Hohe Fünf mit Roger & Sixkay

Roger

Das neue Album von Roger und Sixkay „Flensburg 37“ kam am 26.04. raus. In der Promophase für die gemeinsame LP hat Roger, das ehemalige Blumentopf-Mitglied, auf Instagram dazu aufgerufen, deren Platte in kleinen Plattenläden oder ausgewählten Shops zu kaufen und Amazon den Rücken zu kehren. Damit wollen sie auf das Konsumverhalten der heutigen Welt aufmerksam machen. Wir haben dem Duo fünf Fragen gestellt, um näher auf diese Thematik einzugehen. 

Warum ruft ihr dazu auf, Händler wie Amazon zu boykottieren?

Weil wir finden, dass die Machenschaften von Amazon nicht in Ordnung sind. Wir rufen nicht zum Boykott auf, sondern es geht um ein Nachdenken und das in Griff kriegen des eigenen Konsumverhaltens. Wir hätten gerne, dass die Leute ein bisschen nachdenken und nicht nur den billigsten Preis und die schnellste Variante von Produkten suchen. Sie sollen wissen, welche Konsequenzen das Ganze hat. Wir hätten gerne, dass Leute, die unsere Platte kaufen, das in Shops machen, die man supporten kann. Wir wollen die Maschine Amazon nicht unterstützen. Und die braucht unsere Unterstützung auch nicht, Amazon überlebt auch locker ohne uns! Es geht auch um die Bezahlung und Behandlung der Mitarbeiter. Wir rufen auch nicht spezifisch dazu auf, nur unsere Platte nicht auf Amazon zu kaufen, sondern rufen dazu auf, dass die Leute mehr nachdenken, was sie wo kaufen und wie viel. Allgemein, um das Konsumverhalten zu reduzieren. Wir selber reduzieren es auch krass! Uns war es wichtig, es einfach mal anzusprechen.

Wieso ist es für euch so wichtig, kleine Plattenhändler zu unterstützen?

Weil wir finden, das es gut für den Wettbewerb ist! Wir sind halt nicht für eine Monopolstellung. Wir hätten gerne, dass die Stadt bunt bleibt. Wir mögen den kleinen Plattenladen, der sich auskennt und nicht nur die Daten über die Platten sammelt, der versucht, zu überleben und eine Vision hat. Und der kleine Plattenladen hat langsam keine Chance mehr. Jeder guckt nur noch auf sein Handy und sagt:“Das kauf ich mir jetzt, und morgen kommt es, weil ich bin Amazon Prime Mitglied.“ Es liegt uns nicht nur am Herzen, die kleinen Plattenläden zu unterstützen, sondern auch die kleinen Buchläden, den kleine Obstladen usw. Wir finden es einfach ganz geil, wenn es verschiedene Angebote gibt und nicht einfach einer alles hat und quasi die Welt regiert. Die anderen haben dann natürlich keine Chance. Dieser Konsum-Wahnsinn und das Tempo, in dem Konsum stattfindet, verlieren viele Sachen auch an Wertigkeit. Wenn du darüber nachdenkst, wann du was, wo kaufst, hat das Produkt eine ganz andere Wertigkeit.

Welchen Wert hat heutzutage noch Musik für die Hörer?

