Hi My Name Is… Taiga Trece: „Ich mach nicht auf politisch korrekt, weil Politik nicht korrekt ist“

Taiga Trece ist 15 Jahre alt, als sie sich in Mexiko durchschlagen muss. Das prägt und formt die geborene Münchnerin und fließt auch in ihre Musik mit ein, die ebenfalls beide Kulturen respektive Sprachen verbindet. Durch diese Kombination entsteht etwas Einzigartiges: deutscher Rap, spanischer Rap, ein weiblicher MC und geballte Kraft verpackt in energiegeladenen Flows. 2013 erschien ihre EP „7 auf ein‘ Streich“ worauf dann Ende 2015 das Album „La Cholemana“ folgte. Höchste Zeit, die talentierte Rapperin ins Spotlight zu rücken und zu hören, was sie zu sagen hat! Und das ist ganz schön viel, aber lest selbst:

TaigaTrec_7_Presse©Nils_Schwarz

This is where I’m from…

Ich würde mich als Weltenmensch, Weltbürger, Grenzgängerin, weiblich, mit katzenhaften Eigenschaften und einer leidenschaftlichen Liebe zu Rap und Freiheit bezeichnen, aka La Cholemana.
Ich bin in München geboren, habe meine Jugend in Mexiko verbracht, bin schon viel herumgekommen. Oft weiß ich selber nicht, wo mein Herz zu Hause ist. Solange der Vibe, die Menschen um mich, das Essen und die Musik stimmt, gibt mir das ein Stück Heimat.

I know my roots…

Für mich hat sich schon früh alles um Hip-Hop gedreht. Hip-Hop spielte sich in Kellern und auf der Straße ab. Ich war früh pubertär, hab mich natürlich nachts aus dem Haus geschlichen, mit den Älteren gehangen, man ist von Drogen und Alkohol nicht verschont geblieben, Schule schwänzen, Polizei-Action und Hauptsache was erleben. Abenteuerlust würde ich dazu sagen. Als ich dann nach Mexiko gezogen bin, war das natürlich ein krasser Cut. Logisch kannte ich die Filme „Blood in, Blood out“, „Boyz in the Hood“, „Perdita Durango“, aber da war Mexiko nochmal ’ne andere Nummer. Freunde finden, Sprache lernen, Ausländer sein in einem Land, das nationalistisch, machistisch, krass korrupt und allgemein bisschen gefährlicher ist. Von der Ersten Welt stammend in ein Land zu kommen, in dem die Schere zwischen arm und reich massiv weit geöffnet ist und man niemandem vertrauen kann. Ich bin erst dort erwachsen geworden, habe die Welt und meine Mitmenschen mit anderen Augen gesehen. Aus diesem Gefühl heraus, eine Mischung aus Anerkennung, Hass und Verachtung, hat sich meine Persönlichkeit und mein Rap geformt.


You know my steez…

In der Grundschule habe ich Schwester S und Moses mitgerappt. Ich konnte alle Alben auswendig. Dann kam FK mit „Quadratur des Kreises“, „Esperanto“, Dynamite Deluxe mit „Deluxe Soundsystem“, Savas. Das hat den Rap nochmal auf ein höheres Niveau gebracht. Auf der anderen Seite klang aus meinen Boxen Tupac, Bone Thugs, Yukmouth, Scarface, Cube, Dre, NasJay Z und Cypress Hill. Natürlich habe ich auch R’n’B wie Brandy, Aaliyah usw. gehört. Ich muss jedoch gestehen, dass meine Liebe dem Gangstarap der Bay Area gehörte. Trotz California Love bekommt Eminem bis heute ein GB auf jedem MP3-Wechsel. Spanische Einflüsse waren für mich MC Luka und Arianna Puello.
Hey, aber wenn ich tiefer gehe, wo soll ich dann aufhören? Ich danke einfach allen, die mich inspiriert haben von Lauryn Hill bis Tego Calderon.

