Sierra Kidd: „Heute geht es definitiv nicht um Sierra Kidd. Heute geht es um das Teamfucksleep.“

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Als Rap-Deutschland durch den Song „Kopfvilla“ auf den damals gerade mal 16- jährigen Sierra Kidd aufmerksam wird, präsentiert sich der gebürtige Emdener in Interviews emotional und zurückhaltend – ja, fast schon in sich gekehrt. Heute, ganze vier Jahre später, ist von dem schüchternen Jungen auf den ersten Blick wenig übrig geblieben. Nach den Mixtapes „Kidd of Rap: Kill It“ und „FSOD“ veröffentlichte Sierra am 9. Juni „Rest In Peace“- sein zweites Album, auf dem der mittlerweile 20-Jährige auch auszuteilen weiß und das im Gegensatz zum LP-Debüt „Nirgendwer“ über das selbst gegründete Label Teamfucksleep erscheint. Gefeiert wird das neue Release eine Woche nach Veröffentlichung beim Fucksleepfest im Musikzentrum Hannover. Neben Auftritten seines engen Umfelds gibt es Foodtrucks, exklusives Festivalmerch, einen MTAS-Stand sowie die Möglichkeit, sich tatoowieren und piercen zu lassen. Wir haben uns mit Sierra Kidd getroffen, um mit ihm über sein erstes kleines Festival zu sprechen.

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Wie kam die Idee für das Fucksleepfest zustande?

Wir wollten einfach einen Tag im Jahr für uns haben – für mich, alle meine Homies und die Fans. Es ging uns einfach darum, einen Tag richtig auf die Kacke zu hauen, und den Fans dabei die beste Zeit zu ermöglichen, die possible ist. Es sollte kein einfaches Konzert sein, sondern du bekommst Essen, nice Klamotten und so. Es geht hauptsächlich um den Communitygedanken, der dahinter steckt, nicht um den Liveeindruck einer Sierra Kidd– Show. Sondern darum, einen Tag mit dem Teamfucksleep zu verbringen – der krassesten Fanbase, die es unserer Meinung nach gibt.

Das Line-Up ist sehr familiär gehalten. Magst du kurz zu den Künstlern, die auftreten, jeweils ein paar Worte sagen?

40 Crowns ist ein Homie von Rapsta, den er mir gezeigt hat und um den er sich kümmert, so ähnlich wie bei Mena und mir. Er versucht ihn einfach zu pushen und einen Eintritt ins Game zu ermöglichen und ich möchte den Jungs einfach, so gut wie es mir möglich ist, helfen. Das sind einfach independent Jungs wie wir, die einfach ihren Shit machen, um irgendwie der Nachwelt etwas zu hinterlassen. Rapsta ist einfach ein jahrelanger Freund im Business und wir reden immer viel miteinander, wenn es mal schwer ist.

Mena ist eigentlich selbsterklärend, wenn man Sierra Kidd kennt. Der wohnt halt mit mir und macht mit mir Mucke. Ich helfe ihm, dass er sein Leben auf die Reihe kriegt und er mir genauso. Wir passen also einfach gegenseitig auf uns auf. Das kann man eigentlich auf jeden projizieren, der spielt, auch auf Mokuba und Felikz & Jalle. Das sind alles meine Brüder. Wir haben halt gecheckt, dass in diesem Business einem sonst niemand etwas Gutes will. Jeder ist immer auf irgendetwas aus. Wir sind einfach ein Kollektiv, das sagt: Egal was ist, wir lassen niemals Geld unsere Freundschaft abfucken. Wenn morgen jemand von uns einen schlechten Tag hat, stehen wir für ihn ein. Ich würde mir für jeden von denen eine Kugel fangen!

Wer dich seit deinen Anfangen verfolgt, weiß, dass du häufig mit Eric (MTAS) zusammenarbeitest, der ja auch die erste TFS-Kollektion designed hat und heute als Co-Headliner mit dabei ist. Was macht die Zusammenarbeit mit ihm so besonders?

