Paradox: „All diese ‚Halbrapper‘ lassen uns Vollblutmusiker schlecht dastehen.“

paradox

Paradox macht Musik mit Leib und Seele. Er rappt, singt, baut seine eigenen Beats, schreibt seine eigenen Texte. Er versuchte sich den Eltern zuliebe an zahlreichen Jobs, nur um festzustellen, dass Musik das Einzige ist, woran er arbeiten möchte. Für Paradox bedeutet Rapper sein viel mehr, als ein wenig Taktgefühl zu besitzen und einen 16er zu schreiben. Was genau es seiner Meinung nach dazu braucht, wie er auf seinen Künstlernamen kam, wie Musik und Rap das erste Mal in seinem Leben Einzug hielten und vieles mehr, erzählt er euch selbst:

 

 

Hi My Name Is… Paradox

 

This is where I’m from…

Meine Eltern kommen aus Bosnien und sind 1993 vom Krieg nach Deutschland geflüchtet. 1994 bin ich dann in Berlin geboren. Als ich 12 war, sind wir nach München gezogen. Seitdem lebe ich hier.

I know my roots…

Da ich früher nicht in den Kindergarten gegangen bin und relativ spät eingeschult worden bin, habe ich viel Zeit Zuhause verbracht. Besonders vor dem Fernseher. MTV und VIVA lief bei mir den ganzen Tag rauf und runter. 50 Cent und Eminem waren meine absoluten Vorbilder. Zu meinem neunten Geburtstag habe ich mir das Album “Get Rich Or Die Tryin“ gewünscht. Da meine Eltern zu der Zeit keinen blassen Schimmer von amerikanischer Rap Musik hatten, haben Sie es mir natürlich gekauft. Irgendwann konnte ich alle Songs auswendig und habe somit das Gefühl für den Flow und die Aussprache entwickelt. Dann habe ich angefangen, meine eigenen Texte auf Englisch zu schreiben. Meine Klassenlehrerin war total verblüfft, weil ich viel besser Englisch konnte als meine Klassenkameraden. Sie hat meine Eltern sogar gefragt, ob wir amerikanische Wurzeln haben. Ein Jahr später kam Sidos Durchbruch. Als ich “Mein Block“ das erste mal bei TRL gesehen habe, wollte ich unbedingt wissen, wer dieser Typ ist und habe mir zu meinem zehnten Geburtstag diesmal das Album “Maske“ gewünscht. Als meine Eltern mitbekommen haben, worum es in den Texten geht, haben Sie mir die CD, kurz nachdem ich Sie geschenkt bekommen hatte, wieder weggenommen. Gott sei Dank hatte ich einen MP3 Player und habe mir das ganze Album rechtzeitig von einem Freund, der zu der Zeit schon einen Computer hatte, drauf laden lassen. Durch den ganzen Aggro Berlin Hype habe ich angefangen, deutsche Texte zu schreiben. Ich wollte so wie Sido werden und habe sogar seine Maske nachgebastelt. Mit elf habe ich meinen ersten Laptop geschenkt bekommen und habe mir von einem guten Freund FL Studio cracken lassen. Ich fing an, Beats zu machen, weil ich es schon immer gehasst habe, von anderen abhängig zu sein, aber auch keine Freebeats benutzen wollte, weil ich meine Texte dafür zu schade fand. In der Hauptschule wurde mir dann endgültig bewusst, dass ich Musik hauptberuflich machen möchte. Denn während die anderen beim Unterricht mitmachten, war ich in meiner eigenen Welt und habe meine Hefte mit Texten vollgekritzelt. Nach der Hauptschule habe ich eine Ausbildung zum Kaufmann angefangen. Allerdings nur, weil ich Geld für mein Equipment gebraucht habe. Als ich genug Geld angespart hatte, bin ich fast gar nicht mehr zur Arbeit gegangen, weil ich lieber Zuhause Musik machen wollte. Nach der Ausbildung habe ich (meinen Eltern zuliebe) diverse Jobs ausprobiert und bin relativ schnell zur Erkenntnis gekommen, dass es nichts anderes gibt, was mich so erfüllen kann, wie die Musik. Mittlerweile bin ich 22 und mein Wille, Musik hauptberuflich zu machen und davon Leben zu können, ist größer wie noch nie. Manchmal habe ich das Gefühl, dafür bestimmt zu sein, denn egal was ich auch mache… Am Ende des Tages lande ich immer wieder bei der Musik.

You know my steez…

Am Anfang waren es (wie oben schon erwähnt) Eminem und 50 Cent, was die amerikanische Seite betrifft, und im Deutschrap Sido und Bushido, die mich am meisten geprägt haben. Die üblichen Verdächtigen halt. Heute jedoch gibt es so viele Künstler, die mich inspirieren, sodass es fast unmöglich ist, einzelne Namen zu nennen. Und damit meine ich nicht nur Künstler im Rap/Hip-Hop Bereich, sondern auch andere Musikrichtungen wie Metal (Ja, Metal), aber auch Pop, House, Jazz etc., was vielleicht auch die Vielseitigkeit in meiner Musik erklären könnte.