Ja, das fragen wir uns manchmal auch! Das ist natürlich schwer einzuschätzen. Wir können nur von uns selber sprechen. Bei uns ist es so, dass der Wert durch das Überangebot an Musik langsam verkleinert wird. Wenn ein Kumpel mit einer Festplatte vorbeikommt und sagt:“Hier, ich gebe dir mal 5GB East-Coast Rap.“ dann hat das natürlich nicht mehr so viel Wert, wie wenn du dir ein mal im Monat eine Platte kaufst und die dann ein paar Mal anhörst. Dann bedeuten die was. Es ist schwer zu sagen, was Leuten Musik bedeutet. Uns natürlich viel, weil wir machen Musik. Wir hoffen, dass es ein paar Leute gibt, die da mehr drin sehen, als: „Ach, gib mal kurz rüber!“ Bei unserer jetzigen Platte merken wir es durch die ganzen Social Media Kanäle, und das ist ganz geil, dass die Leute jetzt direkt mit einem in Kontakt treten können. Das gab es früher noch nicht! Wenn damals jemand deine Platte gekauft hat, hast du es nicht mitbekommen. Jetzt bekommt man direktes Feedback. Wir müssen schon sagen: in der Blase, in der man selber lebt, gibt es viele Menschen, denen Musik extrem viel bedeutet. Ob das die Masse ist, sei mal dahingestellt. Die Masse, also Pop-Musik, hatte ja schon immer einen anderen Stellenwert als andere Musik-Genres. Das Problem ist, dass die meisten sich durch ihr Machen selber entwerten. Wenn du jeden Tag ein Lied rausbringst, das im übertragenen Sinne nur die neue H&M Kollektion enthält, dann ist sie in zwei Monaten wieder out. Die Leute laufen alle so krass dem Trend nach. Wir verstehen manchmal nicht, wieso manche nicht ihren eigenen Stil haben. Uns ist egal, ob sie Trap oder Autotune machen, aber warum machen denn alle die selbe Trap-Nummer? Das ist wie am Wühltisch: Dann bekommt der die meiste Aufmerksamkeit, der vorne noch den Aufsteller hat, weil Universal dafür zahlt. Aber im Grunde sind alle gleich.

Wie sollen Künstler ohne die großen Händler überleben bzw. ist es realistisch?

Ja klar ist es realistisch! Es gibt auch große Comedians, die alle Produkte nur auf ihrer Homepage vertreiben. Es ist realistisch, es wird dir nur vorgegaukelt, dass es nur so geht und dass du auf keinen Fall den Fehler machen darfst, es anders zu machen. Deshalb versuchen wir es, dazu aufzurufen, über solche Dinge nachzudenken. Wir bekommen mehr Geld, wenn die Leute unsere Platte auf Shop of the Forest kaufen und umgekehrt. Mit diesem Geld können wir dann was anstellen und neue Wege aufstellen. Wir wollen uns nicht nur selber large machen, sondern auch zeigen, dass man andere Wege gehen kann. Und jeder hat Schiss, sich es mit irgendjemanden zu verscheißen. Jeder disst lieber fünf Rapper auf der Platte, aber ja nicht die großen Konzerne, damit gibt es dann kein Problem. Wir finden, dass ist ein heuchlerischer Ansatz. Da geht es ja auch um Profit-Maximierung. Es geht darum, ausreichend Geld dabei zu verdienen. Es kommt uns so vor, als würde in der Musikindustrie alles gemacht werden, um immer das Maximum rauszuholen. Wir sind die ersten, die dafür sind, dass jeder, der an der Platte mitarbeitet, fair bezahlt wird. Es muss ja alles bezahlt werden, Studio-Zeit, Grafiker etc.. Es ist halt die Frage, ob man immer noch den allerletzten Euro rausdrücken musst, in dem du dann mit Firma XY ins Bett steigen musst, aber in deinen Texten pseudo-sozialkritisch bist, aber ganz genau weißt, dass die Scheiße von Red Bull finanziert wird.

Welchen Stellenwert sollte Arbeitnehmerschutz in den großen Unternehmen haben?

Den Allergrößten! Das ist natürlich eine Systemfrage. Wir denken da schon ganz anders, wir denken, dass dieses kapitalistische Wirtschaftssystem, auf das man sich wohl momentan im Großteil auf diesem Planeten committet hat, überdacht werden muss. Dann stellt sich die Frage nach Arbeiterschutz gar nicht mehr, weil man ganz anders an die Sache rangeht. Aber wenn man in diesem momentanen Wirtschaftssystem denkt, muss an der Schraube gedreht werden, dass große Milliarden-Konzerne ihre Mitarbeiter anständig bezahlen, die Arbeitszeiten menschlich gehalten werden und anständige Sicherheit gewährleistet wird. Der Profit von reichen Leuten ist ganz klar auf den Rücken anderer Leute ausgetragen. Es ist einfach so.

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