Lisaholic: “Einzigartig bin ich, weil es niemanden gibt, der mein Gedankengut hat.”

lisaholic

Lisaholic ist für heutige Hip-Hop Verhältnisse schon quasi eine Besonderheit. Sie ist nicht keine Vollzeitrapperin – sie ist viel mehr. Sie hat ihre Stimme, ein Mikrofon, eine Loopstation und ein Effektgerät. Damit wird sie quasi selbst zum Instrument. Mit Beatbox und Rap verfeinert sie dann ihr Endprodukt. Das alles kann nur eine Menge an Skills erfordern. Aber überzeugt euch doch einfach selbst.

“HI, MY NAME IS LISAHOLIC“

This is where I’m from…

Ich komme aus Eching, einem Vorort aus München. Seitdem ich 17 Jahre alt bin, habe ich rastlos Antworten auf die großen Lebensfragen an allen möglichen Orten gesucht. Australien, Berlin, Quebec, Nord-, Mittel- und Südamerika. Seit zehn Jahren bin ich jetzt dauerhaft in München und habe dabei Eines gelernt: Meinen geographischen Standort zu verändern verschafft mir kurzweilig Linderung von den Symptomen, d.h. meiner Zerrissenheit. Musik indes gibt mir nachhaltigen Rückhalt, ist identitätsstiftend und ergo mein persönliches Refugium. Das ändert allerdings nichts daran, dass ich nach wie vor unbedingt wegziehen möchte. Scheint einfach ein Dauerbrenner zu sein, dieses Gefühl. 

I know my roots… 

Mit elf Jahren hab ich angefangen Gitarre zu spielen und seitdem ich 15 bin, schreibe ich eigene Lieder. Zu Beginn noch in einem grottigen Englisch und mit wahrhaft pathetischen Inhalten. Mein erster Auftritt war bei einem Schulfest. Der Text handelte davon, wie ich jemand sadistisch verstümmele. Vermutlich hat niemand wirklich auf den Inhalt geachtet, denn das Publikum war begeistert. Als ich dann mit 17 einen Schüleraustausch in Sydney machte, hat mich meine Hostmama zu einem Musikwettbewerb mitgenommen, bei dem ich mein Rocklied präsentierte. Meine Konkurrenten waren lauter hochbegabte Jugendliche, die klassische Musik gespielt haben – und das perfekt. Die Judges haben mir dann eine Silbermedaille verliehen. Ich glaube bis heute, dass es Mitleid war. Dann folgte das erste deutschsprachige Bandprojekt mit meinem perfektionistischen Cajonspieler Spoachi. Durch ihn hab ich diese nerdige Disziplin erlernt: Ständige Wiederholungen gehen ins Kleinhirn und das kommt mir live sehr zu Gute. Naja, und diese Loopstation-Nummer mache ich erst seit einem guten Jahr. Es ging alles sehr schnell. Ich hatte so eine Eingebung und hab mir zuvor über das Internet meinen Beatboxlehrer Madox vermitteln lassen. Der hat mir die Anfänge gezeigt und dann kam eines zum Andern. Seitdem loope ich einfach wie eine Verrückte. Joa, und jetzt ist es so wie es ist. 

You know my steez…

Puh, also in meiner Pubertät hab ich natürlich Freundeskreis und Feinkostparanoia gehört. Inzwischen stehe ich auf vor allem auf technischen und inhaltlich anspruchsvollen Battle Rap á la Retrogott. Momentan sind es vor allem Beatbox-Subgenres und Loopartists wie Beardyman, Reggie Watts und die Beatboxer des Grand Beatbox Battle, die mich inspirieren. Viele von diesen Leuten sind omnibegabte Musiker, die Rap als Teilelement in ihren Stil einbauen. Letztere flashen mich momentan am meisten. Zu Guter letzt hab ich einfach zu viel zu sagen und Druck, der raus muss. Das heißt, ich muss quasi Rap machen, um klarzukommen. Die Textdichte war einfach schon immer da, obwohl ich krampfhaft versucht habe mich auf des Wesentliche zu reduzieren. Meistens wiederholen sich ja meine Inhalte: Wut und Kränkung. Aber der Schrott muss raus, wie eine Freundin von mir sagt. Letzten Endes habe ich durch meine Freunde von Bumm Clack Records begriffen, worum es mir in der Musik eigentlich geht: Gute Momente und Gedanken teilen, Ideale, sich frei musizieren und selbstbestimmt leben. 

