MC Särre: „Momentan habe ich das Gefühl, dass Rap weltweit an einem Übergangspunkt ist.“

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Mit „Syntymäpäivät Mukana Stepa Ja Aksim“ kannst du genauso viel anfangen, wie mit „Dängä Dängää“? – Zeit das zu ändern. Die so fremdwirkende, wilde Aneinanderreihung von Buchstaben sind finnische Songtitel. Genauer gesagt handelt es sich bei den Phrasen um Titel der finnischen Rapformation Loost Koos. Ihr Sound ist an Boom-Bap angelehnt und basiert auf Samples aus den verwandten Genres Soul und Jazz. Das Gesamtkonzept klingt stellenweise wie eine suomi Version von Fettes Brot, in ihrer „Auf einem Auge blöd“-Zeit. Seit 2002 hat das Trio bis 2013 jährlich, abgesehen von zwei Ausnahmen, Alben veröffentlicht, die durch die Bank weg an den Neunziger Jahre Hip-Hop angelehnt sind. Ein Drittel von Loost Koos bildet der in Helsinki wohnhafte MC Särre, der in diesem Jahr eine Solo-Platte auf den Markt gebracht hat. Neben seinen musikalischen Tätigkeiten als Rapper und Produzent ist er Chefredakteur des Online-Magazins „Basso Media“ und betreibt eine eigene Plattenfirma, die den Titel „Rutilus Records“ trägt. Särre, der mit bürgerlichen Namen Miika Särmäkari heißt, gehört mit Loost Koos zu etablierten Artists im finnischen Hip-Hop. Der mittlerweile 33 Jährige hilft uns durch seine Sicht der Dinge etwas auf die Sprünge, um dem exotisch klingenden finnischsprachigen Rap eine Chance zu geben. Einen Überbrlick über die Rap-Szene in dem nordeuropäischen Land, findest du hier. Das Interview führte Niko (Head of BACKSPIN) im Rahmen der Music & Media in Tampere, Finnland.

Die Hohe fünf mit MC Särre

Wo hat finnischer Hip-Hop seine Ursprünge?

Ich glaube der finnischer Hip-Hop hat mehrere Ursprünge. Ein Teil kommt definitiv aus der Graffiti-Szene. Die Leute aus der Szene reisen viel umher und können Leute kennenlernen, in Russland, Europa und bringen Einflüsse und Eindrücke aus deren Szene mit. Dann zieht die DJ-Kultur und dann die MC-Kultur nach. Ich glaube so ist in etwa die Entwicklung. Schon in den Achtzigern konntet man finnische Graffitikünstler an den verschiedensten Orten antreffen. Aber auch die Vororten und Immigranten in der Zeit haben damit zutun, sie haben viel neues mitgebracht und hatten somit einen großen Einfluss.

Was war der typische finnische Rap-Sound in den Anfängen?

Der häufigste Sound war der New York Boom-Bap Sound, der in den späten Neunzigern und den frühen Nuller Jahren den Mainstream-Sound ausgemacht haben. Erst später hat man dann den Westcoast-Einfluss gespürt und auch die Southern und Clubmusic-Einflüsse.

Wie war der finnische Hip-Hop in seinen Anfängen für dich?

Er war sehr speziell. In den späten Neunzigern wurde ich von einer Gruppe aus Helsinki namens Ceebrolistics, die zum  Murmurrecordings Kollektiv gehören, beeinflusst. Die Gruppe ist zum Networking nach L.A. geflogen und war dort im Untergrund, auf Battles, unterwegs. Dort haben sie diesen schnellen Stil des Rappens, Chopping, aufgegriffen und haben diesen Stil mit nach Finnland gebracht. Dadurch haben sie sich von allen anderen Künstlern im Land abgehoben und diese Art des Rappens hier etabliert. Das waren sehr große Einflüsse für mich.

In welche musikalische Richtung würdest du Loost Koos einordnen?

Es gab grob gesagt zwei Kategorien. Es gab da diese Rapper, die um jeden Preis auch Rapper sein wollten. Sie hatten Durags und all diesen Krams, das war einfach nicht real. Und dann gab es dort diese poetischen Rapper. Wir wollten einfach nicht zu einer dieser beiden Kategorien gehören.

„Wir wollte das neues machen, wir haben es mit Crossover versucht.“

Wir haben Jazz, Reggae und Soul gesamplet, um neuen Hip-Hop zu kreieren. Hauptsächlich wollten wir aber einfach Spaß haben. Wir hatten eine witzige, aber auch eine melancholische Seite. Unsere Musik kann man als Samplebased, Discoly, Funky, Jazzig beschreiben.

Die finnische Rap-Szene ist mittlerweile in zwei Generationen gespalten. Wie grenzt sich die neue, von der alten Generation ab?

Das Produktionslevel ist angestiegen und das Reimlevel hat sich weiterentwickelt.

Momentan habe ich das Gefühl, dass Rap weltweit an einem Übergangspunkt ist.“

Die Szene ist  sehr groß geworden. Es gibt so viele Rapper auf einmal, man kennt sie gar nicht alle und viele interessieren auch einfach nicht. Einerseits regt es mich auf und andererseits ist es auch cool. Hip-Hop hat einfach keine Regeln.

„Das Internet hat wirklich viel verändert.“

Wir haben uns früher darüber Gedanken macht, wie wir klingen wollen und wie wir unseren eigenen Stil entwickeln wollen und heute ist es vielen einfach egal. Sie wollen einfach nur Rapper sein.

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