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Von Begeisterung zum Beruf: Hohe Fünf mit Jean-Marc Heukemes

Jean-Marc Heukemes (wahlweise ergänzt durch den Zusatz „On Air„) ist seit über 21 Jahren als Moderator, Redakteur, YouTube Host, Sprecher, Hip-Hop Journalist aktiv. Was sich dabei fast wie ein roter Faden durch seine Formate zieht, ist seine Begeisterung für Hip-Hop. Er hat bereits über 500 Radio-Shows moderiert, darunter „Soulfood“ für MDR Sputnik und „Green goes black“ von Deutschlandfunk Nova. Zuletzt startete er ein eigenes YouTube-Format bei Vinyl-Blog und -Shop Vinyl Digital. Dort lädt er Rapper und Produzenten in sein Arbeitszimmer ein, in dem sich etwa 3500 Platten und 3000 CDs bis unter die Decke stapeln. Mehr als 90 Prozent der Vinyl und CDs kommen nach eigener Aussage aus dem Bereich Hip-Hop. Es gibt ausgiebige Interviews, Hörproben zu neuen Releases und grundsätzlichen Nerdtalk zum Thema Vinyl. Wir haben Heukemes fünf Fragen gestellt und uns nach seiner Liebe zur Platte und seiner Meinung zur aktuellen Deutschrap-Szene erkundigt. 

Woher kommt deine Liebe zum Vinyl? Kannst du dich an deine erste Platte erinnern?

Die Liebe zu Vinyl stammt von meinen Eltern, die zu Hause Vinyl aus verschiedensten Musikrichtungen stehen hatten. Natürlich wollte ich diese schwarzen Scheiben immer gerne selber auf den Plattenteller legen und abspielen. Habe ich auch einige Male gemacht, wenn meine Eltern mal nicht zu Hause waren. Und so eine drehende schwarze Scheibe mit den ganzen kleinen bunten Leuchten des Plattenspielers, das war dann pure Begeisterung. Zudem brachte mir mein Vater, früher selber beim Radio, immer wieder mal aussortierte Vinyl mit. Daher kann ich mich nicht an meine wirklich erste Platte erinnern, es war aber in dem Fall sicher keine Hip-Hop Vinyl, denn mit Hip-Hop kam ich erst 1989 in Verbindung.

Wenn du dir jemanden für dein Format bei Vinyl Digital aussuchen dürftest, wer wäre das und warum?

So blöd das jetzt klingt, aber da gibt es eigentlich nicht wirklich jemanden, da bereits alle schon mal bei mir zu Gast waren, die ich gerne mal einladen wollte. Zwei, die ich aber gerne noch mal in meine YouTube Show einladen wollen würde, und das auch schon getan habe, beide sind aber keine großen Fans von Videointerviews, sind Döll und Shacke One. Wenn ihr das also lest, ich gebe noch nicht auf!

 

Deine Begeisterung für Hip-Hop zieht sich durch deine Formate. Wie bewertest du die aktuellen Entwicklungen im deutschen Rap?

Da ich schon sehr lange Hip-Hop begeistert bin und ich mit dieser Begeisterung ab 1998 sogar beruflich arbeiten konnte, habe ich mich schon immer nur für eine bestimmte Art von Hip-Hop und deren Protagonisten interessiert. Daher kann und will ich mich gar nicht zu bestimmten Entwicklungen äußern. Wer aber meine Sendungen und meine Social Media-Aktivitäten verfolgt, merkt schnell, was ich feiere und warum. Denn in meinen Sendungen, über meinen Facebook- und Instagram-Kanal verbreite ich nur Musik von Künstlern hinter denen ich zu 100 Prozent stehe und deren Musik ich feiere. Daher sage ich es mal so, in dem Bereich, in dem ich mich aufhalte und den ich konsumiere, finde ich die Entwicklung großartig. Immer mehr Künstler können auf eigenen Beinen stehen, immer mehr Labels bringen qualitativ guten Hip-Hop raus, die Qualität im Rap und auch im Beatmakergame steigt, die Vielfalt an Arten und Styles war noch nie so groß und es gibt immer mehr kleine Veranstaltungen die den Hip-Hop Vibe präsentieren und feiern, den auch ich so großartig finde. Um es jetzt mal kurz zu sagen, ich empfinde die derzeitige Hip-Hop Szene als spannendste und vielfältigste die ich seit 1990 erleben durfte. Auch wenn ich vieles nicht feiere und vor allem auch aus journalistischer Sicht nicht vertreten kann, oder aufgreifen will, bin ich froh ein kleiner Teil davon zu sein.

Mit über 500 Shows für’s Radio mit Formaten wie „Soulfood“ für SPUTNIK und “Green Goes Black“ für Deutschlandfunk Nova hast du schon einiges an Erfahrung bei den Öffentlich-Rechtlichen gesammelt. Seit September letzten Jahres gibt es dein Format bei Vinyl Digital, also auf einer „privaten“ Plattform. Was hat sich für dich geändert? 

Ehrlich gesagt nichts. Klar, die technische Umsetzung ist anders und es müssen am Ende Bild, Interviewtonspuren und Musik zusammen gebracht werden. Das war beim Radio in einem abgearbeitet und ohne Bild. Was allerdings komplett anders ist, so wie das YouTube Format jetzt online zu sehen ist, so wird es auch aufgenommen. Heißt, der Zuschauer sieht wirklich das gesamte Interview, das ich mit den Künstlern geführt habe, ohne Schnitt, ohne Zensur. Beim Radio musste ich teilweise aufgrund der Längenvorgaben der Sendung, oder eben auch der einzelnen Interviewtakes, einkürzen. Zudem müssen die Interviewgäste jetzt natürlich zu mir nach Hause in meine Wahlheimat Halle an der Saale kommen, damit wir das Interview aufzeichnen können. Beim Radio war es auch mal möglich, wenn der Gast es zeitlich einfach nicht geschafft hatte den Weg auf sich zu nehmen, das Interview über eine Leitung aufzunehmen. Denn die ARD und das ZDF verfügen über ein großes Netz an Studios weltweit. Dort können dann Interviewgäste in einen anderen Ort ins Studio gesetzt werden und über eine Leitung in bester Studioqualität dazu geschaltet werden. Das hatte ich zum Beispiel mal mit Brenk Sinatra gemacht. Er saß in Wien im ARD Studio und Morlockk Dilemma und ich im MDR Studio in Halle. So haben wir dann eine zweistündige Sendung zusammen aufgenommen.

 

Nach der Rückkehr des Vinyls, die auch von einer relativ breiten Massen angenommen wurde, gibt es nun wieder einige Veröffentlichungen auf Kassette. Was sagst du zur Rückkehr des Tapes als Medium?

Die Rückkehr des Tapes im Hip-Hop Bereich ist ja nun auch schon längere Zeit her. Ich finde es gut, denn Musik rein digital zu kaufen ergibt für mich gar keinen Sinn. Und für viele Künstler ist es nicht möglich eine Vinyl zu pressen, aber ein Tape lässt sich einfach und kostengünstig umsetzen. Dazu kommt, dass gerade Beat oder Mixtapes als Tape einfach eine coole Sache sind. Ich kaufe mir zwar explizit keine, aber ich begrüße das Tape als Musikformat sehr. In meiner Kindheit bin ich viel mit meinem Sony Walkman auf den Straßen gewesen und habe Tapes mit Musik aus dem Radio oder von Vinyl überspielt unterwegs gehört.

Erzähl Digger, erzähl

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