Hi my Name is … Qontra, Remo, Yeshe030: „Wir kommen aus einem Dorf mitten im Herzen Berlins“

Qontra, Remo und Yeshe030 sind waschechte Kreuzberger. Die Jungs aus dem Berliner Musikerkollektiv Traumsucht haben Anfang November eine EP auf den Markt gebracht, welche von Ede545 produziert wurde. Doch wer sind die drei Rapper aus dem Beste Umfeld, die ihre Kiezgeschichten noch klassisch über Boom Bap Beats auf den Takt bringen?

This is Where I’m from…

Wir kommen aus einem Dorf mitten im Herzen Berlins –  aus Kreuzberg. Ein Mikrokosmos rund ums Kottbusser Tor. Hier haben wir laufen gelernt.

I know my roots…

Qontra: Ich bin durch den großen Bruder von einem meiner besten Freunde zum Rappen gekommen – durch Streuner, der auch Teil unserer Kiezgeflüster-EP ist. Damals war ich 13, 14 oder so. Die hatten ein Studio und ein Label bzw. ’ne Crew gegründet: Micaholix (richtig dicker Sound). Da hab ich dann mit meinem Kumpel mein ersten Song aufgenommen – auf den „Still Dre“-Beat haha… Dann haben wir mit unserem Freund  NIKSN Suchtentertainment gegründet, woraus Jahre später das Musikerkollektiv Traumsucht entstanden ist.

Remo: Ich habe das Texten vor etwa 15 Jahren primär als Methode der Selbstteraphie für mich entdeckt. Habe damals noch ohne jegliches Taktgefühl gerappt, aber hatte in der Mucke ein Ventil für meinen frühpubertären Grüblerkopf. Später habe ich dann mit den Jungs aus dem jetzigen Hause BESTE (Hans, Cratzmeister Calle, Dazzle, BRKN und Merlin) eine Crew namens WBR gegründet. Die Kiezgeflüster-Formation kam dann vor etwas über nem Jahr zu Stande.

Yeshe030: Der Kiez und die Umgebung, in der ich mit meinen Jungs und Mädels aufgewachsen bin, war schon damals fast wie ein vorgefertigtes Sprungbrett in die Hip-Hop-Kultur. Mein großer Bruder hat durch einen Kumpel mit ca. 13/ 14 Jahren mit Graffiti angefangen, ich war damals ca. elf, und Sketches vor dem Schülerladen an Passanten verkauft.. Richtiger Hustle, hehe. Das hat mich direkt geflasht und es dauerte nicht lange, bis ich mich das erste Mal mit Buchstaben in der Weise beschäftigte. Durch die Graffiti-Connection habe ich dann auch meinen zukünftigen Bruder und Rapmentor Streuner kennengelernt. Der Typ hat wohl viele kleine Brüder. Er hat mich in sein Neuköllner Keller Studio mitgenommen. Seitdem machen wir gemeinsam Mucke und haben uns Traumsucht angeschlossen. 

You know my steez…

Qontra: Alles was so um mich herum passiert, der Kiez, in dem ich mich pudelwohl fühle, die Veränderung, die früher schleichend heute wasserfallartig über uns hereinbricht, Freundschaft und der ein oder andere Musiker. Eher aber das, was sie damals gemacht haben. „Bombe“ von Prinz Porno z.B. oder „Weck mich auf“ von Samy Deluxe waren schon krasse Songs. Sonst Eminem, die ersten zwei Nas Alben oder 2001 von Dr. Dre hab ich viel gehört. Heute laufen bei mir vor allem die Sachen aus meinem nahen Umfeld – die Abendsonne Ep von Yeshe kann ich jedem nur ans Herz legen…

Remo: Meine beste Inspiration sind angetrunkene Nachtspaziergänge mit Pianostücken in den Kopfhörern und ’nem Bier in der Hand. Aber auch eine Hand voller Schriftsteller, Maler und natürlich Musiker inspiriert mich hier und da.

