Ultramagnetic MC’s: Hohe Fünf mit Falk Schacht über „Critical Beatdown“

Ultramagnetic MC's und Falk

Kürzlich feierte das Debütalbum „Critical Beatdown“ der Ultramagnetic MC’s seinen 31. Geburtstag. Obwohl es damals keinen großen kommerziellen Erfolg hatte, gilt es rückblickend als ein Klassiker des „Golden Age“ im Hip-Hop. Um diesen Meilenstein zu würdigen, haben wir uns mit Hip-Hop-Nerd Falk Schacht getroffen und ihm fünf Fragen rund um das Album und die Gruppe aus der Bronx gestellt.

Wer sind die Ultramagnetic MC‘s und warum muss man sie kennen? 

Die Ultramagnetic MC‘s sind Kool Keith, Ced Gee, TR Love und DJ Moe Love. Kool Keith ist bis heute der bekannteste Teil der Gruppe aus der Bronx und war schon damals sehr stark für das Gesamtauftreten der Band verantwortlich. Ihre Texte sind ziemlich abstrakt und strotzen vor Worten, die sie selber „Big Words“ nannten. Fachbegriffe aus Wissenschaftsmagazinen über Weltraumforschung usw. kommen da vor. Sie wirkten dadurch inhaltlich sehr futuristisch und freakig, weil sie sich vom gewöhnlichen Hood-Rap absetzten. Auch musikalisch waren sie sehr weit vorne. Ihre Produktion ist sehr rough, aber schneidet bereits ziemlich extrem die Samples. Es wird nicht nur mit Loops gearbeitet. Der Studio Engineer Paul C hat die futuristisch minimalistischen Produktionen abgerundet, sodass „Critical Beatdown“ bis heute als absoluter Hardcore-Meilenstein des Bronx Raps gilt. Nicht umsonst hat das Album einen sehr großen Einfluss auf viele andere Szenen gehabt. Von Techno zu Rave zu Breakbeats, Jungle und Drum’n‘Bass Musikern reicht das. Die bekannteste Verwendung ist das „Smack My Bitch Up“-Sample von Prodigy. 

Wie hast du das Album damals bei der Veröffentlichung wahrgenommen? 

Ich war vollkommen weggeblasen von der rohen Energie und der Härte des Sounds. Genauso sollte mein Rap klingen. Dreckig und aufs Maul. Entscheidend waren auch die vielen Scratches und DJ-Passagen. Und das obwohl Moe Love nicht gerade als DJ-Ikone gilt. Aber daran kann man sehen, wie man aus wenig sehr viel macht. 

Wie ordnest du das Album im Gesamtwerk der Ultramagnetic MC’s ein? 

Es ist ihr wichtigstes und stärkstes Album. Es hat sehr großen Einfluss auf die Breakbeat-Genres in England gehabt. Und Kool Keiths Karrierewahnsinn findet dort seinen Anfang. 

Hat das Album den Test der Zeit bestanden und welchen Einfluss hat es heute noch?

Ich habe da keine neutrale Sicht mehr drauf. Für mich auf jeden Fall. Und ich denke jeder, der sich ernsthaft für Rap interessiert, sollte diese Platte mal gehört haben. Sie ist 30 Jahre alt und eines der besten Zeugnisse ihrer Zeit. Es gibt immer noch Künstler, die sich davon beeinflussen lassen. Retrogott hat zum Beispiel für mich einen immer wieder hörbaren Einfluss der Ultras in seiner Musik. 

Du hast selbst öfter bekundet, dass du gerne ein Projekt im Rahmen der Ultramagnetic MC‘s realisieren möchtest. Bestehen diese Pläne heute noch? 

Ich habe 2005 an einer extrem umfassenden Oral History über die Ultramagnetic MC‘s gearbeitet, die für die Wax Poetics sein sollte. Dafür habe ich extrem viel Material zusammengetragen, unter anderem Dutzende Stunden Interviews mit Ced Gee, Kool Keith, Moe Love oder ihrem Labelchef der 1980er, Eddie O’Loughlin. Ich habe auch ein Interview mit Aaron Fuchs, dem Chef von Tuff City Records, in dem wir über die Demo/Bootleg-Alben der Ultras auf seinem Label sprechen. Damals hat Kool Keith das Gerücht in die Welt gesetzt, dass Ced Gee die Demos verkauft hat, weil er Geld für Crack brauchte. Ein Gerücht, das sich bis heute gehalten hat. 

Deswegen habe ich jeden Interviewpartner, inklusive Ced Gee, gefragt, ob das stimmt. Das haben alle verneint. Sogar Kool Keith hat mir gesagt, dass es ein Diss war, aber nicht real. Leider hat sich die Wax Poetics ab da rausgezogen, weil sie der Meinung waren diese Fragen und Aaron Fuchs seien unangemessene Themen und Gesprächspartner. Das Material habe ich noch alles. 

Mit dem Artikel wollte ich alle Gerüchte über die Crew aufklären. Auch das geniale Showmanship von Kool Keith, der mir erklärt, André 3000 und die Neptunes würden ihn komplett biten. Dann schläft er in meinem Interview ein, während er redet … unfassbar!

Erzähl Digger, erzähl

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