Elastinen: „Es ist einfach ehrliche Musik, die von finnischen Leuten handelt.“

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    Fotocredit: Jere Hietala

Von wahrhaftigen Rap-Legenden zu sprechen ist immer mit viel Diskussion, Auslegungssache und subjektiver Meinung verbunden. Im Fall von Elastinen ist diese Titulierung aber durchaus angebracht. Der mittlerweile 35 Jährige Rapper, der mit bürgerlichen Namen Kimmo Ilpo Juhani Laiho heißt, hat mit Fintelligens, bestehend aus ihm und seinem Kollegen Iso H., nicht nur das Fundament für die finnische Rapszene gegossen, sondern sie auch zementiert. Elastinen, was übersetzt so viel wie elastisch heißt, ist seit Ende der Neunziger Jahre in der Szene des rund fünf Millionen Einwohner starken Landes tätig und ist seither Wegweiser für die musikalische Ausrichtung der Szene. Zusätzlich übt der Allrounder weitere, mindestens so wendige und flexible, Tätigkeiten aus, wie sein Künstlername verspricht. Neben dem Rappen, als Solo-Act, oder als Teil von Fintelligens, ist er einer der Gründer von dem finnischen Indiependent-Lable Rähinä Records, das mittlerweile das viertgrößte in dem nordischen Land ist. Außerdem ist er als Musikproduzent, für seine eigenen Werke und für andere Artists verantwortlich. On Top ist Elastinen auch noch im TV-Bereich tätig, als Coach bei der nationalen Ausgabe von „The Voice of Finnland“ und seiner eigenen Sendung „Elastinen feat.“, bei der er zusammen mit Pop-Artists zwei Tage Zeit hat, um einen Kollabo-Track auf die Beine zu stellen. Mit dem finnischen Rap-Urgestein haben wir also genau den Richtigen gefunden, um die Szene aus seiner Perspektive näher kennenzulernen. Für einen Überblick über die finnische Rap-Szene gibt es hier die wichtigsten Eckdaten. Das Interview führte Niko (Head of BACKSPIN) im Rahmen der Music & Media in Tampere, Finnland.

Die Hohe fünf mit Elastinen

Fintelligens wird als der Anfang einer neuen Ära betitelt. Was hat das zu bedeuten?

Wir hatten im finnischem Hip-Hop den ersten Major-Label Erfolg überhaupt. Von da an haben Major-Labels weitere Deals rausgehauen. Viele wurden unter Vertrag genommen, die Kultur boomte für knapp zwei Jahre. Überall war finnischer Hip-Hop, jeder hat neue Sachen releast – es war wirklich ziemlich cool. Finnischer Hip-Hop war zu dieser Zeit echter Hip-Hop. Selbst die kommerziellen Sachen waren richtiger Backpack-Rap. Die Kultur startete hier erst langsam durch. Es wurden einfach alle Dämonen die wir erschaffen hatten releast. Dann in 2003/4 passiert irgendwas und die Hip-Hop Blase platzte einfach. Alle Major-Label haben ihre Rapper plötzlich  fallen lassen. Es ist schwer zu sagen was der Grund dafür war. Das war der Punkt als wir unser eigenes Label, Rähinä Records, eröffnet haben.

Wie hat sich der Sound vom finnischen Rap gewandelt?

In den 2000ern waren wir immer noch in diesem Boom-Bap Sound aktiv. 2006 habe ich den ersten uptempo Track veröffentlicht. Es war kein Techno, aber einfach ein schnellerer Beat. Das öffnete einige Türen und die Musik wurde offener. Ich habe viel mit dem Sound herum experimentiert und habe so den Trap-Sound in den finnischen Rap gebracht. Der meiste kommerziell erfolgreiche Hip-Hop momentan ist „synthetic Stuff“. Ich bin als Musiker im Laufe der Zeit gewachsen, da ich mich von vielen Sachen beeinflusst haben lasse. Ich bin aber ein Fan von Hip-Hop im Allgemeinen. Ich höre mir alles an, das auf den Markt gebracht wird. Von den neuen Sachen liebe ich zum Beispiel die Musik von Young Thug. Ich entscheide mich in dem Fall für keine Seite.

„Ich liebe hardcore Boom-Bap Tracks, ebenso wie andere Musik. Ich bin generell von Musik fasziniert.“

In welche Richtung ist der finnische Rap thematisch ausgerichtet?

Rap ist immer über uns normale Leute, die Hip-Hop machen. Es gibt zum Beispiel nicht diesen Gangsta-Rap. Damit will ich nicht sagen, dass Rap in Finnland soft ist. Es ist einfach ehrlich Musik, die von finnischen Leuten handelt.

„Gangsta-Rap kommt nicht zustande, weil wir hier einfach nicht diese sozialen Probleme haben, wie zum Beispiel in Paris. Finnischer Rap wurde und wird von den Szeneleuten gemacht.“

Wieso ist Rap in Finnland momentan so erfolgreich?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich da nur Spannung aufgebaut hat. In anderen europäischen Ländern, Frankreich zum Beispiel, ist der Gipfel sozusagen schon erreicht worden. Das waren die guten alten Zeiten – Die gab es in Finnland auch schon vor längerer Zeit. Aber der Erfolg kam hier einfach später, als in den anderen europäischen Ländern.

Was hast du in der nahen Zukunft vor?

Im Herbst gehe ich auf Tour und danach fordere ich mich selbst heraus, um einen neuen Sound für mich zu finden. Ich versuche also alles Alte abzulegen und mich neu zu erfinden. Viele Leute sagen mir, dass ich wieder Boom-Bap Sachen machen soll. Aber ich selbst muss mich erstmal finden, weil ich mir nicht sicher bin, was im Studio heraus kommen wird. Ich werde erstmal einige Instrumente ausprobieren und mich inspirieren lassen. Aber ich merke wirklich, dass es für mich an der Zeit ist mich nach 12 Alben einfach selbst herauszufordern, damit ich mich neu und frisch für mich selbst fühle. Sie warten auf mein neues Album und was auch immer kommt, sie werden es mögen, oder nicht. Darum muss es in erster Linie für mich einfach real sein.

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Meine Mehr- oder Wenigkeit heißt Anna. Ich bin hier, um straight aus dem Gangstarap-Richterstuhl mein Urteil fällen zu können.

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