That’s my motherf****** name…

Viele kennen mich unter dem Namen Deno. Meine Eltern nennen mich schon mein Leben lang so, obwohl mein bürgerlicher Name Denis ist. Da ich eigentlich kein großer Fan von irgendwelchen Fantasienamen bin, wollte ich auch als Künstler Deno genannt werden. Jedoch gibt es da schon einen Deno, der auch Rapmusik macht. Da ich sehr oft mit ihm verwechselt wurde und mich das so langsam genervt hat, habe ich entschieden, mich umzubennen. Abgesehen davon fand ich den Namen als Künstler sowieso zu unauffällig und eintönig. Ich wollte etwas herausstechendes, besonders klingendes, interessantes. Meine Freunde haben immer zu mir gesagt, dass ich manchmal “paradoxe“ Dinge tue, die man so von mir nie erwartet hätte. Ich bin ein sehr verrückter Mensch. So entstand mein neuer Name… Paradox. Es unterstreicht einfach meinen Charakter, aber auch meine Musik, da ich ständig etwas neues ausprobiere, so “paradox“ es auch manchmal klingen mag. Ich liebe es einfach, anders zu sein.

Turn my music on…

Aktuell stehe ich mit meinem Debüt, der “One Man Band“ (EP), in den Startlöchern und dachte mir, bevor ich euch jetzt irgendeinen bestimmten Song vorspiele, gebe ich euch doch lieber gleich einen Gesamteinblick in das Projekt, indem euch mal das Snippet zeige:

Für die Neugierigen… Die erste Videoauskopplung gibt es bereits schon auf BACKSPIN TV zu sehen!

Yo see the difference…

Ohne eingebildet zu klingen… Aber es gibt kaum Rap-Künstler in Deutschland, die so multitasking-fähig sind wie ich. Heutzutage denkt jeder, er sei Rapper, nur weil er einen 16er geschrieben hat und ein bisschen Taktgefühl besitzt. Doch Rapper sein bedeutet so viel mehr. Du musst ein individuelles Image besitzen. Du musst in der Lage sein, das was du lebst eins zu eins in deiner Musik widerspiegeln zu können. Du musst jederzeit bereit sein, dein ganzes Leben für die Musik zu opfern, ohne mit der Wimper zu zucken, uvm. All diese “Halbrapper“, die aus der Dusche entsprungen sind und im Namen der Musik rappen, lassen uns (Vollblutmusiker) schlecht dastehen. Es ist schön, dass sich Menschen für Musik begeistern und sie selber machen wollen. Aber bitte, tut mir einen Gefallen und setzt euch erstmal mit der Materie richtig auseinander, bevor ihr euch als “Rapper“ bezeichnet.

“Sie nennen mich One Man Band. Denn ich rappe, singe, produziere Beats und schreibe Texte. Wenn man bedenkt, dass 80% der Rapper nicht mal ihre Texte selber schreiben können, bin ich der Beste!“

My brandnew album/mixtape…

Meine EP „One Man Band“, die ich euch unter „Turn my music on…“ vorgestellt habe.

I know what I want…

Karma hat mich gelehrt, nichts zu erwarten. Denn immer, wenn ich etwas bestimmtes erwartet habe, ging es nicht in Erfüllung. Deshalb lasse ich es lieber auf mich zukommen und schaue, was die Zukunft bringt. Alles, was ich mir wünsche, ist Anerkennung. Anerkennung für die Mühe, die ich in die Musik stecke. Schließlich sitze ich Tag und Nacht dran. Alles andere (wie Geld), so Gott will, kommt von alleine. In erster Linie will ich die Herzen der Menschen erobern. Ich lüge nicht, wenn ich sage, dass ich ohne die Musik nicht mehr am Leben wäre. Das ist alles, was ich noch habe und was mich auf dieser Welt hält.

Look into the future…

Ich bin ein sehr pflegeleichter Mensch und gebe mich mit dem zufrieden, was ich bekomme. Solange meine Grundbedürfnisse gedeckt sind und ich von dem, was ich liebe, leben kann, bin ich glücklich. Bis dahin ist es vielleicht noch ein weiter Weg, aber ich bin mir sicher, eines Tages sagen zu können: „Ich bin angekommen“, denn mich verfolgt schon seit Jahren ein komisches Gefühl im Bauch, was mir sagt: “Es erwartet dich noch was Großes“. Ich glaube daran, dass Träume in Erfüllung gehen können, wenn man fest daran glaubt, nicht loslässt und keine einzige Sekunde daran zweifelt. Gott entlohnt die Geduldigen.

The following two tabs change content below.

Jana

Hi! Ich seziere gerne Raptexte, lasse meine Augen mit Freude auf Farbflecken an tristen Wänden verweilen, dies, das.

0 Comments

  1. Pingback: Paradox (Deno) veröffentlicht "24/7" feat Onkel Taz. (Video)

Erzähl Digger, erzähl

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.