Hirntot: “Durch die Tour haben wir Blut geleckt”

Blokkmonsta: Wir haben auch gelernt, wie man miteinander agiert auf der Bühne. Bei jedem Auftritt weiß man etwas besser, wo man den anderen unterstützen muss oder wo man vielleicht auch einen Song aussetzen kann, weil der andere den im Schlaf hinkriegt. Mit diesen vier Dates sind wir ins kalte Wasser gesprungen und das war das beste, um sich auf die große Tour im Februar vorzubereiten, wo wir 13 Städte spielen werden. DJ Jim Tonic und Klimo haben uns auch sehr viel Input gegeben, was man verbessern kann. Welche Songs live gut für die Fans und für uns funktionieren, wissen wir jetzt auch. Für die Zukunft denkt man beim Schreiben jetzt natürlich auch darüber nach, wie man es schafft, dass ein neuer Song livetauglich ist.

Schwartz: Früher hatten wir ein kleines Hook-Problem. Ich sage mal so: Wir haben nicht unbedingt die krassesten Ohrwürmer geschrieben. Nils hat uns da wirklich viel geholfen, das hört man auch auf „HT100“. Gerade mich hat der wirklich in die Mangel genommen (lacht). Auf der Tour habe ich den Song „Gift und Galle“ von meinem kommenden Album performt, der eine ganz simple Hook hat. Vorerst dachte ich, die Hook sei vielleicht zu einfach. Live habe ich dann aber gemerkt, wie die Leute sofort darauf ausrasten.

Ihr habt aus den letzten zehn Jahren ein unfassbares Repertoire an Songs. Wie kann man sich die Auswahl des Sets vorstellen?

Blokkmonsta: Wir haben einen gesunden Mix erstellt, sodass jeder ein paar Solo-Songs performt. Da hat Nils uns gebeten, selbst auszuwählen, welche unserer Meinung nach am besten für die Live-Show geeignet sind. Nach den Brainstormings haben wir uns zusammengesetzt und das besprochen – am Ende haben wir so die 20 stärksten Songs zusammengestellt.

Rako: Für uns war auch wichtig, dass der Fokus dennoch auf dem „HT100“ Sampler bleibt. Die Solosongs waren so wichtig, um unsere einzelnen Charaktere darzustellen. Mit dem Set haben wir quasi unser Portfolio ausgepackt.

Schwartz: Die Set-Auswahl fand ich eigentlich gar nicht so schwer. Hört man die CDs durch, kriegt man schon ein gutes Gefühl. Stellt man sich zum Beispiel mein „Krieche aus der Tiefe“-Album vor, wird schnell klar, dass ich davon keinen einzigen Song live spielen kann. Das ist todeslangsam und viel zu düster, da schlafen alle ein. Unser Fundus ist zwar riesig, dennoch fiel uns die Auswahl nicht so schwer. Ein, zwei Nummern gab es, wo man länger überlegen musste. Zum Beispiel hätte ich echt gern „Groupie Freak“ gespielt, mein Rick James Cover, allerdings hätte der gar nicht ins Set gepasst.

Warum trug die Tour eigentlich den Titel „Nie daran geglaubt“?

Blokkmonsta: Vermutlich, weil wir selbst alle irgendwann nicht mehr daran geglaubt haben, dass diese Tour stattfinden wird (alle lachen). Nee, jetzt im ernst: Nach elf Jahren hätte man auch einfach drauf scheißen können. Es gibt so viele Künstler aktuell, die so viel mehr Leute ziehen. Im Grunde war das ein Experiment und es hätte sein können, dass es gar nicht funktioniert, eben weil wir das Touren all die Jahre so sehr beiseite gelassen haben. Die Resonanz war allerdings so krass, dass wir jetzt definitiv weitermachen müssen, völlig egal, ob ich Lampenfieber habe oder nicht.

Schwartz: Unsere Gruppendynamik wurde durch die Tour auch gestärkt. Wir haben drei Tage aufeinander gehockt. Privat haben wir ja sehr unterschiedliche Tagesabläufe und man sieht sich selten auf einem Haufen. Wir hatten so einen unglaublichen Spaß im Tourbus. Auf der Hinfahrt war ich schon heiser vom Lachen. Man entwickelt ein ganz anderes Crew-Feeling.

Nils: Prinzipiell sind wir ja sehr unterschiedliche Charaktere. Tolga (Rako, Anm. d. Vf.) redet zum Beispiel immer und ist auch immer laut. Ich bin jemand, der seine Ruhe braucht, besonders, wenn wir uns morgens um sieben Treffen. Am Ende des Tages hat man sich aber wirklich so sehr eingependelt, dass man sich auch mal den einen oder anderen Spruch geklemmt hat oder den anderen nicht noch einmal Missgeburt genannt hat (alle lachen).

Schwartz: Was natürlich auch das gute daran ist, dass die Tour erst jetzt stattfindet: Wir kennen uns alle schon extrem lange. Selbst Nils, der als letzter vor vier Jahren dazu gestoßen ist – man kann die anderen einschätzen und man respektiert die Grenzen. Es gab in diesem Sinne keinen einzigen Zwischenfall.

Ich bedanke mich für das Interview – habt ihr letzte Worte, die ihr loswerden möchtet?

Blokkmonsta: Wir freuen uns jetzt auf jeden Fall noch mehr auf die nächsten Auftritte. Jetzt haben wir Blut geleckt und wollen mehr davon. Im Februar geht es dann mit Ruffiction auf „Flaggen in die Luft“-Tour. Ich hoffe, dass wir dort die ganzen alten Gesichter sehen werden und natürlich auch neue.

Schwartz: Das wird ein ganz seltenes Phänomen, weil wir dann mit Ruffiction insgesamt sechs Leute sein werden mit sechs unterschiedlichen Stimmlagen. Oft hat man Posse-Songs, bei denen immer mindestens drei oder vier Leute ähnlich klingen. Wir bei Hirntot haben aber schon unterschiedliche Stimmen und die drei von Ruffiction unterscheiden sich auch total in der Höhenlage. Das wird ein Erlebnis.

Blokkmonsta: Außerdem ist die Fanbase total kompatibel, weil wir schon seit Jahren mit denen zusammenarbeiten. Die Fans merken, dass wir viel miteinander zu tun haben und thematisch passt es ja sowieso. Jeder, ein wenig aus dem Alltag entfliehen will und mit uns rumhängen will, der kommt bitte auf der Tour vorbei.

Nils: Zum Schluss muss ich noch etwas loswerden: Schwartz hat ein hörbares Album aufgenommen. Rako, sprich mal das Schlusswort jetzt.

Rako: Frieden!

The following two tabs change content below.
Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

Seiten: 1 2 3 4

Hanfosan

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.