Hi, our names are…Mister Jones & Bumbliño

Bereits seit 2010 machen Mister Jones & Bumbliño gemeinsam Musik. Bisher kann das Berliner Duo auf h0UED-1wEumjhw-q_8WrbxKJVvRzXSt42386zUJ_easdas 2012 erschienene Album „Zehnvier“, mehrere EPs und das Tape „Lost Files“ zurückblicken. Für ihr neues Release, „Arm aber glücklich“, haben sich die beiden etwas Besonderes einfallen lassen. Die mit 13 Tracks gespickte CD erscheint zunächst ausschließlich digital und ist kostenlos herunterladbar. Denn: „Wir möchten auch Menschen, die nicht so viel übrig haben, um sich ständig neue Mucke zu kaufen, glücklich machen“, so Mister Jones.

This is where I’m from…

Jones: Wir kommen beide aus Berlin-Prenzlauer Berg, sind hier aufgewachsen. Die komplette Transformation vom Nachwende-Arbeiterbezirk zur Wohnstätte des „Wir-machen-was-mit-Medien“-Geldadels hat unser Großwerden begleitet. Diese gemeinsame Herkunft hat sicher auch Einfluss darauf, dass wir viele Dinge ähnlich sehen und angehen. Auch musikalisch hat das geprägt. Das Funkviertel um Hiob, Serch und den Rest der Kollegang, hat uns bestimmt ein Stück weit beeinflusst.

I know my roots…

Jones: Bei mir war es klassisch: Freestyle-Rap auf dem Schulhof, irgendjemand hatte ein Bühnenmic und billige Programme zu Hause, und so entstanden unhörbare Tracks. 2004 hab ich dann KAFT kennengelernt und zum ersten Mal „richtig“ Musik gemacht. Dann habe ich aus verschiedenen Gründen eine Weile allein vor mich hin probiert und bin irgendwann darauf gestoßen, dass der Typ (Bumbliño), mit dem ich mal zur Schule gegangen bin, genau die Beats macht, die ich immer haben wollte. Wir haben angefangen, ein paar Tracks zu machen und plötzlich stand unser erstes Album „Zehnvier“. Seitdem agieren wir als Team. Es hat einfach gepasst und wächst immer mehr zusammen.

Bumbliño: Ursprünglich habe ich Schlagzeug gelernt. Im Alter von 16 Jahren habe ich dann von einem Kollegen aus der Schule eine gecrackte Version von Fruity Loops auf CD bekommen. Und seitdem bin ich unaufhaltsam und kompromisslos am Beats schnitzen.

You know my steez…

Jones: Das klingt zwar wie die dümmste Floskel, aber: mich inspiriert, was mich umgibt. Textlich sind meine Einflüsse weit gefasst. Meine Mutter hat viel deutsche Musik gehört, vor allem viel Zeug aus der DDR: Silly, Gundermann, Karat und so weiter. Da gibt es zum Teil viel Pathos, aber die Texte bedienen sich nicht andauernd an Standardphrasen. Außerdem hab ich schon immer viel gelesen. Ich mag Sprache einfach und versuche, so viel wie möglich damit zu experimentieren. Ich versuche immer, nicht so viele aktuelle Ereignisse oder Metaphern einzubauen, um zeitlos zu bleiben, aber natürlich beeinflusst meine aktuelle Stimmung und die Lage um mich herum die Texte. Stilistisch kann ich mich selbst schwer einordnen. Großer Einfluss ist auf jeden Fall die sogenannte goldene Ära, so 1994 bis 1996 im US-Rap. Aber sowohl davor als auch danach gab es Sachen, die ich extrem mag. Ich bin auf jeden Fall keiner, der auf Reime scheißt, wenn es um die Aussage geht, aber auch keiner, der auf Aussagen scheißt, wenn der Flow oder der Reim dadurch besser wird. Mein persönlicher Geschmack wird schon verdeutlicht. Ich mag Samplebeats, einfache, roughe Musik. Auf jeden Fall mache ich wenig Battle-Rap im klassischen Sinne, mich langweilt das Schreiben solcher Texte, auch wenn ich sie gerne höre.

