Julian Philipp David: „Mein heimliches Ziel: Die deutsche Popmusik textlich nach vorne ficken“

hi my name is julian philipp david

Wer seine BACKSPIN-Hausaufgaben gemacht hat, weiß das wir in der Kategorie „Hi, my name is…“ Newcomer vorstellen und euch so vielleicht Künstler zeigen, von denen ihr wünscht sie früher gekannt zu haben. Dies ist auch bei unserem heutigen Artist nicht anders. Julian Philipp David bezeichnet seine Musik selbst als „Songwriter-Rap“ und das trifft den Nagel auf den Kopf. Reflektierte Texte gepaart mit melodischem Gesang und Rap-Parts, aber das wird er euch gleich selbst erzählen. Während seines Tourabschlusses in Hamburg hat er außerdem ein besonderes Special gehabt: Ein Cover zum letztjährigen Beginner-Hit „Ahnma“, das ihr euch unten ansehen könnt. Insgesamt hat Julian euch viel zu erzählen, also will ich euch nicht länger aufhalten.

 

Hi my name is…Julian Philipp David

This is where I’m from…

Ich bin in Au aufgewachsen, ein kleines Dorf in Fahrraddistanz zu Freiburg. Viel Idylle, viel Tratsch, aber selten was los. Zum Aufwachsen echt ein schöner Fleck, aber nach dem Abi hatte ich erstmal genug und bin für Kontrastprogramm und Studium nach Mannheim gezogen. Mit dieser Entscheidung bin ich auch heute, fast 5 Jahre später, immer noch sehr glücklich.

 I know my roots…

Im Musikverein zu sein war bei uns im Dorf das soziale Nonplusultra. Dafür hab ich mit 12 Jahren Trompete angefangen, nur um schnell zu merken, dass das ne Quatschidee war. Ausgetreten, aber bei der Trompete geblieben. Irgendwann mit 14 oder so hab ich Deutschrap für mich entdeckt, die ersten Texte geschrieben, Beats bauen gelernt und eine Band gegründet. Alles richtig Hip-Hop: Silbenzählen, Sechzehner schreiben und schlechte Graffiti. Mit der Band dann alle relevanten ersten Male abgefrühstückt und bis zum Abitur unterwegs gewesen. In Mannheim eine neue Band gegründet, diesmal dann alles ein bisschen professioneller, erwachsener, ernster und so. Als wir uns nach drei Jahren aufgelöst haben, war mir klar, dass ich ab jetzt zum ersten Mal Solo und unter meinem eigenen Namen weitermachen will.

You know my steez…

Der große Bruder meines besten Kumpels hat uns irgendwann einen Spindel gebrannter Rohlinge mitgebracht. Deluxe Soundsystem, Bambule, Esperanto, Großes Kino, solche Sachen. Das war der Shit und sowas wie der erste Grundstein meines Musikgeschmacks. Schwupps, war ich drin. Dazu kam, dass ich schon immer eine ganz gute Schreibe hatte und mir dessen auch schon früh bewusst war. Die Kombi aus Musik machen und kreativem Schreiben muss es gewesen sein, die dieses Rap-Ding für mich so spannend gemacht hat. Kreative, handwerklich und stilistisch gelungene Songtexte auf Deutsch gab es nun mal fast nur im Hip-Hop und sind auch heute noch im Pop – leider – nur sehr rar gesät. 

That’s my motherf****** name…

Wieviel Zeit ich in meinem Leben schon für die Suche nach vernünftigen Bandnamen verschwendet habe, alter. Die drei Namen jetzt haben mir meine Eltern bei der Geburt verpasst. Zwei davon sind dann für gute zwei Dekaden ein bisschen hintenangestanden und jetzt hab ich sie halt wieder ausgepackt. Meine Songs, meine Namen. Und: Ich bin so gespannt, wie das auf Festivalplakaten aussieht. Passt das überhaupt drauf? Schubse ich andere Künstler eine Zeile runter?

Turn my music on…

Die Basis ist immer Hip-Hop, da könnt ihr sagen was ihr wollt. Die Art, wie ich für mich Songideen entwickle, Zeilen schreibe und reime. Aber ich habe halt meine alten Hip-Hop-Regeln irgendwann gestrichen, das ist der Unterschied zu früher. Ich nenne es Songwriter-Rap. Wenn ich es für richtig halte, singe ich die erste Strophe und rappe dann den Chorus oder eben vice versa. Einzige Regel: Alles für den Song! Dadurch dass ich den Großteil meines musikalischen Lebens von einer Band mit „echten“ Musikern umgeben war, sind meine Songs häufig sehr organisch. Echte Drums, Gitarren, Keys + X. Textlich vielleicht manchmal ne Ecke zu verkopft, aber immer auf der Jagd nach der perfekten Zeile. Ah, manchmal überkommt es mich dann doch wieder und man kann Dende-mäßig Silbenzählen. Das kriegt man einfach nicht so richtig abgeschüttelt. Mein heimliches Ziel: Die deutsche Popmusik textlich nach vorne ficken.hi my name is julian philipp david

Yo see the difference…

Für Rap zu Pop und für Pop zu verkopft. Klingt erstmal nach einem unbequemen Lotussitz zwischen den Stühlen, aber mir gefällt es da ganz gut.

My brand new album/mixtape…

Meine aktuelle Single „Traurige Kids“ ist seit Februar draußen und der erste Vorbote von meinem Album, das wir grade fertig machen. Ein konkretes Releasedate gibt es aber noch keins. Man hat ja nur ein Debütalbum und da muss dann zu 100% alles sitzen, bevor man das veröffentlicht. Aber die Songs stehen alle, wir sind in den letzten Zügen der Produktion. Ewig kann das gar nicht mehr dauern. Solange einfach mal meine „Herbst EP“anhören, ha?

I know what I want…

Das schönste Kompliment, was man mir geben kann, ist: „Geiler Satz, wieso bin ich da nicht selber draufgekommen.“ So sehr man sich auch einreden will, dass man das alles nur für sich tut. Am Ende macht es nur halb so viel Spaß, wenn das, an was man tage- und nächtelang arbeitet, nicht auch irgendwo resoniert. Ich habe das Glück, das ich mittlerweile ein paar sehr reflektierte Hörer gefunden habe, die meine Musik, meine Themen und meine Art, Dinge aufzuschreiben zu schätzen wissen und hoffe, dass da über die Zeit noch ein paar dazukommen. Wenn ich mich weiter so kreativ austoben kann wie bislang, bin ich ein ziemlich glücklicher Mensch. 

 Look into the future…

Ich will das Album fertig machen und dann mal wieder in den Urlaub fahren. Das kam die letzten drei Jahre leider ein bisschen zu kurz. Den Rest lasse ich auf mich zukommen, das hat bisher immer ganz gut geklappt.

Wer jetzt Lust bekommen hat, sich Julian Philipp David in audiovisueller Form reinzuziehen, kann dies hier in der Form seines neusten Videos „Traurige Kids“ tun. 

 

Fotocredits: Christoph Köstlin/Vertigo Berlin

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