Hi My Name Is… Kong: „Ich würde mich freuen, wenn wir Hip-Hop für mehr nutzen, als für unsere eigenen egoistischen und materiellen Bestrebungen.“

Der 25-Jährige MC Kong lebt seit seiner frühen Kindheit in Deutschland. In Polen geboren, aufgewachsen in Berlin und Umgebung, kam er frühzeitig in Berührung mit sozialen Problemen und bewältigte diese mit Hilfe von Rap. Es dauerte nicht lange, da wurde die erste eigene Vorstadt-Crew ins Leben gerufen, Musik sowie Klamotten produziert und verkauft. Noch heute führt Kong ein eigenes Streetwear-Label in Berlin namens Tonklamotten. Beeinflusst von US-amerikanischen und französischen Artists, formte sich eine persönliche sozialkritische Haltung, die sich auch in seiner Musik zeigt. Kong hat immer viel Wert darauf gelegt, gesellschaftliche Missstände beim Namen zu nennen. Basierend auf diesem Ursprungsgedanken von Hip-Hop, entwickelte sich seine Kritik an der heutigen Szene, einhergehend mit der Forderung nach einer kritischeren Auseinandersetzung mit dem Zeitgeschehen. Auf den Spuren der Hip-Hop-Kultur reiste der Berliner unter anderem bereits nach New York und Paris. Während einer dieser Reisen entstand dabei das zuletzt veröffentlichte Musikvideo zu „Aggressionsbewältigungstherapie“ in der Stadt, die niemals schläft. Vor etwa einem halben Jahr, am 11. Dezember 2015, releaste Kong sein Album „Renegat“ – übersetzt: der Abtrünnige einer Weltanschauung, eine Art Widerstandskämpfer. Kong bleibt kritisch, engagiert und vor allem seinen Prinzipien treu. Es ist längst Zeit, dass er sich selbst vorstellt.  

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This is where I’m from…

Ich wurde in der wunderschönen Küstenstadt Kolobrzeg in Polen geboren. 1995 bin ich nach Deutschland bzw. Berlin ausgewandert, lebte einige Zeit in Bernau, doch bin seit 3 Jahren wieder im Herzen Berlins (Friedrichshain).

I know my roots…

Im Jahr 2003 fing ich im Alter von 13 Jahren an mit meinem damaligen Homie 21Jiyan erste Texte zu schreiben. Es war für mich eine außergewöhnliche Inspiration, da 21Jiyan als Kurde nach Deutschland geflüchtet ist und dementsprechend sehr viel zu erzählen hatte. So schrieben wir gemeinsam an ersten  Lyrics, um seine dortigen Erlebnisse hinsichtlich Verfolgung, Krieg und Armut zu verarbeiten. Einige Jahre später formierten wir uns mit einer Handvoll anderen MC’s aus Bernau zur Crew „Bernauer Ton“. Wir veröffentlichten Mixtapes, pressten CD’s, bedruckten T-Shirts und waren auf regionalen Veranstaltungen in Brandenburg live vor Ort.

You know my steez…

“You know my steez“ trifft schon den Nagel auf den Kopf, da ich ein sehr großer Fan von Guru und DJ Premier bin, welche eher die Sparte des „Conscious Rap“ bedienen. Maßgeblich beeinflusst hat mich ausschließlich US-amerikanischer und französischer Hip-Hop wie z.B. Wu-Tang Clan, The Notorious B.I.G., Nas, Busta Rhymes, Shurik’n, Vinnie Paz oder Big L. Vor allem aber Tupac Shakur, der für mich nicht nur MC, sondern hauptsächlich Denker war, inspirierte mich auf meinem Werdegang, da er sich für soziale Gerechtigkeit eingesetzt und sich für zivilen Ungehorsam stark gemacht hat. Dieser Einfluss spiegelt sich heute sehr in meiner Mucke wider, wie ich finde.

