Ata Anat: „Wie kann man bei der Integration von Jugendlichen an ein anderes Genre als Hip-Hop denken?“

Rap for Refugees

In Anbetracht der momentanen, sehr aufgewühlten Lage in Deutschland ist es wichtig, Zeichen zu setzen. Das gilt für jeden Menschen, aber natürlich auch für komplette Subkulturen wie z.B Hip-Hop, der ja schon immer für starke Botschaften und das Ausdrücken von sich selbst stand. Außerdem stand und steht Hip-Hop für die Akzeptanz all derer, die den Schritt hin zu dieser Kultur machen, unabhängig von ihrem Herkunftsland. Genau dieser Gedanke ist die Basis für Rap for Refugees, einer wohltätigen Veranstaltung zu Gunsten von Flüchtlingen, die so die Möglichkeit bekommen, sich mit Workshops in den Bereichen Graffiti, DJ, Beatbox, Rappen und Breakdancen zu integrieren. Am 28.06(morgen!) findet Mittags der erste Workshop für 60 Flüchtlinge statt, welcher Abends mit dem Benefizkonzert abgerundet werden soll. Hier treten unter anderem Chima Ede, Disarstar, Reeperbahn Kareem oder BOZ auf, die für den guten Zweck Gagefrei die Markthalle zum beben bringen werden. Die Einnahmen gehen an „basis & woge e.V“, wo das Geld zur Hilfe weiterverwendet wird. Tickets findet ihr hier. Wir haben uns außerdem mit Ata Anat unterhalten, dem Mann, der das Projekt ins Leben gerufen hat. Wieso er gerade Hip-Hop als eine so gute Integrationsmöglichkeit sieht, erfahrt ihr unten.

Die Hohe Fünf mit Ata Anat

1. Wieso gerade Hip-Hop als Integrationshilfe?

Weil es eine international zu verstehende Sprache und Ausdrucksform ist, das nahezu alle jungen Menschen erreicht und berührt. Ein Ventil, um sich selbst zu zeigen, aber auch ein Weg, Stärke, Selbstbewusstsein und Hoffnung zu erlangen.

2. Wie kam die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Sponsoren zu Stande? Ist es durch die oft eher negative öffentliche Meinung schwerer, Sie für Hip-Hop zu mobilisieren?

Hierbei ist es wichtig zu betonen, dass wir komplett auf „Finanzsponsoren“ verzichtet haben, um von der Kommerzialität wegzukommen und die Authentizität des Projektes beizubehalten. Klar, es gibt Getränkehersteller, die uns die Getränke stellen, was die Jugendlichen Geflüchteten am Nachmittag und am Abend trinken können, aber finanziell haben wir nichts mit rein genommen. Das Projekt soll Offenheit und Gemeinschaft darstellen, das bedeutet für mich Zusammenarbeit an allen Ecken. Es ist sicherlich nicht gängig, dass Veranstalter mit diversen Vereinen oder Organisationen gleichzeitig arbeiten, aber bei solch einer wichtigen Thematik ist es unumgänglich. Somit haben wir es geschafft alle Workshops vollzukriegen, diese mit den passenden Coaches zu besetzen und somit das ganze Konzert zu realisieren. Zum Anderen war mir wichtig, die Verantwortung für das ganze Projekt den Gästen und Spendern in die Hand zu legen. Durch sie wird erst die Realisierung möglich. Hip Hop dient hier auch als Helfer. Die meisten, die sich nicht wirklich damit beschäftigen, für diese ist es nicht ganz nachvollziehbar, warum unbedingt dieses Genre gewählt wurde. Aber meines Erachtens stellt sich diese Frage nicht, sondern eher, wie kann man überhaupt an ein anderes Genre denken, wenn man junge Menschen erreichen will?

3. Wie schwer ist es, Künstler davon zu überzeugen, ohne Gage aufzutreten?

Es ist ist sicherlich nicht leicht. Aber es hat oftmals eher den Eindruck gemacht, dass es nicht die Künstler sind, die da abblocken, sondern die Bookingfirmen. Man kann aber auch vieles verstehen. Bei den vielen Anfragen für irgendwelche Benefizkonzerte, wo dann natürlich auch Kosten für die Künstler entstehen. Dennoch denke ich mir, dass für viele gerade diese Thematik enorm wichtig sein sollte. Dieses Mal hat es mit einem guten Mix aus Newcomern und etwas etablierteren Künstlern geklappt. Ich denke sobald die Künstler sehen, was für ein nachhaltiges Potential dahinter steckt, und wie professionell wir trotz der wenigen Mitteln arbeiten, wird sich auch einiges in Bezug auf die kommenden Konzerte ändern. Auch jetzt hatten ja viele große Namen Lust darauf, wo es dann wirklich nur an Kleinigkeiten gescheitert ist. Wie z. B. die Terminänderung, was unausweichlich war. Dennoch einen riesen Dank jetzt schon an alle Künstler, die das Projekt unterstützen und oftmals sogar von sich aus gesagt haben, dass sie nur mitmachen, wenn es keine Gage gibt, damit es auch „echt“ ist.

4. Wieso gerade in Hamburg? Aus logistischen Gründen, oder gibt es da einen tieferen Grund für?

Das Projekt sollte eigentlich in Dortmund realisiert und begonnen werden. Durch meinen Umzug im letzten Jahr im November nach Hamburg wurde es dann erstmal auf Eis gelegt. Dennoch wollte ich nicht lange warten und habe mir vorgenommen es vor dem Sommer noch zu realisieren.

5. Wie wünscht du dir, geht es in Zukunft mit Rap for Refugees weiter? Hoffnungen, Ziele?

Rap for Refugees soll langfristig und vor allem nachhaltig als eingetragener und gemeinnütziger Verein, durch die Kunstform „Hip Hop/Rap“, für eine bessere Integration der jungen Flüchtlinge sorgen. Die Sparten sollen dabei „Workshops für junge Geflüchtete (DJing, Rap, Beatbox, Streetdance, Graffiti)“ und „Benefizkonzerte sein, wobei die Konzerte als Bühne für die Workshopergebnisse, aber auch für Newcomer und größere Künstler dienen sollen. Die Benefizkonzerte sollen einmal jährlich in Hamburg und 1-2 Mal in anderen Städten in Kooperation mit einer lokal ansässigen Flüchtlingsorganisation stattfinden. Inwiefern wir das Netzwerk für die koordinierten Workshops bundesweit ausweiten können, werden wir noch sehen. Demnach alles step by step…

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