Pedram: „Für mein Verständnis sind Rapper moderne Poeten“

Ehrlichkeit und Texte mit Message sind für Pedram die wichtigsten Bestandteile seiner Musik. Aufrichtigkeit belegt er nicht nur damit, dass er sich hinter keinem Pseudonym verstecken möchte, sondern für die Musik seinen Vornamen verwendet. Die Beats seiner Debüt-EP „Durchreise“ bastelte er gänzlich selbst, der Inspiration seiner Texte dient sein eigenes Leben. Was Pedram antreibt, was sein kostbarstes Gut ist und welche musikalischen Einflüsse sich wiederfinden, erzählt er euch hier. 

Bild von Thomas Nico Meuter Photography - www.tnmp.de

Foto von Thomas Nico Meuter Photography – www.tnmp.de

Hi My Name Is… Pedram

 

This is where I’m from…

Ich bin 1990 in Nordenham geboren – so eine Stadt in Niedersachsen, die irgendwie niemand kennt. Die ersten Jahre meiner Kindheit hab ich in der Nähe von Düsseldorf gewohnt, bis wir dann in die Eifel gezogen sind. Meine Eltern kommen ursprünglich aus dem Iran, mussten aber in den 80ern fliehen.

I know my roots…

Meine ersten Rap-Alben waren „The Marshall Mathers LP“, „Greatest Hits“ von 2Pac und das erste Soloalbum von Samy Deluxe.
Ich glaub mit 15 hab ich die ersten (rückblickend ziemlich schlechten) Beats gebaut und Ende 2014 hab ich dann mit dem Rappen angefangen.

You know my steez…

Da ich meine Beats in der Regel selber baue, versuche ich schon soundtechnisch einen roten Faden zu haben. Inspirieren lasse ich mich da in erster Linie von atmosphärischer Musik. Filmmusik, EDM oder Indie, aber natürlich kann ich mich auch dem Einfluss moderner Rap-Produktionen nicht entziehen.
Inspiration für meine Texte find ich in meinem Leben, den Dingen, die ich sehe und erlebe.

That’s my motherf****** name…

PEDRAM – das ist halt mein Vorname. Ich habe lange nach einem Künstlernamen gesucht, bis ich zu dem Entschluss gekommen bin, dass ich mich nicht hinter einem Pseudonym verstecken will, weil meine Musik auch überwiegend persönliche Themen behandelt.

Turn my music on…

Ich hab bisher nur eine EP veröffentlicht, von daher gibt’s noch nicht so viel von mir zu hören. Auf Backspin TV kann man sich aber das Video zum Track „Tag für Tag“ ansehen, ein Song, der die aktuelle Flüchtlingssituation behandelt. In den Kommentaren kann man ganz gut sehen, dass ein Großteil der Leute den Song gar nicht verstehen und denken, ich würde da auf die AfD oder sonst wen schimpfen. Natürlich gibt es provokante Stellen in dem Song, aber in erster Linie geht es um die Hintergründe und mein Ziel war es, Verständnis zu schaffen. Schließlich reden wir bei den Flüchtlingen immer noch von Menschen!

Yo see the difference…

Mir ist vor allem die Ehrlichkeit in meiner Musik wichtig, von daher kann man schon sagen, dass sich in meiner Musik mein Leben widerspiegelt.
Außerdem bin ich nicht so der Technik-Fanatiker. Natürlich feier ich krasse Reimketten und technische Finessen, aber mir ist der Inhalt einfach viel wichtiger. Ich seh keinen Sinn darin, auf einem nachdenklichen Song meine Skills in den Vordergrund zu stellen – da steht bei mir dann die Message und das Gefühl. Für mein Verständnis sind Rapper moderne Poeten oder Dichter und es gibt keine Regel, die sagt, dass Poesie sich überhaupt reimen muss. Allerdings denke ich bei den „modernen Poeten“ auch eher an Rapper wie Curse.

My brandnew album/mixtape…

Seit April gibt’s meine „Durchreise“ EP auf Bandcamp. Bis auf „Tag für Tag“, der kurzfristig noch dazu kam, sind die Tracks schon vor ein bis zwei Jahren entstanden.

I know what I want…

Ich habe früh erkannt, was ich nicht will. Nämlich mein ganzes Leben zu ackern, für etwas, das mir nicht am Herzen liegt. Das System trimmt uns auf Produktivität und Konsum, aber was bringt mir das, wenn mir das kostbarste Gut fehlt: Zeit, Zeit für die Menschen und Beschäftigungen, die ich liebe und meine größte Leidenschaft ist eben die Musik. Wenn ich dann auch noch meine Rechnungen bezahlen kann, dann hab ich doch alles, was ich brauche.

Look into the future…

Ich arbeite gerade schon an dem nächsten Projekt, für das auch bereits ein paar Tracks stehen. Ich versuch mich stetig zu entwickeln und zu verbessern – Stillstand bringt niemanden weiter und ich bin gerade erst am Anfang.

Bild von Thomas Nico Meuter Photography - www.tnmp.de

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Jana

Hi! Ich seziere gerne Raptexte, lasse meine Augen mit Freude auf Farbflecken an tristen Wänden verweilen, dies, das.

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