Hi My Name Is… Joe Madog: „In Bezug auf Hip-Hop würde ich mir wünschen, dass es ein bisschen mehr Ehrlichkeit und ein bisschen weniger Imagepflege gibt.“

Deutschland, Frankreich, England – Joe Madog aus Berlin hat die unterschiedlichsten Kulturen kennengelernt. Auf seiner Reise wurde er immer von Hip-Hop begleitet und geprägt. Ob französische Künstler oder US-amerikanischer Rap – der heutige Straßensozialarbeiter war stets von der subkulturellen Szene umgeben und beeinflusst. So dauerte es auch nicht lange bis Joe Madog selbst zu Stift und Papier griff und später seine Crew fand. Der Mensch außerhalb der Obhut Gottes droppte am 17. Juli sein Soloalbum „Auf alles was sonst nicht ist“. Der Berliner hat definitiv eine Menge zu erzählen und stellt uns seinen persönlichen Werdegang vor. Dabei spricht Joe Madog unter anderem über seine ersten musikalischen Schritte, welcher Gedanke hinter seinem Künstlername steckt, welche Bedeutung Hip-Hop für ihn personlich hat und worum es ihm in der Musik im Wesentlichen geht.  

JoeMadog

This is where I’m from…

Ich bin 1982 in Berlin-Tempelhof geboren. Allerdings bin ich mit 10 erst nach Strasbourg und dann nach Paris gezogen und hab da einige Jahre verbracht, bevor ich zurück nach Berlin kam. Mit 16 bin ich dann für 5 Jahre nach London gezogen. Seit über 10 Jahren wohn ich jetzt schon in Kreuzberg.

I know my roots…

Mit 12 hab ich meine ersten größenwahnsinnigen Texte geschrieben. Relativ „wack“lige erste Schritte. Als ich nach Berlin zurück kam, traf ich unter anderem auf Leute wie Yambeestar, Kaveh und FONZ, MCs, dank denen ich Hip-Hop in Berlin kennen lernte. Die meisten MCs um mich rum haben damals auf Französisch gerappt. Die ersten Aufnahmen machte ich auf dem Küchenradio meiner Mutter, bei dem man record und play noch gleichzeitig drücken musste, da zu der Zeit nicht jeder Zweite ein Homestudio hatte. 1999 enstand die Crew Temoins du temps oder Zeugen der Zeit, die bis heute meine zweite Familie ist, allerdings in anderer Besetzung. Mit einigen war irgendwann nicht mehr so viel Kontakt, dafür kamen andere mit rein. Namentlich die MCs und Producer Akira und Rock-L, sowie die Sängerinnen Dahlida und Caro. Die sind auch heute noch Teil der Crew.

You know my steez…

Ich wurde während meiner Zeit in Paris mit dem Hip-Hop-Virus angesteckt. Es waren die frühen 90er und so waren meine ersten Einflüsse Crews wie IAM, Fonky Family, SagesPoetes de la rue, NTM und La Cliqua. Die französische Szene war schon immer sozialkritischer und politischer als die deutsche, vor allen Dingen aber auch dreckiger und mit ner saftigen Portion Melancholie. Das hat auch meine Mucke extrem geprägt, bis heute. Erst später kam US-Rap mit dazu. Besonders Redman, The Roots, Mos Def, Dead Prez usw. Die Liste könnte ich ewig weiterführen.

That’s my motherf****** name…

Bis vor kurzem hieß ich nur Madog. Das hatte mehrere Gründe. Das MadDogging ist ja eigentlich die Kunst, sich in die Augen zu sehen und darin zu lesen, mit was für einem Gegenüber man es zu tun hat. Ich hab daraus ein Spiel gemacht und wildfremden Leuten in der U-Bahn solange in die Augen geguckt, bis es eine Reaktion gab. Manche werden aggressiv aber manchmal ist das auch ein direkterer Weg mit jemanden in Kontakt zu treten als dieser ganze Smalltalk-Bullshit. Viele meiner Leute nannten mich aber auch einfach so weil ich unterwegs ab einem bestimmten Level ein bisschen die Kontrolle verlor und eben zu einem Madog wurde. Dabei steht M.A.D.O.G. eigentlich für Mensch außerhalb der Obhut Gottes, was soviel heißt wie: Solange man auf der Erde ist, ist man für sein eigenes Handeln selbst verantwortlich. Das Joe, meinen eigentlichen Namen, hab ich erst kürzlich vorne dran gepackt, weil Madog eben nur noch einen Teil meines Ichs ausmacht.

