Hi my Name is… Kilay: „Der Künstler, der die triste Welt bunt macht“

Kilay

Kilay hat im vergangenen Jahr unter dem Titel „Selbsttherapie“ sein zehn Tracks starkes Mixtape veröffentlicht. Seit 2009 hat sich der Bremer bereits im Rap-Kosmos eingefunden und lebt seither seine Leidenschaft fürs Texten aus. Derzeit gibt es noch keinen Produzenten an seiner Seite, sprich die Lyrics finden auf simplen Beats statt – Dementgegen steht der lyrische Charakter seiner Musik, von der seine Musik lebt. Das Mixtape „Selbsttherapie“ steht hier zum Download zur Verfügung. 

HI MY NAME IS KILAY

This is where I’m from…

Geboren bin ich 1992 in Georgsmarienhütte, südlich von Osnabrück und mit fünf Jahren in die beschauliche Gemeinde Stuhr, kurz vor Bremen, gezogen. Ich komme weder aus einem Elternhaus das übermäßig viel, noch aus einem das wenig Geld hat – ich sag mal so: Ich konnte mich nie beklagen. Das haben eher die Lehrer bei meinen Eltern gemacht. Von den Mitschülern geliebt – sofern sie nicht wieder einem meiner Streiche ausgesetzt waren, von den Lehrern gefürchtet. Ich habe schon immer meinen Mund aufgemacht und meine Meinung kundgetan. „Der freche, vorlaute Junge mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn.” Früh fing ich an Texte zu schreiben: Erst Strafarbeiten, später eigene Songtexte.

I know my roots… 

Aus meinem ersten Text, ein Liebesgedicht im Rahmen des Deutschunterrichts in der 6. Klasse, wurde schnell mein erstes Lied. Das Instrumental und den Text habe ich mit dem MP3-Player aufgenommen. Ich sehe mich nicht als den dichtenden Rapper, sondern als den rappenden Dichter, da ich sehr viel Wert auf Reimstrukturen und das Versmaß lege. Nach den ersten Versuchen mit dem Headset Mikrofon einen Track aufzunehmen, habe ich schnell gemerkt, dass was Neues her muss. Richtig angefangen zu Rappen habe ich 2009 mit meinem ersten eigenen Mic. Das Equipment zum Aufnehmen ist bis heute gleich geblieben. Leider auch die Freebeats auf denen ich meine Texte zum Besten gebe. Ich sehe Rappen als Hobby und versuche nicht auf Teufel komm raus Geld damit zu verdienen. Ich habe andere Prioritäten im Leben, was im Umkehrschluss meiner Musik sehr gut tut.

“Ist die Zukunft geritzt und in trockenen Tüchern
ist mein Kopf frei, ich chill‘ im Blockhaus in Island
entspannt auf der Veranda hab ich Bock drauf und liefer
der Zuhörerschaft einfach locker paar Lieder”

You know my steez… 

Inspiriert vom „Zuhältertape 3“ von Kollegah, bin ich ständig auf der Suche nach Zweideutigkeiten, um einzigartige Punchlines zu kreieren.

Meine Wurzeln sehe ich deshalb im Battlerap. Ich verbringe viel Zeit damit an meinen Texten zu pfeilen und sie technisch perfekt auf den Beat zu bringen. In allem was ich tue bin ich sehr genau und egal was ich anpacke es wird gewissenhaft gemacht. Wenn ich also Texte schreibe brauche ich meine Ruhe, schotte mich von der Außenwelt ab und lebe in meiner eigenen.

„Bei meiner Kunst gilt die Regel: Perfektion ist Muss”

Ich sehe mich nicht als typischen Battlerapper, zumal ich nicht freestylen kann und ich noch andere Facetten besitze. Die Musik ist mein Sprachrohr. Wenn mich ein Thema also so sehr beschäftigt, dass ich einen Song darüber schreiben will, ist es mir auch egal ob er melancholisch oder cheesy wird. Ich mache das, worauf ich gerade Bock habe und nicht das was gerade gut ankommt.

That’s my motherf****** name… 

Kilay [kɪˈleɪ] aka. Deutschraps Picasso: Der Künstler, der die triste Welt bunt macht

Turn my music on… 

Da ich mich bislang eher im Hintergrund aufgehalten habe und wenig von meinem Stuff den Weg ins Internet gefunden hat, kann ich nur auf meinen YouTube Channel verweisen, auf dem es mein Mixtape zu hören gibt, sowie ein paar ältere Tracks. Wie bereits erwähnt halte ich mich lieber etwas im Hintergrund auf und wenn es dann soweit ist wird das Feuerwerk gezündet. Frei nach dem Motto: Totgesagte leben länger.

