Hirntot: “Durch die Tour haben wir Blut geleckt”

Rako: Ich bin mit viel schlimmeren Erwartungen an die Tour gegangen. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich nicht gedacht, dass Blokk es so gut hinbekommt. Er hat mich da echt positiv überrascht.

Sobald ich auf einer Bühne stehe und ein Mikrofon in der Hand halte, bin ich wie ein Fisch im Wasser.

Auch die Fan-Resonanz war extrem gut. Man stimmt einen Part an und konnte das Mikrofon einfach in die Crowd halten, die dann den Rest gemacht hat. Ich wusste nicht, wie der Verlauf der Tour aussehen würde. Es war schwer, jedem gerecht zu werden. Man möchte sich viel mehr Zeit nehmen und mit jedem sprechen, das funktioniert bei 500 Fans aber leider nicht. Auf der Bühne hätte ich aber auch nicht gedacht, dass die Crowd-Momente so emotional werden. Das hat einfach Spaß gemacht. Klar bin ich mit dem Gedanken an die Tour gegangen, dass es cool wird, im Endeffekt war es aber dennoch um einiges besser als ich erwartet hätte.

Was waren die schönsten Fan-Momente, die ihr auf der Tour erlebt habt?

Blokkmonsta: Es gab viele schöne Fan-Momente. Bei einem früheren Fantreffen haben wir schon vor einiger Zeit einen Fan kennengelernt, der Benny heißt. Durch einen schweren Autounfall ist er querschnittsgelähmt. Beim Fantreffen haben wir seine Mutter und ihn zum Auftritt eingeladen und ihm einen Platz vor der Bühne zugesichert. Er ist wirklich gekommen und hat uns sogar noch Geschenke mitgebracht, weil er sich so gefreut hat. Auf der Bühne hatte ich ihn natürlich genau im Blick und zu sehen, dass er sich so freut, war echt schön. Das sind Momente, die geben einem Kraft. Seine Mutter hat auch geweint und uns gesagt, dass wir der Grund sind, dass er noch lebt. Das ist so eine krasse Ansage.

Rako: Wenn wir Songs veröffentlichen und dann über Social Media die Reaktionen darauf erhalten, ist das meist sehr emotional. Besonders natürlich, wenn Fans schreiben, dass unsere Musik ihnen durch bestimmte Situationen geholfen hat. Wenn du aber Leuten wie Benny gegenüber stehst und die dir sagen, dass deine Musik sie daran hindert zu denken, dass sie nichts wert sind und nicht mehr leben möchten, ist das das ultimative an Emotionen. Diese direkte Reaktion ist so schön, weil ich jedes Mal weiß: Es lohnt sich, diese Musik zu machen.

Schwartz: Bei der Benny-Geschichte kann ich zustimmen. Das ist vermutlich das emotionalste, was wir bisher erlebt haben. In Dresden kam unser Kameramann Klimo plötzlich auf die Bühne und hat mir etwas gegeben. Da hat mir ein Fan drei handgedrehte kubanische Zigarren geschenkt. Da habe ich mich auch sehr gefreut. Unsere Fans sind aber auch einfach angenehme Leute.

Blokkmonsta: Die sind auch untereinander echt cool. Manche kennen sich gar nicht, treffen sich dann und plötzlich chillen die zusammen und sind befreundet. Der Zusammenhalt ist da groß, da wird sich auch untereinander geholfen.

Diese Einheit, die unsere Fans bilden, gibt es bei vielen anderen Künstlern nicht.

In Berlin hatte ich Angst, dass die ersten zwei Reihen abgehen und der Rest einfach nur dasteht und guckt. Das beobachte ich oft, Berlin ist diese typische Gangster-Stadt, in der alle nur böse gucken und keiner zugeben möchte, dass er die Musik feiert. Da will jeder nur krasser sein als der andere. Bei uns ist aber jeder bis ganz nach hinten abgegangen.

Nils: Das liegt aber auch an zwei Faktoren. Zum einen haben wir keine Laufkundschaft. Wir haben Stammkunden, die sich alles kaufen und alles wollen, was wir haben und sind. Dann haben die auch noch gesehen, dass wir live wirklich alles geben – am Ende der Tour hatte keiner mehr eine Stimme. Das spüren die. Außerdem haben wir sie eingebunden, es gibt Show-Elemente, die die Fans mit auf die Bühne bringen.

Blokkmonsta: Deshalb legen einige von denen auch so krasse Strecken zurück. Teilweise fahren die 800km für ein Konzert. Die kommen nicht da hin, weil sie die Musik hören wollen. Die Musik gibt es auf CD oder im Internet ins super Qualität. Die gehen zur Show, weil sie uns in echt sehen wollen. Denen geht es auch darum, nach der Show noch kurz mit uns reden zu können, das ist wirklich wichtig für die. Deshalb haben wir uns ja auch immer versucht, die Zeit zu nehmen. Diese Fannähe hatten wir aber auch schon immer.

Im Februar geht ihr gemeinsam mit Ruffiction auf „Flaggen in die Luft“-Tour. Was nehmt ihr aus dieser ersten Tour für die Tour im Februar mit?

Schwartz: Ich habe jetzt ein Video von der Show in Münster gesehen, das war der erste Auftritt der Tour. Der erste Song fängt an, ich gehe auf die Bühne und gebe direkt 300%. Bei der Hälfte des Songs fiel mir dann ein, dass ja danach auch noch 20 Songs kommen (lacht). Das wurde aber von Gig zu Gig besser. Wären unseren Stimmen da noch in Ordnung gewesen, wäre Berlin das Optimum gewesen. Jedenfalls hat man deutlich gelernt, wie man mit Stimme und Energie haushalten sollte.

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Ist mittlerweile seit 3 Jahren bei BACKSPIN und hat die Leitung der Online-Redaktion inne. All ihre Fans sind maskuline Jungs, jaja.

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Hanfosan

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