Turn my music on…

Am 17. Juli 2016 erschien mein Soloalbum „Auf alles was sonst nicht ist“, an dem ich jetzt weit über 4 Jahre rumgedoktort habe. Drei Videos sind davon schon veröffentlicht: „Mind Of A Child“, „Rooftops“ feat. The Trommelfellas und „Fenster auf Klapp“ feat. Kaveh. Das vierte Video folgt bald. Außerdem kam 2014 das letzte Zeugen der Zeit-Album namens „N wie Knowledge“ raus. Kann man alles online hören.

Yo see the difference…

Als ich mit dem ganzen Hip-Hop-Ding anfing, kam es mir so vor, als wären die Elemente noch viel mehr miteinander vernetzt. Es war das Gefühl einer gemeinsamen Bewegung, einer Gegenkultur zur Leitkultur. Ich will nicht von guten alten Zeiten labern aber aus diesem Grund war diese Kultur für mich immer etwas politisches, etwas positives. Ich glaube, dass Hip-Hop noch immer diese Macht hat, die aber viel zu selten genutzt wird. Ich bin Straßensozialarbeiter und arbeite seit Jahren mit Hip-Hop als Medium. Das heißt, ich sehe jeden Tag, wie junge MCs die Kultur als das sehen, als das ich es früher auch genutzt habe. Als Punching Ball, als Selbsttherapie, als identitätsstiftende Kraft. Wir haben über Projekte einige Kontakte zur Zulu Nation in NYC aufgebaut, und deren Ansätze sind die, denen ich mich am meisten verbunden fühle. Insbesondere sollte das fünfte Element einigen Leute wieder bewusster werden, das im Zentrum steht: Knowledge. Aber das heißt auch nicht, dass jeder das so halten muss. Das Gleichgewicht ist für mich wichtig.

My brand new album/mixtape…

Wie erwähnt, ist mein Album “Auf alles was sonst nicht ist” am 17. Juli erschienen. Am Freitag, dem 15. Juli war die Record Release Party im Kaffee Burger in Berlin. Ich bin nach langer Arbeitszeit jetzt auch verdammt zufrieden mit dem Ding, weil ich glaube, dass es ein breites Spektrum meiner persönlichen Facetten, Gedanken und Macken wiederspiegelt. An der Stelle nochmal demütige Props an Rock-L und das Impuls-Studio für den ganzen Hustle. Bestellen kann man es direkt bei mir oder beim Online-Händler des Vertrauens.

I know what I want…

„Hope for the best but prepare for the worst“. Das ist eigentlich auch meine Herangehensweise. Ich hab keine Erwartungen. Da ist das Wort Warten mit drin, d.h. dass einem das Glück einfach zufliegen soll. Ich will lieber etwas dafür tun, dass sich etwas bewegt. In Bezug auf Hip-Hop würde ich mir wünschen, dass es ein bisschen mehr Ehrlichkeit und ein bisschen weniger Imagepflege gibt. Aber wenn man tiefer gräbt, findet man immer noch dope Sachen. War immer schon so, dass die besten Sachen nicht unbedingt im Mainstream zu finden sind.

Look into the future…

Es gibt nicht wirklich einen festen Plan. Ich will die Musik machen, die mir gefällt, ohne Rücksicht auf Trends, Klicks oder sonstwas. Gott sei Dank hab ich einen Job und bin daher nicht von der Musik abhängig, um meine Familie ernähren zu können. Ein Anliegen ist auf jeden Fall, junge Menschen an die Hip-Hop-Kultur heranzuführen, sie zu motivieren, diese als Plattform zu sehen, um sich auszudrücken und ihren eigenen Weg zu gehen. Eigentlich geht es mir im Großen und Ganzen nur darum, ein bisschen Positivität zu verbreiten, in einer Gesellschaft, in der das Negative die Schlagzeilen beherrscht. Außerdem will ich für meine Kinder da sein und möglichst viel Zeit mit Musik, Freunden und meiner Familie verbringen. Hört sich simpel an, ist es aber tatsächlich nicht immer.

JoeMadog Cover

Joe Madog – „Auf alles was sonst nicht ist“ auf Amazon

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Moin, ich bin Freddy aus der besten Vorstadt Berlins: Bernau. Rapliebhaber, Fussballfanatiker, Sneakerfreak. Immer unterwegs durch die weitläufige Medienlandschaft. Jetzt bei BACKSPIN. #WKM$N$HG?

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