That’s my motherf****** name…

Mein erster MC-Name war NeoG. Irgendwann war mir das zu langweilig, deshalb fügte ich KnockOut davor (wegen der Punchlines und so). Das ganze wurde dann mit K.O.N.G. abgekürzt. Irgendwann hat sich jedoch Kong als Rufname eingebürgert, bedingt durch meinen eher komplizierten Vornamen. Und das bis heute.

Turn my music on…

Aktuell kursiert auf dem YouTube-Kanal von Splash! Mag mein neues Video namens „Aggressionsbewältigungstherapie“ (kurz „ABT“) – produziert wurde der Song von Vecz gemeinsam mit HawkOne. Der gute DJ Danetic hat ein paar dope Cuts dazu abgeliefert.

Yo see the difference…

Es geht mir vor allem um Skills, Substanz und Inhalte. Ich beziehe mich dabei auf die Ursprünge der Hip-Hop Kultur, da sie anfangs als Sprachrohr für gesellschaftliche Missstände und soziale Ungerechtigkeit, vorrangig in der schwarzen Bevölkerung, genutzt wurde. Von der heutigen „Easy-Content-Gesellschaft“ halte ich nicht viel, da ich die aktuell beliebten Themen wie Geld, Frauen, Drogen und Selbstbeweihräucherung im Jahr 2016 für überholt und unnötig halte. Im Hinblick auf globale Probleme, stetig wachsenden Fremdenhass, Überwachung, Aufrüstung und anderen gesellschaftlich relevanten Themen, sollten viel mehr Künstler auf diese Missstände aufmerksam machen, als immer nur spätpubertäre Klischees zu bedienen. Ich bin mir dessen bewusst, dass ich allein die Welt nicht verändern kann. Aber ich habe wenigstens die Möglichkeit meinen Mund aufzumachen und Menschen für Dinge zu sensibilisieren.

My brandnew album/mixtape…

Mein aktuelles Album “Renegat” kann man auf allen gängigen Onlineportalen wie iTunes, amazon und Spotify anhören und käuflich erwerben. Es erschien letztes Jahr im Dezember mit einer gleichnamigen Streetwear-Kollektion über mein eigenes Label „Tonklamotten“.

I know what I want…

Der Weg ist das Ziel. Es gibt kein absolutes Ziel auf das ich hinarbeite. Ich will das machen, was mir Spaß macht und mich nicht für andere verbiegen oder irgendjemandem in den Arsch kriechen, was heutzutage innerhalb der Hip-Hop-Szene leider Gang und Gäbe geworden ist. Allerdings würde ich mich freuen, wenn sich die Szene und die Hip-Hop-Medien mehr für gesellschaftliche und kritische Inhalte öffnen und wir Hip-Hop für mehr nutzen können, als nur für unsere eigenen egoistischen und materiellen Bestrebungen.

Look into the future…

Ich möchte nach meinem Debüt- und Konzeptalbum “Renegat” weitere Projekte in Angriff nehmen. Vorrangig konzentriere ich mich momentan auf den Ausbau meines „Tonklamotten.de“-Onlineshops. Es soll dabei um den gesellschaftlichen Mehrwert gehen, sprich: Kauf ein Shirt oder andere Klamotten und ein Teil des Betrages fließt in ein soziales Projekt deiner Wahl. Es wird dabei um Projekte für Obdachlose in Berlin, für Geflüchtete sowie für Jugendliche und Kinder gehen. Mehr möchte ich an der Stelle noch nicht verraten.

Fotos by RAWRules

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Renegat LP:
Tonklamotten
HHV.DE

Renegat Digital:
Amazon
iTunes
Spotify

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Moin, ich bin Freddy aus der besten Vorstadt Berlins: Bernau. Rapliebhaber, Fussballfanatiker, Sneakerfreak. Immer unterwegs durch die weitläufige Medienlandschaft. Jetzt bei BACKSPIN. #WKM$N$HG?

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