Bumbliño: Ich liebe es, am Rad zu drehen und wie wild ein paar urige Samples zu flippen, die auf den ersten Blick erstmal unscheinbar wirken, und da dann gerne auch mal ein bisschen herumzuexperimentieren und verschiedene Sounds zu layern. Inspiriert bin ich durch Musik von Donald Byrd, Roy Ayers und Lonnie Liston Smith. Die ersten Slum Village-Sachen und „Operation Doomsday“ von MF Doom haben mich auch stark geprägt, aber ebenso die Arbeit vom Loop Digga, D.I.T.C. etc.

That’s my motherf****** name…

Jones: Mister Jones a.k.a. der uneheliche Stiefzwillingsbruder von Steve Urkel.

Bumbliño: Bumbliño a.k.a. Tito Tentaculo a.k.a. shine101.

Turn my music on…

Jones: Wir haben schon drei Tacks vom kommenden Album veröffentlicht, die kann man sich bei uns auf Soundcloud oder Bandcamp anhören. Mein Favorit ist „Ein Leben unter Schafen“, ich denke, da kriegt man auch textlich einen ganz guten Eindruck, worum es mir geht. Ansonsten halt durch unser erstes Album „Zehnvier“ und die „Modus Operandi“-EP.

Yo, see the difference…

Jones: Auch wieder eine Floskel: Es geht bei uns wenig um Image und Inszenierung, sondern um die Inhalte und die Musik. Wir wollen nicht irgendein „Game“ übernehmen, sondern einfach gute Rapmusik machen und Spaß dabei haben. Ein weiterer Unterschied ist, dass unsere Instrumentals trotzdem recht klassisch sind und wir Niemandem erzählen wollen, was genau jetzt dieser Hip-Hop ist oder dass früher alles besser war. Weder verachten wir Hip-Hop als Kultur extrem, noch sehen wir uns als Gralshüter. Es geht auch nicht um eine Message oder darum, Leute zu bekehren. Die Aussage zieht sich eh jeder selbst aus den Tracks. Ich habe Lust, Leute zu treffen, eine gute Zeit mit ihnen zu haben und schöne Dinge zu erschaffen. Hip-Hop bzw. in dem Fall Rap, macht das möglich. Alles andere ist mir egal.

Bumbliño: So ein gutes Rap-Instrumental darf in meinen Augen nicht zu glatt produziert sein, dreckig bis rauschige Sounds und holprige Drums, die schön laidback kommen. Ansonsten habe ich keine großen Erwartungen, was mit meinen Beats passiert und verfolge kein großes Ziel oder sowas.Generell mache ich mir keine großen Gedanken oder vergleiche mich mit anderen. Ich habe einfach Bock, Musik zu machen, Beats und Breaks zu entwerfen, die für meine Homies zu arrangieren und auch hin und wieder selbst etwas ins Mic zu spitten.

My brand new album / mixtape…

Jones: Unser Album “Arm aber glücklich“ kommt am 12.11., kostenlos und vorerst nur digital über unsere Bandcamp-Seite. CDs und Tapes folgen Anfang nächsten Jahres, alles andere wird sich zeigen. Es gibt nur ein Rap-Feature, ansonsten haben wir ausschließlich mit befreundeten DJs gearbeitet. Auf einem Track singt Bumbliños Bruder und auch die Interludes kommen nur von Produzenten aus unserem Freundeskreis.  Es steckt viel Liebe und Arbeit drin und das hört man auch.

I know what I want…

Jones: Wie schon gesagt: vor allem Spaß haben, gute Musik machen und eine gute Zeit haben. Unsere Rezeptur weiter perfektionieren. Mit dem Album Leute erreichen und mehr live spielen.

Bumbliño: Einfach immer weitermachen, Musik machen, die in erster Linie uns selbst gefällt. Das kann mal ruhig so bleiben.

Look into the future…

Bumbliño: Definitiv wird es weitere Releases von uns als Team geben. Jones hat als nächstes vor, drei EP’s mit drei Producern zu machen, einer davon bin ich, die anderen beiden sind Satori und George Liquor aus meiner Crew, der Elusive Punch Posse. Der ganze Produktionsprozess wird sich aber größtenteils in meiner Booth abspielen, weil wir einfach eingespielt sind und eh ständig gemeinsam abhängen.

Checkt das Snippet zu „Arm aber glücklich“ aus:

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Yannick H. ist seit Oktober 2015 bei BACKSPIN. Wenn er nicht gerade in seinem knallgelben Ostfriesennerz durch die Stadt schlendert, hält er Ausschau nach dem Besten vom Besten in Sachen Hip-Hop.

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