Hohe Fünf mit Andy Cooper

Andy Cooper, Teil des kalifornischen Underground-Trios Ugly Duckling versucht sich im Alleingang und bringt heute sein Solo-Debüt „Room To Breathe: The Free LP„ heraus. Musikalisch darf man sich auf klassischen Hip-Hop gepaart mit jazzig-funkigen Elementen freuen. Mit seiner 1993 gegründeten Gruppe Ugly Duckling hatte Cooper zuvor Tourneen in über 30 Ländern gespielt und sechs Alben veröffentlicht.

Um über seinen musikalischen Alleingang sprechen haben wir Andy Cooper, wie in der Hohe-Fünf-Rubrik üblich, fünf Fragen gestellt. Gebt euch hier das Interview:

Mit den Ugly Duckling machst du bereits seit über 20 Jahren Musik. Was war der entscheidende Faktor für deine Solokarriere? Warum jetzt?

Das ist richtig, ich bin schon eine lange Zeit bei den Ugly Duckling. Ich genieße es in einer Gruppe zu arbeiten, weil es da eine spezielle Dynamik innerhalb einer Band gibt, die das Musikmachen meistens viel interessanter macht als Solo zu spielen. Ab einem gewissen Punkt aber haben wir (Ugly Duckling) langsam unsere Inspiration verloren. Ich denke, weil wir in all den Jahren so hart gearbeitet haben und dabei immer wieder mit neue Ideen aufkreuzen mussten. Letztendlich haben wir alle musikalischen Möglichkeiten als Band aufgebraucht. Wir konnten uns keiner neuen Herausforderung stellen. Sowohl Einstein und Dizz haben Kinder, weswegen das Musikmachen nicht unbedingt ganz oben auf ihrer Prioritätenliste war.

Vor ungefähr einem Jahr gründete ich meinen Blog Ear To The Track (hier schreibe ich über Musik und Kultur) und ich entschloss mich, ein paar exklusive Solo Songs frei zur Verfügung zu stellen um die Seite für einige Subscribers attraktiv zu halten. Die Reaktion war so gut, dass ich letztendlich zwei  Single-Veröffentlichungen und einen Vertrag für eine LP in der Tasche hatte. Erst als das alles passiert ist, dachte ich daran, meiner Solokarriere eine Chance zu geben. Davor hatte ich nie daran gedacht, alleine Rapmusik zu machen.

„Ich war zuerst etwas nervös, weil es meine erste Solo-Show war. Aber wie so oft, überließ ich mich einfach der Musik und nach einigen Minuten war ich dann wie vom Glück berauscht.“

Wie unterscheidet sich dein Sound von den Ugly Duckling? Wie würdest du diesen Sound beschreiben?

Einige Sachen ähneln sich sicher, weil ich ja Co-Producer und Writer für die Ugly Duckling bin. Für meine Soloplatte wollte ich meine Musik „roher“ und mit mehr Funk haben. Außerdem versuchte ich mich bei den Lyrics und Rap-style mehr zu pushen. Bei den Ugly Duckling fokussierten wir uns weniger auf das Lyrische als viel mehr auf sogenannte „Party-rocking“-Songs und „Cool-Adventure“-Geschichten. Ich wollte eben zeigen, dass ich ein Mikrofon halten und auf höchstem Rap-Niveau mithalten kann. Dies gab mir die Möglichkeit, Musik zu produzieren, die sich auf die Vocals konzentriert. Bei den Ugly Ducking haben die Vocals immer nur die Musik unterstützt. Ich empfinde meine Musik in der Hinsicht  als „freier“ und  „soulful“. Ich hatte einfach Spaß und habe keine Regel befolgt, weil ich mir keine Karriere aufbauen, sondern einfach nur funky Musik machen wollte. Ich bin hier auf der Platte auch der einzige Sänger. Deswegen wusste ich, dass ich was interessantes machen musste. Ich hatte nun mal weder Dizzy noch Einstein als Unterstützung.

Ende 2015 hast du dein Soloalbum im Mojo Club in Hamburg performt. Wie war die Resonanz?

Es lief sehr sehr gut. Als ich mein Set spielte, sind die Leute voll abgegangen. Als ich meinen Song „Do The Charlie Brown“ performte, sah ich in die tanzenden und lächelnden Gesichter – und das ist doch der schönste Anblick auf der Welt. Ich habe schon in den späten 90ern im Mojo Club aufgelegt und es ist immer eine tolle Erfahrung dort zu performen. Ich war zuerst etwas nervös, weil es meine erste Solo-Show war. Aber wie so oft, überließ ich mich einfach der Musik und nach einigen Minuten war ich dann wie vom Glück berauscht. Mein guter Freund Gu („Origu“-Records) unterstütze mich dabei als DJ. Das half mir dann auch beim Relaxen.

Um die Ugly Duckling ist es ja ziemlich still geworden. Was ist der Grund dafür und können wir dennoch was in naher Zukunft erwarten?

Es ist sehr sehr still um die Ugly Duckling. Ich habe keine Ahnung, was bezüglich neuer Musik noch passieren wird. Aber ich bin ziemlich zuversichtlich, dass wir in naher Zukunft wieder live performen werden. Es gibt nun mal verschiedene Lebensphasen, und es scheint so, als ob wir in eine neue Phase übergegangen sind (Ehe und Familie) und keiner von uns ist sich sicher, was das für die Gruppe bedeutet. Schlussendlich respektieren wir uns sehr und wir wissen, dass wir ein großes musikalisches Vermächtnis hinterlassen haben, das wir (hoffentlich) weiter ausbauen.


Auf deinem neuen Album bedankst du dich besonders bei der Jazz-Legende Wilton Felder. Wie beeinflusste er dich in persönlicher und beruflicher Hinsicht?

Wilton Felder war eine Jazz Legende und ein Star-Studiomusiker. Als Mitglied der Crusaders, als Solokünstler und Studiomusiker wurde er von vielen großen Hip-Hop Acts gesamplet (z.B. spielte er die Bass-line in Dr. Dres „Nuthin´But a G Thang“ oder Black Moons „Who Got The Props“ ).

Mr. Felder lebte zwei Häuser weiter. Er war nett genug, mich in sein Home-Studio einzuladen, als ich noch jung war. Ich wusste noch nicht wirklich viel damit anzufangen, weil ich zu der Zeit nicht über ein Leben als Musiker nachgedacht habe. Aber ich genoss die Beziehung zu einem hochprofessionellen Musiker der schon mit einem Klassiker („Street Life“) aufwarten konnte. Das hat mir aber die Augen geöffnet – Es war also möglich im Entertainment zu arbeiten. Als Mr. Felder dann in den späten 90ern aus meiner Nachbarschaft wegzog, hinterließ er mir einige seiner alten Vinylplatten. Einige sample ich immer noch. Es war wirklich ein Segen, mit so einem erfolgreichen Mann in Kontakt gewesen zu sein.

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