Hi, My Name Is: Kay Grey

This is where I’m from …

Ich bin als Mischlingskind eines deutschen Vaters und einer Kapverdischen Mutter im Hamburger Stadtteil Ohlsdorf aufgewachsen, bis ich in die Grundschule kam. Dort war ich allerdings nicht sehr beliebt. Aufgrund meiner Hautfarbe hat man mich gehänselt, ich war Außenseiter. Zu dieser Zeit habe ich mir sogar gewünscht, weiß zu sein.

I know my roots …

Wir zogen um, ich wechselte die Grundschule und meine neue Klasse war nun multikulti. Meine Hautfarbe spielte also keine Rolle mehr. Der Beliebteste in dieser Klasse war ein Schwarzer, den ich sogar noch aus dem Kindergarten kannte. Ich hing oft bei ihm zu Hause ab, wo ich seinen großen Bruder EVQ näher kennenlernte. Er lehrte mich, stolz auf die afrikanischen Wurzeln zu sein. Er zeigte mir Hip-Hop als Kultur der Schwarzen und ich war völlig begeistert. Endlich musste ich mich nicht mehr schämen, dass aus meinem Kopf schwarze Locken wachsen. Ich lies sie mir zu Cornrows flechten, kam mit weiten NBA-Anzügen zur Schule und war verdammt noch mal stolz drauf. Zu diesem Zeitpunkt wünschte ich mir, schwarz zu sein.

2002 kam der Film 8 Mile und ich fing an, Wörter aneinanderzureimen, die keinen Sinn ergaben. Ich blieb aber dran und viele, die sich mir angeschlossen hatten, konnten mir nicht mehr folgen, weil sie Rap nur als eine Nebensache sahen. Ich wechselte die Schule und lernte meinen Homie Daniel (Unixextrim) kennen, der heute einen Großteil meiner Beats produziert. Wir bauten uns bei ihm ein Homestudio, drehten ein Video zu Meine Schulzeitund stellten es auf YouTube als unser gemeinsames Schulprojekt. Im Nachhinein betrachtet denke ich, dass der Track technisch echt schlecht ist, aber ich habe schon damals lieber aus meinem Leben erzählt, als irgendeinen Stadtteil zu repräsentieren. Ich bin Hamburger, das reicht! Heute sind unter anderem Alcino, Booz und Hazzard meine Rap-Homies.

You know my steez …

Damals habe ich nur amerikanischen Hip-Hop gehört. Überwiegend Eminem und 50 Cent! Bis mein Bruder mir eine gebrannte Bushido-CD in meinen Discman legte und ich Deutschrap für mich entdeckte. Mit der Zeit lernte ich dann mehrere Rapper kennen, die mich prägten. Wenn du mich vor zwei Jahren gefragt hättest, wer mein Lieblingsrapper ist, hätte ich ohne zu zögern Samy Deluxe geantwortet, aber mittlerweile stehen für mich auch Eko Fresh, MoTrip, BOZ, PA Sports, KC Rebell, Kianush und SSIO an der Spitze. Ich finde es einfach krass, wie vielfältig guter Deutschrap geworden ist! Ich kann auch jedem Rapper nur dazu raten, sich von dem einen oder anderen Inspiration zu holen, sich aber thematisch nur auf sich selbst zu konzentrieren. Denn ich bin der Meinung, man sollte immer real bleiben.

That’s my motherf****** name …

Mein Künstlername ist Kay Grey. Mein bürgerlicher Name ist Kevin, deshalb Kay. Zu Grundschulzeiten nannte ich mich Lil-Kay, doch als ich älter wurde, war es ja nur noch eine Frage der Zeit, bis das „Lil“ aus meinem Namen verschwand. Also suchte ich nach einem Wort, das ich hinter das Kay setzen konnte und Kay One gab’s da ja schon. Hm, vielleicht Kay Black? Nein, ich bin ja halbschwarz! Vielleicht Kay Brown? Nein, das erinnert mich zu sehr an Chris Brown. Und welche Farbe kommt raus, wenn man Schwarz und Weiß mischt? Genau: Kay Grey!

Turn my music on …

Ich höre eigentlich überwiegend Deutschrap, ansonsten von den Amis wie gesagt Eminem und 50 Cent. Und R. Kelly. Ich feiere R&B übelst. Auf Deutsch ist Jonesmann meiner Meinung nach der King of R&B.

Yo‘ see the difference …

Wenn ich mich irgendwo einordnen müsste, würde ich mich jetzt nicht in die Backpacker-Schublade schmeißen. Ich find’s zwar cool, wenn du freestylen kannst, aber mir geht es eher darum, ob du auch coole Tracks schreiben kannst mit einer Ohrwurm-Hook, die den Inhalt on point transportiert. Allerdings würde ich mich auch niemals als Gangsta-Rapper betiteln. Ich meine, kleinkriminell waren wir alle mal, aber das ist noch lange nicht alles, wovon ich berichte.

My brand new album/mixtape …

Mein aktuelles Release ist die „Dummkopf EP“ von 2013. Es ist mein erstes Release. Produziert wurden alle Beats von Unixextrim. Ich arbeite momentan an meinem zweiten Release. Es wird ein Mixtape, auf dem dieses Mal auch andere Produzenten drauf vertreten sein werden, PhreQuincy zum Beispiel. Ich sammle aber noch Tracks, ein paar davon kann man sich auch schon auf meinem YouTube-Kanal reinziehen.

I know what I want …

Ich will mein Mixtape erst rausbringen, wenn es perfekt ist. Ich versuche, viele Erfahrungen zu sammeln, um möglichst viele Lebensbereiche anzusprechen. Denn ich rappe über nichts, was ich nicht erlebt habe.

Look into the future …

Ob ich jetzt nun Karriere mache oder nicht: Ich werde bis zum Tod rappen!

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Freier Redakteur und Mitgründer von Locke & Bart – Music | Fashion | Art

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