Hip Hop meets Casino – Zwei dekadente Welten treffen aufeinander

Hip Hop meets Casino – Zwei dekadente Welten treffen aufeinander

In der Musikszene von Hip Hop wird kein Blatt vor den Mund genommen. Es gibt keine Tabus und keine Themen, die nicht besprochen werden. Während sich viele Künstler Themen wie Politik, Religion oder Gesellschaft als Vorlage für ihre Songtexte nehmen, wird gleichzeitig gerne über Luxus, Dekadenz und vor allem eines gerappt: Geld. Viele Rapper aus der Szene kamen nämlich aus armen Verhältnissen und haben es erst durch ihre Musik zu Reichtum gebracht und damit wird nur zu gerne geprahlt. Der Werdegang der Musiker ist dabei oft nicht so unterschiedlich zu professionellen Spielern im Casino, denn beide Berufswahlen erfordern enormes Selbstvertrauen und führen nur mit Können und Glück zu echtem Reichtum. Wer es aber einmal geschafft hat, kann sich zurücklehnen und sein Leben von nun an ganz einfach genießen. Auch die ausgiebigen Partys und der Glamour, die in vielen Musikvideos gezeigt und in Liedern besungen werden, haben eine gewisse Ähnlichkeit mit der funkelnden Welt von Las Vegas und anderen Casino-Städten. Es ist daher kein Wunder, dass viele Hip Hopper selbst gerne spielen und Black Jack und andere Glücksspiele in ihre Songs einbauen. Wir haben uns die Einflüsse des Casinos in der Welt des Hip Hops einmal genauer angesehen!

Glücksspiel als Vorlage für Songtexte

Wu-Tang Clan Mitglied Ghostface Killah brachte eine eigene Hommage an das beliebte Glücksspiel Poker mit dem Namen „Pokerface“ heraus. Darin singt er über den Druck des Spiels selbst für erfahrene Spieler und – wie der Name bereits besagt – über eine der wichtigsten Fähigkeiten eines Spielers, das Pokerface. In einer Strophe beschreibt er den genauen Hergang einer Pokerrunde gegen einen anderen Spieler, der einen Bluff abziehen möchte. An seinem Gesicht sieht Ghostface Killah alles, was er wissen muss und geht All-In. Mit vier Buben gewinnt er gegen den anderen Spieler. In der nächsten Strophe gelingt ihm selbst ein Bluff und er gewinnt vierhunderttausend Dollar. Er bezieht sich in seinem Songs sogar auf die World Poker Series und bezeichnet die Spieler als „ya’ll ain’t no superstars“ und endet damit, dass er an ihrer Stelle am Tisch sitzen sollte. Andere Künstler verwenden Begriffe aus dem Glücksspiel nicht ganz so wörtlich, sondern setzten sie als Metapher für ihr Leben ein. So macht es zum Beispiel Jay-Z in seinem Hit „American Dream“, in dem er singt „They say it’s celestial, it’s all in the stars, like Tony LaRussa on how you play your cards“. Er eröffnet damit die Frage, ob wir unser Leben selbst bestimmen können, indem wir unsere Karten richtig ausspielen oder ob alles von unserem Schicksal bestimmt wird. Notorious Big rappt in seinem Song „Things Done Changed“ über seine Jugend und wie er und seine Freunde bereits in jungen Jahren gemeinsam gespielt haben. Anders als Ghostface Killah schreckte Notorious Big nicht davor zurück, über seine Niederlagen zu sprechen: „Last night we was shootin’ dice and gettin’ nice, kid rolled us, played us for our merchandise.“ Seine tragische Lebensgeschichte verarbeitete er nicht nur in seinen Songs, sondern wurde auch in seiner ersten offiziellen Dokumentation erzählt. Auch in vielen anderen Hits finden sich unzählige Anspielungen an Casino und Glücksspiel, was beweist, wie stark die beiden Welten mit einander assoziiert werden. 

Jay-Z verwendet Glücksspiel als Metapher für Fragen des Lebens.

