszahlen nicht zuletzt durch die Erfolge der letzten Jahre immer größer geworden. Warum werden nicht, wie in den USA Zahlen veröffentlicht. um Vergleichswerte zu schaffen?
Wir ermitteln die Charts im Auftrag der Industrie. Verkaufszahlen können wir aus Gründen der Vertraulichkeit leider nicht herausgeben.

4. Ein Punkt in der Diskussion ist immer, dass durch die Charts der Wert der Kunst in den Hintergrund rutscht. Was kann man dem entgegnen?
Der künstlerische Wert eines Produktes und dessen messbarer Erfolg bei den Musikkäufern sind zwei verschiedene Punkte, die nicht miteinander verglichen werden können. Die Charts zeigen auf, welche Künstler binnen einer Woche am meisten verkauft haben – unabhängig, unparteiisch und repräsentativ. Ziel ist es, gleichzeitig Erfolgsmesser, Orientierungshilfe und Trendbarometer zu sein. Eine qualitative Bewertung darf an dieser Stelle nicht stattfinden und findet nicht statt; dafür sind Musikfans, Kritiker u.a. zuständig.

5. Welche Auswirkungen werden diese Charts auf die Zukunft haben, auch in Punkto Relevanz des Genres und der Bewertung der Künstler daraus?
Da die Hip-Hop-Charts jetzt erst gestartet sind, ist eine langfristige Prognose natürlich schwierig. Wir freuen uns auf jeden Fall, dieses Genre allen Musikfans in einer gesonderten Hitliste näher zu bringen sowie über einen lebhaften Austausch bei Musikfans und Künstlern, spannende Chartkämpfe und tolle Rekorde.

6. Das heißt, die Musikindustrie ist, etwa in Gestalt der IFPI, auf Sie zugekommen und hat darum gebeten, die Zahlen zu erheben? Zumal die GfK ja auf anderen Marktfeldern offenbar auch ohne Auftrag aktiv wird und die erhobenen Zahlen einfach Interessenten zum Kauf anbietet …
Der Bundesverband Musikindustrie ist die deutsche Sektion des IFPI-Weltverbandes. Er beauftragt GfK Entertainment seit vielen Jahren mit der Erhebung der offiziellen deutschen Musik-Charts. Es gibt in Deutschland nur diese eine offizielle, von allen Branchenbeteiligten anerkannte Hitliste. Auch in anderen Entertainment-Bereichen, wie beispielsweise Games, Buch und Film, erstellt GfK Entertainment Verkaufsrankings in enger Zusammenarbeit mit den Branchenverbänden. Als 360-Grad-Marktforscher bieten wir darüber hinaus viele weitere Auswertungen und Marktanalysen an, die sich an den individuellen Anforderungen unserer Kunden orientieren.

7. Wer hat eigentlich alles Zugang zu den von der GfK erhobenen Zahlen? Was muss man tun, um Zugang zu diese Zahlen zu erhalten?
Die Marktforschungsdaten richten sich an Kunden aus der Industrie. Ein Zugang für Privatpersonen ist leider nicht möglich.

8. Können Sie uns erklären, warum man in Deutschland auf die Vertraulichkeit der Zahlen verweist, während die Zahlen aus dem Musikmarkt in den USA über Nielsen Soundscan offenbar einfach öffentlich gemacht werden?
Warum es in den USA andere Richtlinien bzgl. der Herausgabe von Verkaufszahlen gibt, können wir Ihnen als Ermittler der deutschen Charts leider nicht sagen. Da müssten sie sich an die Kollegen vor Ort wenden.

Wir danken für die Antworten.

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