Rap Kitchen – „Quinoa-Salat ist ja nicht weniger cool oder hart als Spareribs“

Auch wenn einem beim Wörtchen „kochen“ nicht sofort deutsche Rapper in den Sinn kommen, liegen Hip-Hop und Herd doch näher bei einander, als man denkt. So überbietet Sido beispielsweise seinen Tourkoch mit seinen selbst gemachten Rouladen und Chakuza ist ausgebildeter Koch. Außerdem gewann er Kochwettbewerbe und war  Küchenchef in Österreich. Die beiden sind aber keine Einzelfälle. Vielen Rappern ist es wichtig sich auf anstrengenden Touren gesund zu ernähren und sich fit zu halten. In dem Buch „Rap Kitchen: Rapper kochen“ bittet Autor Johann Voigt, der unter anderem als Autor für BACKSPIN und Juice geschrieben hat, Schwergewichte der deutschen Rapszene in die Küche. Er möchte herauszufinden, wie Deutschlands Rapper essen und kochen.

20 Rapper und ihre Rezepte

Bildlich untermalt wurde das Ganze von Emil Schramm, ein erfahrener People- und Foodfotograf. Er hat für das Format „Ohne Worte“ unter anderem Mike Shinoda, Trettmann und Desiigner vor der Linse gehabt. „Rap Kitchen“ nimmt euch mit auf eine kulinarische Weltreise. Es geht von der Fleischmafia auf Kuba über paradiesische Inseln in Thailand bis hin zu geköpften Hühnern in Ghana. In dem Buch tauschen 20 Rapper, darunter Sido, Chefket, Prinz Pi und Haiyti, Mic mit Schürze und stellen euch 60 Rezepte vor.  gewürzt mit Anekdoten, Tourgeschichten und persönlichen Essens-Vorlieben. Am 8. September ist das Buch erschienen und anlässlich dazu haben wir uns mit Autor Johann Voigt unterhalten.

 

(Fotograf Emil Schramm und Autor Johann Voigt)

 

Wie kommt man auf die Idee ein Deutschrap-Kochbuch zu machen?

Die Idee zum Buch hatte der Fotograf Emil Schramm. Er hat für die Backspin-Serie „Ohne Worte“ viele Rapper fotografiert und einige Jahre die Website Rap-Ist.net mitbetrieben. Er ist in der Szene also ganz gut vernetzt. Außerdem fotografiert er viel für Food-Magazine und hat schon einige Kochbücher veröffentlicht. Es lag dann relativ nahe, Rap und Kochen mal in einem Buch zu verbinden. Ich bin als Autor erst später dazugestoßen.

Wie kann man sich eure „Recherche“ hinter „Rap Kitchen“ vorstellen?

Vor den ersten Treffen mit Rappern habe ich noch ähnlich ausführlich recherchiert, wie vor journalistischen Interviews. Ich habe aber schnell gemerkt, dass das gar nicht nötig ist. Ein Grundwissen über die Musik und die Karrieren aller Künstler hatte ich ohnehin – nach eineinhalb Jahren in der Redaktion des Juice Magazins weiß man ja zwangsläufig ganz gut über die wichtigen Vertreter der Szene bescheid. Wir haben uns dann einfach mit den Rappern zum Kochen oder zum Essen getroffen und uns mit ihnen währenddessen unterhalten. Das war alles sehr ungezwungen, entspannter, als bei normalen Interviewsituationen und dadurch haben viele Künstler Geschichten erzählt, die sie sonst vielleicht nicht auspacken würden. Ich musste dann eigentlich nur an den richtigen Stellen nachhaken und Emil hatte die ganze Zeit die Kamera dabei.

Mal Hand aufs Herz – Welche Rapper standen für das Buch wirklich hinterm Herd?

Gekocht haben für uns Chefket, Mauli und Manny Marc & Tai Jason.

Wie häufig passt die Ernährung zum Image der Rapper?

Es kommt darauf an, was man mit den jeweiligen Images verknüpft. Ich halte es zum Beispiel für ziemlich kurz gedacht, harte Straßenrapper automatisch mit irgendwelchen Fleischbergen in Verbindung zu setzen. Die Vermutung stimmt jedenfalls nicht, warum auch? Quinoa-Salat ist ja nicht weniger cool oder hart als Spareribs. Die meisten Rapper ernähren sich, das war auffällig, ziemlich gesund oder zumindest bewusst. Egal, was für Musik sie machen.

Fallen dir ein paar Gemeinsamkeiten zwischen Rappern und Köchen ein?

Dafür kenne ich mich zu wenig mit Köchen aus. Aber eine Gemeinsamkeit ist vielleicht die kreative Leistung, die Köche erbringen, wenn sie Rezepte entwickeln und Rapper, wenn sie Texte schreiben. Chakuza, der in einer Kochschule gelernt und in einem gehobenen Restaurant gearbeitet hat, hat das professionelle Kochen ja zum Beispiel wegen der Musik aufgegeben. Beides sind ziemlich zeitaufwendige Leidenschaften. Das ist vermutlich die größte Gemeinsamkeit.

 

Hier könnt ihr euch „Rap Kitchen“ bestellen und die Rezepte gleich ausprobieren.

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