Quelle: Jay-Z via Facebook

Künstlernamen aus der funkelnden Casinowelt

Der Beatmaker Clams Casino, der mit bürgerlichem Namen Michael Thomas Volpe heißt, bringt alle wichtigen Eigenschaften mit, die ein guter Pokerspieler braucht. Er ist bodenständig und sucht nicht nach Ruhm und Anerkennung in der Szene, er geht Risiken ein und spielt seine Karten richtig aus. Warum Volpe den Namen Clams Casino gewählt hat, wurde von ihm zwar nie bestätigt, aber verschiedene Theorien besagen, dass auch seine Karriere ein großer Glückstreffer war. Der zu Beginn noch komplett unbekannte Musiker schickte am Anfang seiner Karriere bis zu 20 Beats am Tag an alle möglichen Email-Adressen, die er online finden konnte, in der Hoffnung, dass ein Rapper ihn entdecken und an einem Track mitarbeiten lassen würde. Und das funktionierte! Der Rapper Lil B nahm seine Beats als erstes in eine seiner Produktionen auf. Heute ist Clams Casino Produzent von Künstlern Vince Staples und Mac Miller. Außerdem remixte er Songs von Lana Del Ray und anderen Berühmtheiten. Im Studio setzt Clams Casino auf Einfachheit. Statt den Künstlern 50 Beats vorzuspielen, wie die meisten Beatmaker, bereitet er meist nur 4 oder 5 vor und sendet sie ihnen per Email. Dabei scheint sich Clams seiner Sache sehr sicher zu sein und das braucht schließlich auch jeder Pokerspieler. Ein weiterer Namensvetter ist Frank Casino, ein junger Rapper aus Südafrika, der mit einem Bandprojekt namens „Casino Royal“ zuerst in seiner Heimat bekannt wurde und später mit seinem Solo-Album den internationalen Markt eroberte. Obwohl viele Kritiker seinen Erfolg für eine reine Glückssache halten, hat der Rapper jedoch hart für seine Karriere gearbeitet und nicht nur die richtige Zahl gewürfelt.

Der junge Südafrikaner Frank Casino setzt auf schicke Kleider und heiße Beats.

Quelle: Frank Casino via Facebook

Hip Hop Events mit Casinoflair

Nicht nur Hip Hopper sind an Casinos interessiert – nein, die Faszination geht in beide Richtungen. Genau deshalb veranstalten viele Casinos immer wieder Events für Fans von Hip Hop, die gleichzeitig gerne Pokern oder andere Glücksspiele spielen möchten. So veranstaltet beispielsweise das Grand Casino Luzern das regelmäßige Event „Savage Empire“, bei dem zu heißen Beats getanzt werden kann. Im Le Nouveau Casino Paris findet am 15. März 2018 ein Live-Konzert von Tory Lanez statt, der bereits letztes Jahr zu Besuch war. In den bekanntesten Casino-Städten der Welt, Las Vegas und Atlantic City treten die größten Stars der Hip Hop Szene regelmäßig auf. Es kamen schon Legenden wie Nelly und KRS One zur großen Show „Allstars of Hip Hop“ in der Boardwalk Hall in Atlantic City, das perfekte Ereignis für Spieler und Musikfans, die in Scharen angereist kamen, um ihre zwei Leidenschaften zu verbinden. Es ist eindeutig, dass die Casinobetreiber die Vorlieben vieler ihrer Kunden genau erfasst haben und ihnen ein breiteres Angebot bieten wollen. Schließlich sind Musik und Casino schon so lange miteinander verbunden, das wir uns gar nicht mehr vorstellen können, nach Las Vegas zu kommen und keine einzige der grandiosen Bühnenshows und Auftritte anzusehen. Doch auch das breite Publikum hinter den Fernsehern möchte die Verschmelzung der zwei Welten sehen: Im Jahr 2006 erschien die TV-Sendung „Hip Hop Holdem“, in der zum ersten Mal Stars aus der Hip Hop und R’n’B Szene mit Poker verbunden wurden. In der Sendung spielten die Berühmtheiten der Musikindustrie gegen einander am Pokertisch und mussten ihr Können unter Beweis stellen. Am Ende der Sendung gab es Auftritte der Sänger, die dem Ganzen eine musikalische Untermalung gaben. Die erste Staffel der Sendung wurde zwar gedreht, leider kam es aber durch Komplikationen nie zur vollständigen Ausstrahlung der Show. Sie wurde nach der ersten Folge abgesetzt. Nichts desto trotz gab es bereits nach der ersten Folge unzählige Fans, die mehr davon sehen wollten.

Die Allstars of Hip Hop treten in der Boardwalk Hall in Atlantic City auf.

Quelle: Boardwalk Hall via Facebook

Die glamourösen Welten von Casino und Hip Hop scheinen einfach hervorragend zusammenzupassen. In Songs wird über das Casino gerappt, Sänger wählen ihre Künstlernamen nach bekannten Glücksspielbegriffen aus und in Casinos werden die Stars regelmäßig für Konzerte eingeladen. Die Symbiose scheint perfekt zu funktionieren. Das rasante Geld und der Nervenkitzel des Spiels dienen vielen Rappern als perfekte Metapher für das Leben in der Musikindustrie, wodurch viele Wortspiele mit Karten und Würfeln in den Songs vorkommen. Das Thema Glücksspiel scheint ein unerschöpflicher Pool für coole Songtexte und luxuriöse Musikvideos zu sein. Uns macht es Spaß beim Zuhören und Zusehen. Schließlich kann sich kaum jemand dem exklusiven Flair und der knisternden Atmosphäre des Casinos entziehen.

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