Playboys: „Wir hatten Spaß bei der Vorstellung, den Spieß einmal umzudrehen und zu schauen, was dabei entsteht.“

playboys-kalender_bild-1_1200_web

Fotocredit: Ulrike Delfs

Makellose Frauenkörper, die mit bunten Bildern, schwarzen Schriftzügen oder anderen Illustrationen versehen wurden, finden sich nicht nur auf sozialen Netzwerken und spezifischen Websites ein, sondern zieren die Cover diverser Magazine, oder füllen als Fotografien deren Seiten – Das Ganze unter dem Prädikat Graffiti on Girls. An ein paar Berliner Writerinnen ist dieser Trend nicht einfach nur vorbeigezogen, sie haben ihn aufgegriffen und einer eigenen Signatur unterzogen. Im Rahmen des „Playboys Kalender“ wurden Writer à la Graffiti on Boys abgelichtet. Es entstand eine Fotoserie, die Writer aus der Haupstadt in ihrer Materie präsentiert. Zu sehen gibt es viel nackte Haut, verziert mit Graffitis von Berliner Sprüherinnen und die breite Facette an männlicher Unterwäsche. Ende November wurde im Urban Spree in Berlin bereits das Release des Kalenders gefeiert. Im kommenden Jahr können die zwölf Bilder dann den jeweiligen Monat in voller Gänze untermalen. Wir haben mit Chika und Since von den Playboys das Projekt näher beleuchtet.  

Die Hohe fünf mit den Playboys

Welche Intention liegt dem Playboys Kalender zu Grunde?

Chika: Vor vielen Jahren, als Bodypaint auf Frauen und Mädels immer mehr publik wurde, habe ich mir dabei schon gedacht: Was für ein Megascheiß! Irgendwann konnte man ja nicht mehr die Augen davor verschließen, da in und auf fast jedem Graffiti-Mag/-Buch/-Internetseite die Modelle breitbeinig einem fast entgegenspringen. Ich habe daher begonnen die Sache für mich selber zu hinterfragen und eine passende Antwort darauf gefunden. Mit Since, welche ich durch ihr Projekt „Sammlung“ kennengelernt habe, fand ich eine wunderbare Partnerin, welche meinen Standpunkt und meine Idee gleichermaßen verstand und vertritt. Mit ihr wurde aus der Flipps-Idee ein handfestes Projekt. Und eines stand für uns fest:

„Wenn als Hintergrund Fleisch angeboten wird, dann soll es für uns männlich sein. Jeder sollte sich selber mal fragen, was für eine Debatte entstehen würde, wenn man statt Frauen oder Männer, Tiere oder Menschen mit jeglichen Handicaps vor die Kamera gezerrt hätte.“


playboys-kalender_bild-2_1200_web

Fotocredit: Ulrike Delfs

Was wollt ihr mit dem Projekt erreichen?

Chika: An dieser Stelle möchte ich jedem Betrachter Raum für eigene Interpretationen lassen. Aber Fakt ist eines: Ich persönlich sehe das Projekt in keiner Weise als ein feministisches an. Meine privaten Intentionen liegen ganz woanders und jede Frau, welche uns in dem Projekt unterstützt hat, findet ihre eigenen Gründe. Der Kalender steht für eine Menge Lachanfälle, Auslachen, Belachen, Anlachen, bishin zur Lächerlichkeit und genau das IST es auch!

Since:

„Wir hatten Spaß bei der Vorstellung den Spieß einmal umzudrehen und zu schauen, was dabei entsteht.“

Oder anders, wenn es Graffiti auf Frauen gibt, dann doch bitte auch auf Männern! Nur nehmen wir uns dabei nicht so ernst.

Wie sah die Umsetzung der Kalender-Konzeption aus?

Chika: An drei vollgestopften, gut durchgeplanten Tagen, haben wir alle 12 Bilder im Kasten gehabt. Es war von Anfang an klar, dass es das Format „Kalender“ wird.

Since: Da wir Fulltimejobs haben, war es teilweise eine planerische Höchstleistung alle und alles unter einen Hut zu bekommen. Wir haben uns aber gut aufstellen können und dann einfach durchgezogen. Die Modelle waren 1a am Start und haben gut mitgearbeitet. Die Treffen begannen mit vier bis fünf Stunden Körperbemalung und darauf folgten nochmal drei bis vier Stunden Fotoshootings. Hammer anstrengend, aber ein großes Halligalli! Gerade die Yard-Szenen waren sehr bizarr und lustig.

playboys-kalender_bild-3_1200_web

Fotocredit: Ulrike Delfs

Wie war die Reaktion in der Graffiti-Szene zu eurer Idee?

Chika: Ich persönlich habe es wenigen Leuten vorab auf die Nase gebunden und im Nachhinein kann man es sowieso nicht ändern. Da Since für den Großteil der Akquise verantwortlich war, kann ich nur von meiner Warte aus sprechen und sagen, dass die Resonanz eher ausgewogen war.

„Es ist ein Projekt, was die Leute anspricht, die sich nicht für allzu wichtig nehmen und gerne auch mal über sich selber lächeln können.“

Hobby und Spaß statt Lebensinhalt und Krampf! Außerdem kann man es nie allen recht machen.

Since: Insgesamt sehr gut – Gerade auch auf der Release-Veranstaltung im Urban Spree. Dort bekamen wir viel Zuspruch und alle fanden es super. Einfach ein gelungenes Projekt, dass gute Laune macht.

„Im Netz gab es allerdings einige homophobe Postings.“ 

Habt ihr für die Zukunft mehr derartige Entwürfe?

Chika: Erstmal nicht. Wir haben beide einen Vollzeitjob und da bleibt wenig Zeit für solche Projekte – Leider!

Since: Ich kann mir gut vorstellen, dass da noch was kommt. Ob es wieder so kontrovers sein wird, weiß ich noch nicht.

Der „Playboys Kalender“ ist hier erhältlich.

The following two tabs change content below.
Meine Mehr- oder Wenigkeit heißt Anna. Ich bin hier, um straight aus dem Gangstarap-Richterstuhl mein Urteil fällen zu können.

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.