Yeshe030: Raptechnisch kommen meine ersten Einflüssen auf jeden Fall aus dem Deutschrap. Zu meinem zwölften Geburtstag habe ich von meinem damaligen „Babysitter“ ’ne Bassbox-Platte geschenkt bekommen und von da an die ganzen Untergrunddinger gefeiert: Bassbox, Savas, Beatfabrik, Mach One. Als kleiner Bengel in Kreuzberg, der auf Action ist, erlebt man schon das eine oder andere, deshalb ist der Stil bis heute mit Vorliebe Kiezstorys auf schönen Boom Bap Beats. Heute höre ich gar nicht mehr soviel Deutschrap. Inspirationsquelle ist eher der Alltag gemischt mit den Beats von unseren Leuten 23Hertz, Ede545, Django36, Jerek und Streuner.

That’s my motherf****** name…

Qontra: Früher Kontra mit K wegen Kontra geben und so. Heute Qontra mit Q. Einfach so.

Remo: Mein bürgerlicher Name ist Remo, einen Künstlernamen habe ich nicht. Früher hieß ich R.P. – ganz klassisch meine Initialen genommen und englisch ausgesprochen. Ekelhaft! Früher war dieses Prinzip eine regelrechte Epidemie unter Rapneulingen.

Yeshe030: Yeshe ist auch mein bürgerlicher Name. Früher hatte mein Name was mit dem Graffiti zu tun, später nannte ich mich kurz Hungriger Hugo. Jetzt einfach Yeshe, easy. 030 – CrewRepresent

Turn my music on…

Wir stehen auf staubige Samples und scheppernde Snares. Auf den guten alten Drummachine- und MPC-Sound eben. Das gemeinsame Fundament, das wir als Rapper haben, liegt in den Beats von Ede545 – ein musikalischer Tausendsassa, der uns mit einer Kombination aus Kopfnicker-Drums und atmosphärischen Samples musikalisch zusammenschweißt. Aber auch 23Hertz aus Schöneberg und Kiezgeflüster Kollege Streuner beliefern uns mit saftigen Instrumentals.

You see the difference…

Rein musikalisch gesehen machen wir klassischen Boom Bap und versuchen einfach durch Qualität zu überzeugen. In der momentanen vertrappten Hip-Hop-Landschaft gehören wir mit dieser Musikrichtung zwar zu den Außenseitern, aber es war uns nie ein Anliegen, diesen Alte-Schule-Film an die große Glocke zu hängen. Wir machen einfach nur das, worauf wir Bock haben und machen die Art von Mucke, die wir immer schon selbst gerne gehört haben

My brand new album/mixtape…

„Kiezgeflüster“ ist der Soundtrack für das Spazierbier. Für die Fahrt mit der U1, die Freakshow am Kotti und das Katerfrühstück am Görli. Doch auch für den nachdenklichen Blick, der sich durch den Kippenrauch hindurch in den Himmel flüchtet. Für die Nostalgie beim Gang vorbei an der alten Grundschule. Und für den Moment der Zukunftssorgen, der kurz aufkeimt, bevor man ihn mit einem Frischgezapften und dem Handschlag eines guten Kumpels wieder verwischt.

I know what I want…

Qontra: Erwartungen nein! Einfach mit Herzblut weiter machen und dann sehen was kommt.

Remo: Ich habe keine Erwartungen an irgendetwas. Ich gehe nur stark davon aus, dass ich irgendwann ins Gras beiße. Prost!

Yeshe030: Ich schließe mich beiden an. Hip-Hop!

Look into the future…

Keine Ahnung was kommt. Wir wollen auf jeden Fall in der jetzigen Formation weiter fleißig Songs fabrizieren. In nächster Zeit haben wir vor, uns für ein paar Tage in einer Hütte einzuschließen und Mucke zu machen, mal schauen was dabei rauskommt. Yeshe arbeitet derweilen an seinem Album und es wird sicherlich in verschiedensten Konstellationen zu Projekten kommen… Und der Weltfrieden wär natürlich ’ne geile Nummer… Wir wären mit von der Partie. Prost!

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