That’s my motherf****** name… 

Mhm, ja ich heiß tatsächlich so. Mein Geburtsname ist Lisa Madalena Hollik.

Turn my music on…

Vocal-Liveloops! Momentan produziere ich alle Beats allein mit meiner Stimme, die ich dann durch ein Gerät durchschleife und effektiere. Auf diese Weise erzeuge ich die Subbassfrequenzen und anderen Schnickschnack. In Zukunft werde ich bestimmt auch Instrumente, d.h. die Gitarre und einen Synthie integrieren. Dann wären es quasi nur noch Liveloops oder Loopmusik. Aber bis dahin bleibt es Vocals only! Und als Topping kommt dann mein östrogenlastiger Sprechgesang drauf. Manchmal Rap, machmal Sprechgesang – je nach Neigung. Meine Beats speisen sich aus HipHop, Trap, DnB, Dubstep, Techno und Pop.

Yo see the difference … 

Ich hab ein sehr kompetitives Naturell und vergleiche mich echt gern mit meinem Umfeld. Gerade aus diesem Grund versuche ich andere Musiker inzwischen als würdige Konkurrenten wahrzunehmen, anstatt mich über sie zu erhöhen. Letzteres führt bei mir sowieso nur in die Paralyse. Aber hey, wenn ich mein wahres Ego sprechen lasse, klingt das in etwa so: Einzigartig bin ich, weil es niemanden gibt, der mein Gedankengut hat. Außerdem kenn ich im deutschsprachigen Raum keine Frau, die loopt, beatboxt, singt und rapt, das Ganze abmischen kann und sich auf eine Bühne traut. Denn ich bin damit schon aufgetreten, da klang die Chose noch echt kacke und rudimentär. Des Weiteren ist mir keine bekannt, die offenkundig so rachsüchtig und verbittert auftritt wie ich (lacht). Naja, und wenn jetzt doch eine kommen sollte, umso besser. Mehr von dem Zeug! Die Wahrheit ist hässlich, aber irgendwann kommt immer jemand, der dich toppt. Alles eine Frage der Zeit. Das nennt sich dann Evolution.

My brand new album/mixtape…

Mein Release liegt ja erst ein paar Tage zurück. Am 20. April kam die EP „Recycle dich selbst“ raus. Seit der Produktion im Winter hat sich allerdings sehr viel getan. Es gibt bereits neue Tracks und neuen Sound, den man sich definitiv live reinziehen sollte und der bestimmt auch auf einem Tonträger veröffentlicht werden wird. Aber jetzt kommt erstmal der Sommer in dem ordentlich Live-Erfahrung gesammelt werden muss.

I know what I want… 

Es wär schon ein Anfang, mich eines Tages als Beatboxerin bezeichnen zu können. Da geht noch so viel mehr und es ist auch das Element, was mich am meisten flasht. Außerdem will ich mehrsprachige Texte schreiben, die Welt erobern und Konzerte im Ausland spielen. Ja, Napoleon ist mein großes Vorbild. Das ist aber nur möglich mit mehr Zeit und die kostet bekanntlich Geld. Bis dato hab ich so viel Kohle in die Produktion und schlichtweg Üben gesteckt, dass „megapleite“ meine Situation nicht hinreichend beschreiben kann. An dieser Stelle also mein Appell an die Welt: Bucht mich, bezahlt mich und spread the word!  

Look into the future…

Eigentlich bin ich gelernte Dolmetscherin und spreche Spanisch, Englisch und Französisch. Mich juckts schon arg in den Fingern mich spontan zu verpissen und Portugiesisch zu lernen oder einfach voll spießig einen Master im Konferenzdolmetschen anzufangen. Aber wenn die Musik nicht mehr Priorität ist, werde ich womöglich noch eine seriöse Person (oh Lord). In meinem Kopf heißt es gerade “entweder…oder”, denn ich war schon immer fixiert auf eine einzelne Sache während einer bestimmten Lebensphase. Vielleicht ists ja auch ein Trugschluss und ich finde eine Lösung für mein Dilemma. In der systemischen Psychologie nennt sich das dann Tetralemma bzw. „sowohl als auch“. Aber wenn ich das geschafft hab, fang ich bestimmt eine Lehre als KFZ-Mechanikerin an, lasse mir das dritte Auge auf die Stirn tätowieren, oder werde wahnsinnig…

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