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Hi My Name Is… HeMightBe und Katharsis: „Soll’n die andern halt auf Trap rappen und zu Vollidioten nett sein.“

Zahlreiche Releases liegen hinter Rapper Katharsis aus dem Funkverteidiger-Camp und Produzent HeMightBe. Ersterer kann auf ganze zehn Veröffentlichungen zurückblicken und auch HeMightBe befand sich in der Vergangenheit abseits der Untätigkeit. Somit sind die beiden Künstler strenggenommen keine Kandidaten für dieses Format, liegt der Begriff ‚Newcomer‘ doch weit entfernt von den beiden Leipzigern. Dennoch releasen sie in dieser Formation erstmalig ein Album namens „Kathedrale“, welches am 12. August erscheinen wird, und nahmen sich bei dieser Gelegenheit die Zeit, sich vor- und den Fragen zu stellen.

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Foto: Alena Sternberg

This is where I’m from…

H: Geboren wurde ich 1985 im beschaulichen Erzgebirge. Mit 23 bin ich dann nach Leipzig gezogen, wo ich auch heute noch (sehr gerne) lebe.

K: Tatsache bin ich ebenfalls im Erzgebirge geboren. Habe jedoch mittlerweile in Berlin, Hamburg, UK und so weiter gelebt. Bald werde ich viel Zeit in Wien verbringen. Leipzig ist aber der Hafen, in den ich immer zurückfinden werde.

I know my roots…

H: Angefangen habe ich eigentlich als Rapper. Mit 14 habe ich meine ersten Texte geschrieben, mit 16 die ersten Songs aufgenommen. In den Jahren darauf habe ich regelmäßig Songs und Alben raus gehauen und war auch viel auf verschiedenen Bühnen in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt zu sehen – das allerdings alles noch unter einem anderen Namen. Beats habe ich währenddessen auch angefangen zu bauen, allerdings eher nebenbei. Seit 2011/2012 ist die Sache mit den Beats aber immer mehr zu meiner Hauptaufgabe geworden. Ich rappe mittlerweile gar nicht mehr.

K: Ich war eher im Punk und Metal unterwegs. Hatte da auch mal so ne Krachband. Rap fokussiert sich ja auch auf mal schleppende, mal ballernde Loops, war also kein wirklicher Systemwechsel. Odd Job hat mir dann gezeigt, wie und womit ich aufnehme. Viele Biere später befinden wir uns im Jetzt. Wenn man ’nen Deal hat, sind die Menschen netter zu einem. Manchmal muss ich mein Bier jetzt nicht mehr bezahlen. Das Leben ist groß.

You know my steez…

H: Anfangs war ich fast ausschließlich von HipHop beeinflusst. Vor allem Premier, Timbaland, Havoc, Erick Sermon, Cool & Dre, Hi-Tek und die Neptunes haben mich damals als Produzenten am meisten beeindruckt. Mittlerweile hat sich das aber komplett geändert. Wer mich heutzutage inspiriert, sind Leute wie Moderat, arca, Tua, Nils Frahm, Max Cooper, Ah! Kosmos, Throwing Snow, Lorn oder Jon Hopkins. Ich finde es einfach faszinierend, wenn Leute mit unterschiedlichen Genres spielen und ihren eigenen Weg gehen.

K: Ich versuche die meiste Musik, die mich nicht betrifft, zu ignorieren. Das klappt super. Hin und wieder besuchen mich Freunde und dann arbeiten wir im ’ner Suffsession Youtube ab und lachen lang und laut. Hin und wieder findet man freilich auch Gutes. Shackes Album habe ich neulich beim Malern meiner heruntergekommenen Wohnung rauf und runter gehört.

That’s my motherf****** name…

H: HeMightBe. Mehr möchte ich dazu eigentlich auch gar nicht sagen!

K: Katharsis oder auch Johnny Katharsis. Wobei sich Katharsis nachschlagen lässt und John mein echter Name ist. Inzwischen können Katharsis auch einige Leute richtig aussprechen. Ist ja auch ein deutsches Wort. Da freue ich mich immer. Und inzwischen wissen auch Frau Schmidt und ihre Katze, dass man Dschonnie sagt und nicht Yonnie.

