Hohe Fünf mit Soulbrotha

Das DJ- und Produzenten-Duo aus Hamburg, bestehend aus 12 Finger Dan und B-Base, veröffentlichte gerade ihre neue EP „The Golden Era Isn’t Finished“ sowie eine Compilation mit den besten Songs der letzten Jahre unter dem Namen „2009-2015„. Auf beiden Projekten arbeiteten sie mit der BoomBap-Elite des amerikanischen Untergrunds zusammen. Anlässlich der neuen Musik, die es auf „The Golden Era Isn’t Finished„, von Soulbrotha zu hören gibt, haben wir für euch ein kurzes Interview mit den beiden geführt.

SOULBROTHA

The Golden Era Isn’t Finished“ lautet der Titel eurer neuen EP. Wieso habt ihr euch für diesen Namen entschieden? Wieso ist euch die Aussage wichtig?

Der Sound und die Einstellung aus der goldenen Ära des Hip-Hop ist für uns nach wie vor das Non plus ultra. Das, was wir da veröffentlichen, sind einfach wir: Roh und unverfälscht. Wir schauen nicht auf Trends sondern machen einfach unser Ding und das ist BoomBap basierend auf Soul- und Funksamples. Daher leitet sich auch der Name „Soulbrotha“ ab. Wenn du den gleichen Flavour hast, bist du halt automatisch ein „Soulbrotha“. Aber natürlich sind wir auch große Soul- und Funkliebhaber. Der Name ist auch eine Hommage an den Godfather of Soul, dem Soulbrother #1 James Brown.

Auch wenn aktuell der „Retrosound“ ja wieder im Kommen ist, heißt es für uns aber nicht, dass dieser Sound „nur“ an eine Ära aus vergangenen Tagen gebunden ist. Es ist für uns ein Style, der Ende der 80er bzw. Anfang der 90er entstanden ist und der seitdem, auch dank solcher Puristen wie wir es sind, nie weg war und auch wohl niemals verschwinden wird. So ist auch der Titel zu der EP entstanden. Für uns ist die goldene Ära also unsterblich.

Wie funktioniert die Arbeitsaufteilung zwischen euch beiden? Gibt es klare Zuständigkeitsbereiche, oder macht ihr beide alles was anfällt?

Wir arbeiten beide eigenständig an unseren Produktionen, d.h. jeder macht seine Beats und die Cuts. Dann schauen wir welcher MC auf die Beats drauf passen könnte und nicht 5000 Dollar für einen Vers verlangt. Natürlich entstehen unsere Songs auch nach dem klassischen Prinzip: „MC bekommt Beats und pickt sich dann einen raus.“ Mischen machen wir auch jeder für sich. Das finale Mastering übernimmt dann aber B-Base in Eigenregie, falls es kein externer Mastering-Engineer macht oder wir einfach dadurch Geld sparen können. Grafisch ist B-Base auch topfit drauf und hat auch bisher alle Cover designt. Wir können also im Großen und Ganzen in Eigenregie ein komplettes Projekt von den Beats über die Recordings, das Mixing und Mastering fertig produzieren.

Im Video zu „Who’s Next“ kann man sehen, dass ihr Spaß bei der Arbeit hattet. Wo habt ihr gedreht? Ist dort auch der Großteil der EP produziert worden?

Ja, das Video ist in der Tat sehr relaxt geworden. Wir haben das bei Curt Cazal im „East D&D Studio“ in Long Island, New York gedreht. Der hatte kurz vor Schließung der D&D Studios einen Großteil des damaligen Equipments aufgekauft und sich das in sein Haus gestellt. Das war halt alles analoges Zeug, so ähnlich sieht es übrigens auch in unseren Studios aus. Das Equipment kann man im Video ganz gut sehen.