Ich habe einfach manchmal das Gefühl, dass Eric der einzige Typ ist, der in diesem Business noch ein Mensch geblieben ist. Der hat einfach noch so ganz normale Menschengedanken. Er ist einfach lieb und von Herzen her einfach sympathisch. Er will nie jemandem etwas Böses und macht einfach nur sein Ding. Das ist halt, was die Leute an ihm lieben, weißt du? Da sind wir beide uns auch eigentlich sehr ähnlich, auch wenn ich natürlich hier und da mal abgeschweift bin. Aber ich bin im Endeffekt auch einfach nur froh, heute dieses Konzert zu spielen, nachher bei meiner Familie zu sein und mich um sie zu kümmern. Mehr interessiert mich nicht. Ich will keinen Beef mit irgendwelchen Deutschrappern oder mich mit irgendwelchen Zahlen auseinander setzen.

So ein Event zum ersten Mal auf die Beine zu stellen ist sicher nicht einfach. Gab es irgendwelche organisatorischen Schwierigkeiten, die zu bewältigen waren?

Es war eigentlich alles unfassbar schwierig. Erst einmal soviele Künstler zu haben und das zeitlich zu regeln. Dann mussten wir gucken, wie wir die Leute beschäftigen, bevor die Show losgeht. Wir haben halt auch viele Camper, die schon Stunden vorher da sind, um ganz vorne mit dabei zu sein. Dann mussten wir die Foodtrucks und Trinken besorgen, aber gleichzeitig dafür sorgen, dass es nicht zu teuer wird. Es kommen da ja auch teilweise Kinder mit ihren großen Brüdern und Schwestern. Es war schon alles scheiße stressig. Ich werde sowas zwar definitiv nochmal machen, aber auf keinen Fall so schnell. Ich glaube, ich brauche jetzt erstmal so drei Monate Pause davon. Vor drei Monaten ging es mit den ersten Anrufen und Verträgen los und seitdem haben wir uns bis heute jeden Tag damit beschäftigt. Wir haben halt auch noch den Extraspaß mitgemacht und die Tickets selbst designed und so weiter. Aber das ist halt dann auch am Ende, was es ausmacht.

Abschließend: Welche Erwartungen hast du an das Fucksleepfest?

Es geht einfach nur darum, eine Menge Spaß zu haben, dass die Fans die neuen Songs einmal live gehört haben und so ein bisschen ahnen können, in welche Richtung die Tour gehen wird. Und natürlich, dass wir uns einfach alle mal wiedersehen. Es geht gar nicht so sehr um die Musik. Wenn du irgendwas mit uns zu tun hast oder uns feierst, dann siehst du heute einfach jeden. Gefühlt jeder, mit dem ich mal zu tun hatte, ist hier und das ist einfach wunderschön. Und wenn du einen der Künstler vielleicht nur aus Musikvideos von uns kennst oder dich noch nicht mit ihnen beschäftigt hast, dann bekommst du hier ein erstes Bild von denen. Heute geht es definitiv nicht um Sierra Kidd. Heute geht es um das Teamfucksleep. Das ist das Motto. Ich habe auch keine übertriebene Show oder übertrieben viele neue Songs, die ich zeige. Das Fucksleepfest ist einfach dazu da, dass ich und meine Jungs zusammen mit den Fans eine geile Party verbringen können, bei der wir uns alle wiedersehen und zusammen die Mucke pumpen. Es ist keine makellose Popshow mit einstudierter Choreographie, gar nicht!

Rest in Peace“ von Sierra Kidd kannst du hier kaufen!

In Kürze folgt noch ein „BACKSPIN Unterwegs“ Bericht vom Festival!

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Seit seinem Praktikum 2014 neben dem Studium der Medienwissenschaft für die BACKSPIN als Autor tätig, seit 2000 bereits von der Marshall Mathers-LP auf Ewig verdammter Hip-Hop-"Stan".

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