That’s my motherf****** name…

Taiga, mein Spitzname, hat sich etabliert, die 13 steht für das M Mexiko/München und ist die Schicksalszahl. Ich stehe auf Zahlen und bin selbst am 13.7. geboren. Glück, Unglück und Schicksal haben mich geprägt.

Turn my music on…

Meine Musik spiegelt Geschichten aus meinem Leben wider. Manchmal muss man zwischen den Zeilen lesen um zu begreifen, was ich meine. Ich vereine zwei Kulturen und nutze dazu auch meine Sprachen. Sprache ist Ausdruck. Ich möchte mir nicht nehmen lassen, zu sagen, was ich sagen möchte. Manchmal braucht es dazu die richtige Sprache, gerichtet an die richtigen Leute. Es gibt noch viel zu bearbeiten, was mir auf der Zunge brennt oder meine Seele erhellt und verdunkelt.


Yo see the difference…

What’s the difference between me and you?! I’m used to living big cat style and straight coasting…
Jede Line, die ich schreibe, jeden Flow, den ich bringe, jede Idee, Melodie und Attitüde kommt von mir. Ich bin eine Kriegerin – mach auf Alleingang, nicht aus Ego-Gründen, sondern weil mein Style niemand fährt, den ich kenne. Ich hab keine Crew hier, keine Jungs oder Mädels, die meine Texte checken, meinen Flow überarbeiten und mir wichtige Kritik geben. Ich hab kein Label, keinen festen Booker und keiner meiner Likes ist gekauft. Ich mach es einfach, gegen den Strom, ohne Rückenwind. Meine Homies und die meisten meiner Rapkollegen sind in Mexiko und es schaut nicht so aus, als würden die hier Asyl bekommen. Ich halt gern meinen Kopf hin in diesem Bitch-Rap-Business. Gib mir einen Beat und ein Mic, Englisch, Spanisch, Deutsch, Portugiesisch – mir egal, live zerstöre ich. Ich bin keine Gangstabraut, deswegen mach ich nicht auf gangsta, ich mach nicht auf politisch korrekt, weil Politik nicht korrekt ist und ich mach nicht auf Rapper, weil’s cool ist, ich bin Rapper, weil ich’s kann.

My brandnew album/mixtape…

Ende Dezember 2015 kam mein Album „La Cholemana“. 2013 habe ich eine EP veröffentlicht mit dem Namen „7 auf ein‘ Streich“ (das waren meine ersten fertigen Trackz – jaja).
Momentan bin ich auf Instrumentalsuche und auch schon in Produktion mit den Jungs, mit denen ich bereits gearbeitet habe. Releasedates möchte ich noch keine versprechen, die kommen, wenn sie kommen. Ich hab Zeit. No Label – schon vergessen?!


I know what I want…

Mein wichtigstes Ziel im Leben ist Entwicklung. Auf musikalischer, persönlicher und geistiger Ebene. Ich weiß, dass bei mir noch Luft nach oben ist und wäre blöd, nicht nach den Sternen zu greifen. Ich habe große Lust, mich weiter auszuprobieren, weiterzugehen und dabei zu lernen. Was ich mir wünschen würde, wäre auf den Hip-Hop-Festivals an den Start zu gehen und die Bühne zu würzen – lady-chillie-flavour a la Mexicana. Das wäre ein Taiga-Traum. Groß wäre auch eine Zusammenarbeit mit anderen Rappern und Künstlern deutschlandweit. In diesem Sinne: Holla back!!!

Look into the future…

Noch auf meinem Album gibt es eine Line in „Pechsträhne“, in der ich sage: „…16bars – what?! – mich will nicht mal die BACKSPIN…“. Das ist doch schon mal ein Anfang. ;D Danke BACKSPIN. Ich habe große Träume und ich versuche auch weiter groß zu denken, aber was die Zukunft bringt, das weiß nur Gott.

 

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Jana

Hi! Ich seziere gerne Raptexte, lasse meine Augen mit Freude auf Farbflecken an tristen Wänden verweilen, dies, das.

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