Das ist jetzt halt nicht etwas super rares an Gear, aber wir fanden den Vibe, den sein Studio versprüht, auf jeden Fall sehr dope. Wann hat man schon mal die Möglichkeit etwas aus den legendären D&D Studios abzuchecken. Und natürlich darf auch ein ordentlicher Pooltisch im Studio nicht fehlen um nebenbei etwas abzuschalten. Leider ist das Video in Deutschland aber aufgrund der Gemaproblematik gesperrt. Man kann es aber auf unserer Facebookseite auschecken. Oder man geht den Weg über einen YouTube Proxy. Wir haben übrigens noch zwei weitere Videos zu der EP gedreht. Eines mit Beneficence und Kazi zum Song „Flow N Facts“ und das andere mit Craig G für „The Hood Ain’t Changed Much

Welche Produzenten euch beeinflusst und euren Sound geprägt haben, ist eindeutig zu erkennen. Im Infotext zum Video steht, dass Producer-Legende DJ Premier euer Mentor ist. Könnt ihr etwas zu eurem Verhältnis sagen? Wie schafft man es, dass so jemand einem mit Rat und Tat zur Seite steht?

Premo ist ohne Zweifel einer der einflussreichsten Produzenten der 90er. Für viele BoomBap-Beatbauer dürfte er oft unter den Top 3 der persönlichen Favoriten auftauchen. Was wir an ihm schätzen ist seine lockere Art und dass er sich auch noch nach Jahren an Kleinigkeiten aus gemeinsamen Gesprächen erinnert. Der hat tagtäglich mit so vielen Leuten zu tun aber hat echt ein Gedächtnis wie ein Elefant.

Kennengelernt haben wir ihn vor ca. 10 Jahren bei einem Gig in Hamburg. Danach hatten wir regelmäßigen Kontakt und konnten einige Male bei ihm im Studio in New York chillen und waren auch schon mehrmals in seiner Radioshow „Live from Headqcourterz“ zu Gast. Dort sind auch z.B. einige der Intros für unsere Projekte entstanden und ein ganz lustiger Shoutout, den wir für seine Radioshow aufgenommen haben und den er immer wieder in seine Show einbaut. Wir haben ein ganz entspanntes und freundschaftliches Verhältnis zu ihm – Soulbrotha-Style halt.

Natürlich haben wir aber auch andere Einflüsse aus der Goldenen Ära wie z.B. Marley Marl, dem Juice Crew Mitbegründer der im Intro der neuen EP zu hören ist. Marley Marl wiederrum ist ja der Mentor von z.B. Pete Rock von dem wir auch ein sehr großer Fan sind.

Wie kam es zu den Kontakten mit den auf „The Golden Era Isn’t Finished“ vertretenen  U.S.-Künstlern? Wie kann man sich so eine Zusammenarbeit vorstellen?

Das ist überwiegend durch persönliche Connections entstanden. Blaq Poet, Craig G und Beneficence sind unsere Buddies. Blaq Poet war auch mal ein paar Wochen bei 12 Finger Dan in Hamburg zu Gast und hat uns das beste Soulfood zubereitet, was man sich vorstellen kann.

Im Grunde genommen sind das aber einfache Handshakedeals. Bei anderen Features haben uns Kollegen aus New York bei der Kontaktaufnahme unterstützt. Mit Big Shug haben wir per Mail direkt was ausgedealt. Afu-Ra hat bei unserem DJ-Kollegen Toshi in Brooklyn aufgenommen und Marley Marl hat während der Aufnahmesession mit Craig G das Intro zum Besten gegeben. Den Kontakt zu QnC haben wir über das Label Ill Adrenaline Records bekommen mit denen wir dann ja auch das relaxte Video gedreht haben. Die Zusammenarbeit mit den Künstlern ist im Grunde genommen immer ganz basic, d.h. die MCs bekommen die Beats von uns, nehmen auf und dann stellen wir die Tracks bei uns im Studio fertig. Danach kommt dann die Vinyl in den Handel. Easy, breezy, beautiful!

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Sebastian ist ein "Real Hip-Hop Kid" und seit Ende 2015 Teil der BACKSPIN Gang. Er ist zuständig für Interviews, Konzertberichte und Artikel auf der Website. "Hip-Hop is not on the Radio!" #allesbackspin
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