Biniyam: „Teil der finnischen Hip-Hop-Szene wollte ich so eigentlich nicht sein.“

Biniyam

Biniyam

Geradliniger Rap auf mal dröhnenden Elektrobeats und mal liebevoll ausgewählten Samples sind seine Trademark. Klänge, die an derzeit erfolgreich US-amerikanische Rapgrößen erinnern sind in diesem Fall aber ganz und gar nicht diesem Land zuzuordnen – sie stammen aus Finnland. Im Alter von 18 Jahren hat Biniyam mit der nach ihm benannten „Biniyam“ EP sein Debüt hingelegt. Nun, zwei Jahre später, ist der Rapper und Produzent, mit deutschen und äthiopischen Wurzeln, in der finnischen Musikszene verankert. Trotz der spürbaren Einflüsse aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, hat der Cocoa-Artist schon jetzt einen eigenen Sound entwickelt, den er nicht nur den Finnen aufs Auge drückt. Als Support von den US-Rappern Oddisee und Phonte konnte er bereits seine Live-Skills unter Beweis stellen und mit der Unterstützung von MTV Iggy einem größeren, Hip-Hop affinen Publikum präsentiert werden. All das bietet reichlich Ansporn, um Biniyam mal etwas näher unter die Lupe zu nehmen. Inwiefern der in Helsinki aufgewachsene Artist sich in die finnische Rapszene einordnen lassen kann und was überhaupt die finnische Rapszene ist, solltest du hier nachlesen. Das Interview führte Niko (Head of BACKSPIN) im Rahmen der Music & Media in Tampere, Finnland.

Die Hohe fünf mit Biniyam

Wie bist du zum Hip-Hop gekommen?

Zuhause bei uns lief immer Musik. Da war alles von Gospel, über Jazz bis Funk dabei und ich glaube Hip-Hop gab es auch ab und zu. So richtig bin ich aber erst durch meine Onkel zu der Musik gekommen, da sie mir viel Hip-Hop und Reggae gezeigt haben. Welcher Hip-Hop das genau war, kann ich aber nicht mehr sagen. Ich glaube es waren einfach irgendwelche Songs, die mir aber vom Sound her gefallen haben. In erster Linie waren das auf jeden Fall US-amerikanische Rapper.

Wie hast du mit dem Musizieren angefangen?

Es fing eigentlich damit an, dass mein Vater anfing Musik auf dem PC zu machen. Er hatte verschiedene Softwares, sodass ich selbst anfing damit etwas rum zu spielen. Da war ich etwa 12 oder 13 Jahre alt. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und erst daraufhin habe ich angefangen Texte zu schreiben. Ein, zwei Jahre später habe ich dann erst richtig mit dem Rappen angefangen.

Deine Lyrics sind auf Englisch. Glaubst du es ist schwierig auf Finnisch zu rappen?

Ich weiß es nicht, da ich es nie wirklich ausprobiert habe. Es unterscheidet sich auf jeden Fall stark vom Englischen, durch die Art der Wörter und den Aufbau der Sprache. Du kannst auf Englisch Dinge sagen, die du so im Finnischen nicht sagen kannst. Die Bedeutungen passen dann einfach nicht mehr überein.

War es ein Traum von dir Teil der finnischen Hip-Hop Szene zu sein?

Nein, nicht wirklich. In erster Linie habe ich die Künstler aus den USA verfolgt und deren Musik gehört. Ich habe immer zu diesen Künstlern hochgeschaut und wollte mit dem ein oder anderen eines Tages mal Musik machen. Aber Teil der finnischen Hip-Hop-Szene wollte ich so eigentlich nicht sein. Nach und nach wurde diese Musik dann aber doch für mich interessant, als ich ein paar finnische Rapper kennengelernt habe.

„Für mich war es aber sehr ungewohnt diese Musik zu hören. Ich kannte einfach keinen finnischen Rap, da ich mein komplettes Leben lang nur englischsprachige Musik gehört habe. Ich musste mich erst daran gewöhnen und lernen es zu mögen.“

Würdest du dich als Untergrund-Rapper bezeichnen?

Nein. Untergrund-Artists haben immer diese Mentalität: „Ich bin im Untergrund und ich bleibe hier für immer“. Sie können oder wollen dann zum Beispiel keine Pop-Elemente einbauen, weil sie eben Untergrund sind. Musik ist für mich Musik.

„Ich möchte da nicht so eingeschränkt sein und einfach gute Musik machen.“

Wenn ich sechzig bin, mache ich vielleicht Jazz. Hauptsache ich mache Musik, da muss es dann nicht zwangsläufig Rap oder Hip-Hop sein.

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