Turn my music on…

H: Wer meine Musik mag, kann sie auf jeden Fall in verschiedenen Lebenslagen aufdrehen. Ich bastle einerseits sehr gern elektronisch-sphärische Sachen. Manchmal muss es aber auch einfach übertrieben knallen! Beides wird auf den nächsten Releases auf jeden Fall zu hören sein.

F: Mucke aufdrehn, um Plenums-Nörgler zu ärgern. Um in den Sommer zu fahren (Geht zu jeder Jahreszeit). Um miesem Konsumgeilheitsmodenschaurap die Meinung zu geigen. Um die letzte Nacht zu rekonstruieren.

Yo see the difference…

H: Was mich von anderen Produzenten unterscheidet, müssen definitiv andere beurteilen. Ich kann nur sagen: Mein größtes Ziel als Beatbastler war es immer, meinen eigenen Stil zu finden. Und ich denke, dass ich da gerade auf einem ganz guten Weg bin.

K: Was mich von anderen Rappern unterscheidet? Dass ich weiterhin keinen Fick gebe. Das hat mir schon viele Chancen verdorben. Aber scheiß drauf. Soll’n die andern halt auf Trap rappen und zu Vollidioten nett sein.

 

My brand new album/mixtape…

H: Mein aktuelles Release ist ein Album namens „Kathedrale“, dass ich für den Leipziger Rapper Katharsis produziert habe. Die Platte ist sehr emotional, umfasst sehr aggressive, aber auch extrem deepe Songs. Was den Sound betrifft, so habe ich hier sowohl mit Synthies als auch mit Samples gearbeitet. Außerdem finden sich darauf zahlreiche Gitarrenparts. Ansonsten sind die Beats untereinander, glaube ich, ziemlich verschieden, ohne dass dabei aber der rote Faden verloren geht. Einige Sachen sind klassisch rapmäßig, andere ein bisschen indie-like und wiederum andere eher so Weltraum ;).

K: Da wir vom gleichen Album sprechen, ist dem nichts hinzuzufügen. Außer dass ich direkt beim Schreiben weniger Drogen genommen habe, als man vielleicht annimmt. Ein bisschen zumindest. Ach so… Luftrespektsbekundungsschüsse an Chris, der die Gitarren eingespielt hat. Das Album könnte also auch „Katharsis & HeMightBe & Chris – Kathedrale“ heißen. Susanne Wagner hat auch ein super Cover gemacht. Das Album könnte also auch „Katharsis & HeMightBe & Chris & Susanne – Kathedrale“ heißen. Und Karl hat in der Entstehungsphase, in der wir die Tracks live vor Leuten ausprobiert haben, auch super Schlagzeug gespielt, das Album könnte also auch…

I know what I want…

H: Ich will auf jeden Fall weiter meinen eigenen Weg gehen und mich nicht so viel von außen beeinflussen lassen. Ich will einfach Musik aus dem Bauch machen und nicht so viel mit dem Kopf. Das ist das Wichtigste!

K: Mucke machen und schreiben. Beides tue ich 24/7. Solange ich tun kann, was ich tue, muss ich es tun. Ich fahre jetzt eine Woche in den Wald. An einem neuen Album schreiben. Ich hab viel im Planungsstadium liegen. „Kathedrale“ ist das erste Album mit richtigem Verlag und Vertrieb im Rücken. Wir werden sehen, wie sich alles entwickelt. Neben größeren Releases werden auch immer nebenher coole, kleinauflagige Tapes usw. erscheinen. Ich werkel mit Pawcut schon wieder an mindestens zwei Sachen.

Look into the future…

H: In den nächsten Monaten und Jahren will ich auf jeden Fall noch einiges releasen – sowohl als Soloact als auch als Produzent für andere. Mit Katharsis arbeite ich beispielsweise schon jetzt wieder an neuen Songs. Außerdem wird in absehbarer Zeit mindestens eine Solo-EP mit Instrumentals kommen. In welcher Form das passieren wird, steht aber noch nicht fest.

K:  Viele Rapper werden endlich mit dem Studium fertig, haben dann keine Zeit mehr für Rap, weil sie jetzt eine Doppelhaushälfte, einen Jahreswagen und ihre inzwischen zickige und gar nicht mehr so pferdestehlende Studienliebe finanzieren müssen. Rap wird also besser werden.

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Foto: Alena Sternberg

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Jana

Hi! Ich seziere gerne Raptexte, lasse meine Augen mit Freude auf Farbflecken an tristen Wänden verweilen, dies, das.

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