Hohe Fünf mit Lorenz & Geraet

image007Heute erscheint das gemeinsame Projekt „In Brandsätzen“  von Lorenz & Geraet (Cutcannibalz) in Form eines Mini-Albums. In den nächsten Tage soll auch ein neues Video dazu veröffentlicht werden. Anlass genug also, Lorenz & Geraet in unserer Hohe-Fünf-Rubrik zu Gast zu haben. Ein Gespräch über Musik, verlorene Feuerzeuge und Gerrits Scheu vor Geschäften.

Am 5. März gab es eine Pre-Releaseparty eurer Platte und eine Post-Releaseparty von Scus „der alte Mann und das Flair“. Wie war die Resonanz eures Auftrittes bzw. eurer Musik?

GERRIT: Wir haben eigentlich nichts nennenswert verkackt und es waren mehr Leute dort, als wir erwartet haben. Berlin ist da ja immer ein bisschen schwierig, vor allem wenn man versucht die Leute bis 23 Uhr in den Club zu bewegen und auch noch zu bezahlen (!!ELF!!). Finde es immer besonders gut, wenn man im Raum auch ne Menge Leute hat, die offensichtlich sonst nicht zu Hip-Hop-Veranstaltungen gehen – und davon hatten wir doch einige, denke ich.

LORENZ: Ich glaube, wir können sehr zufrieden sein. Es ist immer aufregend das erste Mal mit neuer Musik vor ein neugieriges und kritisches Publikum zu treten, aber wir wurden gut aufgenommen und konnten die Leute v.a. durch die Beats von Geraet abholen und super feiern. Auch nach dem Auftritt bekamen wir viel Zuspruch. Scu und die Hunde haben danach dann abgerissen. Die Herren sind einfach auch super routiniert. Insgesamt war es ein wirklich gelungener Konzertabend, der unglaublich viel Spaß gemacht hat.

Wie kam es zu eurer Zusammenarbeit?

LORENZ: Ich habe die Cutcannibalz und die Verrückten Hunde 2011 in Berlin kennengelernt auf den Rough-Rap-Rave Partys. Dann hab ich 2013 mein Soloalbum „Wurzel, Stamm und Krone“ bei den Jungs aufgenommen und wir sind ziemlich zusammengewachsen. Anfang 2015 hab ich dann einen Stapel Beats von Geraet bekommen und ich hab ziemlich aus dem Bauch heraus drauf losgeschrieben. Irgendwie ist das Projekt einfach passiert und war nicht lange geplant oder von A bis Z durchstrukturiert.

GERRIT: Glücklicherweise hatte ich zu dem Zeitpunkt einen ganz guten Fundus aus dem Lorenz schöpfen konnte, da ich ohnehin gerade an einer Instrumentalplatte rungeschraubt hatte, die nun auch bald rauskommt. Den ersten Song den Lorenz mir am Telefon vorgerappt hatte war „Dein Feuerzeug“ – OK, zack. Single. Überzeugt.

Könnt ihr beschreiben worum es in eurem Album geht? Was hat es mit dem Feuerzeug auf sich?

LORENZ: Einen einheitlichen roten Faden zu benennen ist eher schwer. Ich hab versucht, die Vibes von den eher roughen und rauchigen Beats in sprachliche Bilder oder Geschichten zu verpacken. Neben relativ klassischen Rapsongs findet man deshalb auch Konzeptsongs wie „Dein Feuerzeug“. Die Idee zu dem Song trug ich schon eine Weile mit mir herum, bevor ich das Instrumental von Geraet bekam – die Idee hat quasi auf ihre perfekte musikalische Untermalung gewartet. Viele kennen die Situation nach einer Party sein Feuerzeug verloren, und/oder ein anderes in seiner Hosentasche gefunden zu haben. Ich hab mich gefragt, was so ein Feuerzeug auf seinem Weg erleben könnte, bis es schließlich nicht mehr funktioniert. Dabei schwingen natürlich die Geschichte und die Schicksale der Menschen mit, die das Feuerzeug auf den Etappen seines Weges begleiten, bis der Funken mit dem scheidenden Großvater am Ende erlischt. Letztlich ist es einer der stärksten Songs auf der Platte geworden und war auch für den Titel des Projekts auschlaggebend.

GERRIT: Ich bin nur der Koch.

Welche Musik hat euch auf eurem künstlerischen Weg zentral beeinflusst?

LORENZ: Meine Urprägung hab ich wohl von Freundeskreis, Blumentopf, Afrob und Samy bekommen. Dann war und bin ich schwer beeindruckt von Hiob, Morlock Dilemma und den Versagern ohne Zukunft und heute zähl ich Eloquent und Megaloh zu den Innovativsten und Versiertesten. Natürlich gibt es auch viele Rap- und Beatkünstler unter dem Radar, die ich ziemlich feiere, von Mucke aus den Staaten, Frankreich oder Skandinavien mal ganz abgesehen.

GERRIT: Natürlich die alte Leier: 90er Ami-Rap, wenn es um Hip-Hop geht zumindest. Fast zeitgleich dann auch viele deutsche Releases, von MZEE Records vor allem. Vor Hip-Hop-Musik mochte ich auch Punk-Krams, Grunge und Hardcore. Besonders z.B. Rage Against The Machine, Slime, Bad Religion… Mit der „Ill Communication“ der Beastie Boys hat sich da dann einiges sehr gut für mich vermischt. Außerdem hatte ich Glück und habe musikalische Früherziehung genießen dürfen und habe Blockflöte gelernt. Den Kuckuck-Griff kann ich noch heute. Bämm!

Ihr Beide seid ja schon länger im Geschäft. Was haltet ihr von der aktuellen Hip-Hop Szene?

LORENZ: Ehrlich gesagt fühl ich mich nicht als Teil einer Rapszene. Klar lebt man in seinen Kreisen und trifft Menschen in Bezug auf eine bestimmte Art von Mucke. Letztlich ist der Begriff Hip-Hop Szene doch gar nicht mehr greifbar, weil er sich in so viele Sub-Szenen aufteilt. Aber das heißt nichts schlechtes. Im Gegenteil zeigt es doch eigentlich, wie verdammt vielfältig Deuschrap und Hip-Hop-inspirierte Musik geworden ist. Und dann macht es Spaß, sich in seiner kleinen Nische auszuprobieren und die Musik zu machen, auf die man Bock hat. Dass man nicht alles feiert, und manches auch richtig scheiße finden kann, was da so produziert wird ist genauso klar, wie dass man auch immer wieder Perlen und unglaubliche Künstler entdeckt.

GERRIT: Ich halte mich meist ungern im Geschäft auf. Schnell das nötigste einpacken. Bisschen Gemüse, Milch, Kaffee holen und sich immer fragen, ob noch ausreichend Klopapier, Olivenöl und Kaffeefilter zu Hause vorrätig sind.

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