DiscoCtrl: „Ich will, dass jedes Konzert besser ist als das davor!“

DiscoCtrl

Wenn sich ab dem 20. September die deutsche und internationale Musik-Industrie in Hamburg zum mittlerweile traditionellen Reeperbahn Festival auf dem Kiez trifft, darf BACKSPIN natürlich nicht fehlen. Am Festival-Freitag werden wir vier illustre Acts aus den weiten Deutschraps auf die Bühne des Moondoo präsentieren. Den Anfang macht DiscoCtrl. Der MC und Produzent wuchs in in Austin, Texas, sowie in Berlin auf und ist mittlerweile beim Hamburger Kult-Label Audiolith zuhause. Seine Musik hebt sich allein durch die englischen Texte deutlich vom Großteil der hiesigen Szene ab, auch wenn der bassige Sound mit der tiefen Stimme von DiscoCtrl sehr gut den Zeitgeist trifft, ohne dabei in Trends unterzugehen. Der Berliner wird nicht nur am 22. September den BACKSPIN Abend eröffnen, sondern auch diesen kleinen High-Five-Zirkel mit den vertretenden Künstlern. 

Wie stehst du zu Festivals generell? Spielst du lieber Open Air oder doch in einem kleineren Club?

Ich denke wir wissen alle dass es viele Gurkenfestivals gibt, die sich mehr mit ihren Sponsoring-Verträgen mit Jacob’s Kaffee oder so, als mit dem Line-Up beschäftigen. Die versuchen glaub ich eher so viel Schnittmenge wie möglich abzudecken, als irgendein Statement mit dem Booking zu machen. Am Ende ist der Vibe halt ein bisschen wie in der Einkaufspassage. Andererseits hatte ich während ein paar Festival-Konzerten richtig kranke Dopamin-Trips, weil die Lichter, Location, Uhrzeit und eben das Publikum so heftig sein können, wenn sich was weiß ich viele hundert oder tausend Leute für mehrere Tage einfach ausklinken um Mucke zu feiern und miteinander friedlich zu sein. Wenn ich in einem kleinen Laden vor 200 Menschen spiele von denen die meisten mich kennen oder gekommen sind weil sie von den anderen therapiert wurden mitzukommen, habe ich klar Heimvorteil und kann direkter mit Leuten feiern mit denen ich das Gefühl habe voll viel gemeinsam zu haben, aber im Endeffekt ist es egal während ich spiele, weil der Teil immer bockt.


Das Reeperbahn Festival ist ja grundsätzlich ein etwas unkonventionelles Musik-Festival, zumindest, wenn man sich die Entwicklung größerer, deutscher Musikfestivals in den letzten Jahren anschaut. Das Publikum besteht viel eher auch aus Kritikern, als ausschließlich aus Fans. Gehst du mit dem Auftritt anders um, bereitest du dich besonders vor?
Ne, eigentlich nicht. Wenn ich spiele, leg ich ein paar Back-Ups auf die Hooks, alles andere ist Live, es gibt kein Playback oder jemand auf der Bühne der mich rettet wenn ich verkacke. Wenn ich mit Boogie Dan spiele hat er natürlich ein paar Ablenkungsmanöver an den Decks, aber was die Vorbereitung anbelangt muss ich einfach immer crispy bleiben, egal wo ich spiele. Also immer schön proben und viel Wasser trinken und vor den Gigs auf keinen Fall ballern oder saufen, um dann konzentriert zu rasieren. Ich will eigentlich dass jedes Konzert, das ich spiele besser ist als das davor, egal wer da steht. Alle Leute wollen 100% und sollten sie eigentlich auch kriegen. Beim Reeperbahn Festival wird auf jeden Fall neuer Kram gespielt, aber die Grundeinstellung würde ich auch zu einem Laubenfest bringen.


Es geht bei einem Auftritt auf dem Reeperbahn Festival ja meist eher um einen Showcase als um einen einfachen Auftritt. Bist du da nervöser als vor einer normalen Show? Rechnest du dir im Gegenzug eventuell auch Chancen aus um ein anderes Publikum zu erschließen?

Auf volle Wahrheit jetzt: ich stelle gar keine Erwartungen an irgendwen, ich mach mein Ding und will alle mitnehmen, die sich in der Mucke wiederfinden. Ich find es auf jeden Fall geil, dass wir auf dem RBF spielen und feier es meinen Namen zwischen so vielen korrekten Acts zu sehen. Also eh schonmal gut ein Bändchen zu haben.


Bei einem Backspin-Panel im Rahmen des Reeperbahn Festival wird es um den Umgang von Künstlern mit Rezensionen und Kritikern gehen. Wie stehst du zu dieser Thematik? Gab es schon mal eine Plattenkritik, die dich verletzt oder getroffen hat? Hast du schonmal auf eine Plattenkritik reagiert?

So ein Blog hat mal über ein Konzert von mir gepostet, und in der Einleitung schreibt der Typ es ist sein erstes Rapkonzert. Und dann steht im zweiten Satz, dass ich auf Englisch rappe, und dass ja seit den 90er Jahren im Deutschrap ja eigentlich nicht mehr klar geht. Die Kombi hat mich auf jeden Fall richtig genervt, weil er uns ja gerade gesagt hat, dass er eigentlich jetzt nicht so krass den Plan hat, und es mich prinzipiell anödet, wenn ich in die Kategorie von Englisch-als-Mode-Rappern gesteckt werde. Also klar ist es lahm, wenn irgendwas nicht stimmt oder schlecht recherchiert ist oder falsch geschrieben, aber ich weiß auch, dass die meisten Leute mittlerweile umsonst schreiben müssen. Bis jetzt ist noch nichts gekommen, weswegen ich irgendwem an den Hals gesprungen bin.


Deine Labelheimat Audiolith sitzt ja bekanntermaßen in Hamburg, was bedeutet die Stadt ansonsten für dich?
Trouble
Orchestra haben meine alte Crew Image Ctrl das erste mal in die Stadt geholt und mit Leuten wie phonkycool und die Daaamn $on Parties zum Beispiel hat sich das auch Soundmäßig damals über das ganze Südstaaten-Ding voll verwoben. Ich mach gerade ein bisschen was mit AlphaMob und komme regelmäßig zum chillen her. Ich denke das bleibt dabei. Das Cornern ist vorzüglich und ich hab mittlerweile eine Reihe wichtig Homies bei euch. Was aktuelle Mucke aus Hamburg anbelangt: Hayiti, 187, Ace Tee, alles enorm stabil.

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Das Wu-Tang-Pizza-Tattoo auf seinem linken Oberschenkel beschreibt ganz gut seinen Charakter.

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