Yo see the difference…

Was mich von vielen anderen Rappern unterscheidet ist, dass ich nicht der Selbstdarsteller bin der immer im Mittelpunkt stehen will. Ich mag es nicht, dass andere Leute von mir denken, dass ich mich zu geil fühle. Diese Eigenschaft ist aber auch negativ behaftet, da ich bisher kaum live Auftritte hatte bzw. mich nicht darum bemüht habe an Openmics zu rappen. Wie anfangs bereits erwähnt bin ich ein kleiner Perfektionist und wenn ich auf die Bühne gehe muss ich mir dabei zu hundert Prozent sicher sein. Das geht wiederum mit viel Aufwand einher, den ich bislang noch nicht aufgewandt habe, bislang!

My brand new album/mixtape… 

Mein aktuellstes Werk wurde bereits oben schon angesprochen -Mein erstes und bisher einziges Release “Selbsttherapie”. Das war meine zweite etwas größere Investition, nach dem Aufnahme-Equipment von 2009. Das Pressen einer 100 CD starken Auflage hat für mich eigentlich nur den Zweck gehabt, etwas in den Händen halten zu können, was ich später vielleicht mal meinen Kindern zeigen kann und um meinen Kumpels eine Freude zu bereiten. Das Mixtape besteht ausschließlich aus Freebeats, das Mixen und Mastern habe ich übernommen.
Das Intro des Mixtapes mag für den Ein oder Anderen sehr ausgeluscht sein, hat aber für mich und meine Situation zu hundert Prozent gepasst und war eine super Überleitung zum melancholischsten Track, den Titeltrack des Tapes „Selbsttherapie”. Die wichtigste Erkenntnis in den letzten 4 Jahren für mich war, dass nach schlechten Zeiten auch wieder gute kommen und umgekehrt. Alles auf der Welt verläuft in Sinuskurven: Nach jedem Hoch- kommt ein Wende- und dann ein Tiefpunkt. Ob es die Blätter am Baum sind, die wachsen und dann wieder herunterfallen, die Sonne die auf- und untergeht oder einfach der Wasserpegel in der Weser, der durch die Tide steigt und sinkt. “Pech bringt Glück mit sich.” Aus jedem Fehler oder Misserfolg wird man klüger und man macht es beim nächsten Mal besser bzw. anders.

Viele Leute denen ich das Mixtape gezeigt habe, haben mir gesagt, dass viele der Songs das Kiffen thematisieren. Ja, stimmt! Das Thema hat mich zu der Zeit sehr beschäftigt und ich habe mich ausführlich mit der Wirkung auf meinen Geist auseinandergesetzt. Ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass man Kiffen kann, wenn man ein Ziel verfolgt. Ich bin abends nach Hause gekommen, abgefuckt von der Ausbildung, von der ich schnell wusste, dass sie nichts für mich ist, aber ohne Idee da stand, was ich stattdessen machen soll. Bei dem Gedanken an die Zukunft war ich deprimiert, weil ich mich perspektivlos gefühlt habe. Durch das Kiffen rückten diese Gedanken in den Hintergrund. Verdrängung ist aber nicht die Lösung des Problems und so wurde ich immer unglücklicher. Um seine Zukunft in eine neue Richtung zu lenken braucht man einen klaren Kopf und den hatte ich durch das Kiffen nicht. Ich beschloss damit aufzuhören und mir ernsthaft Gedanken über meine Zukunft zu machen. Als ich geschafft habe meinen Chef davon zu überzeugen mir die Verkürzung meiner Ausbildung um ein Jahr zu ermöglichen, war das für mich der Wendepunkt. Ich wusste dass die Ausbildung bald ein Ende hat, hatte einen klaren Kopf und konnte mich auf neue Wege konzentrieren. Nun studiere ich, hab einen Plan den ich verfolge und bin glücklich. Im Moment könnte es nicht besser laufen.

I know what I want…

Erwartungen habe ich recht wenig, denn wer wenig erwartet kann auch nicht enttäuscht werden. Ich mache Mukke wenn ich gerade Bock drauf habe und wenn sich daraus was entwickelt, ist das gut – Wenn nicht, dann halt nicht. So einfach ist das.

Look into the future… 

Ich habe viele Lieder fertig und bin noch auf der Suche nach einem Produzenten der mein Potential sieht und mit mir was Größeres auf die Beine stellen will. Bis dahin bin ich auf mich alleine gestellt, was bislang auch ganz gut geklappt hat. Ich habe erst ein Mixtape hochgeladen, wer da hohe Erwartungen hat, leidet unter Größenwahn.

Ich bin mir aber sicher, wenn ich mich nur auf das Texten konzentriere und im Hintergrund jemand anderes die Fäden zieht, dass dann etwas viel größeres entstehen könnte.

Die kleinen Ziele die ich mir selber stecke sind, dass ich hier und da mal auf ein paar Bühnen auftrete um mich auch live zu präsentieren.

 

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