Fayan: „Einen uncoolen Rapper will niemand sehen“

hi my name is fayan

In der beschaulichen 60.000 Einwohner Stadt Offenburg ist Fayan zusammen mit seiner Crew VSIL zuhause. VSIL steht für „Vom Schatten ins Licht“ und genau das ist auch sein Motto für die nächste Zeit. Mit einem hohen Output und einer Arbeitsmoral, die sich sehen lassen kann arbeitet er momentan daran, aus dem metaphorischen Schatten in das Licht der Deutschrapszene zu treten. Auch seine Art Texte zu schreiben unterscheidet sich wahrscheinlich vom Großteil der anderen Rapper: Eben nicht klassisch, auf Papier, sondern alles im Kopf und anschließend direkt auf die Platte. Ob das tatsächlich funktioniert und ob Fayan bei euch die Lichter anmacht, könnt ihr selbst entscheiden, nachdem ihr ihn untenstehend kennengelernt habt.

 

Hi my name is fayan

Fotocredits: Jakob Marwein

Hi my name is…Fayan

This is where I’m from…

Groß geworden bin ich in Oberkirch – einer kleiner Stadt zwischen Freiburg und Karlsruhe. Dort hab’ich das Laufen und Fussball spielen gelernt, die Schule gemacht und auch meine ersten Texte geschrieben. Von dort kommen auch fast all die Jungs meiner Bande, mit denen ich aufgewachsenund seit über 20 Jahren befreundet bin. Mittlerweile lebe ich in Offenburg – quasi dem nächst größeren Ort. Und das ist eigentlich dieperfekte „große Kleinstadt“, weil’s hier alles gibt, was man als junger Mensch braucht: Clubs, Restaurants, Bars, Fast Food, ’nen See und ’n Kino.

 
I know my roots…
In der Nachbarschaft, in der ich groß geworden bin, war und ist heute noch ein Jugendzentrum. Dortgab’s schon Mitte der 90er Breakdance-Crews und all solche Sachen. Für uns als kleine Jungs waren das die „coolen großen Brüder“ – und wir wollten natürlich so sein wie die. Wir hatten zwar mit gerade mal ’ner Hand voll Jahren keine Breakdance-Skills, haben uns im Kindergarten aber trotzdem wie die nächsten „Southside Rockers“ gefühlt. Das war meine erste Begegnung mit HipHop. Ich weiß auch noch genau, wie ich mir damals mit 9 im Jahre 2000 das „The W“-Album von Wu-Tang im Plattenladen geholt hab’, weil ich „Protect Ya Neck“ und „Gravel Pit“ totgefeiert hab’. Den verdutzten Blick des Verkäufers werde ich wohl nie vergessen. Die erste eigene Musik habe ich dann mit 12-13 gemacht. Damals hab’ ich mir Beats und Acapellas von urbanen US-Songs runtergeladen und sie miteinander gemixt. So entstand auch der für mich legendäre Remix aus dem Instrumental von J-Kwons „Tipsy“ und den Vocals von Usher und Diddy von „I Need A Girl Part I“. Den hat aber außer mir wohl „leider“ nie jemand gehört. Den ersten wirklich eigenen Song mit selbst geschriebenen Lyrics hab’ ich dann 2006 gemacht. Da war ich 14.

 
You know my steez…
Als 50 Cent mit „Get Rich Or Die Tryin“ um die Ecke kam, war ich fasziniert. Das waren nicht einfachnur Songs, das war ein Film. Dieser Ochse aus New York, der neun Mal angeschossen wurde und „wie durch ein Wunder“ überlebt hat; die Überkopf-Sit-Ups im Video zu „In Da Club“ und das nie enden wollende Intro mit Dr. Dre und Eminem; das „Massacre“-Album und der Kinofilm. Dieses Eintauchen in eine völlig andere Welt – einfach unfassbar. Ich wusste: Genau so wollte ich sein. Ich hatte die G-Unit Sneaker von Reebok und die G-Unit Shirts und stand bei allen möglichen Live-Shows in der ersten Reihe! Vor allem hatte Fifty nicht einfach nur diese wahnsinnigen Beats und Lyrics, sondern auch schon immer eine gewisse Melodie in seinen Parts und Hooks. Das war, was mir ins Mark getroffen hat. Also hab’ ich angefangen, zu schreiben und mit einem Fünf-Euro-Headset am Laptop meiner Eltern in deren Wohnzimmer mit „Magix Music
Maker“ Songs aufzunehmen. Und so wie 50 Cent eben aus seinem harten Leben authentisch erzählt hat, habe ich aus meiner Kleinstadt-Welt und meinen Alltags-Problemen erzählt.

 
That’s my motherf****** name…
Ich wollte nie der nächste „Young“ oder „Little“ sein, sondern einen persönlichen Künstlernamen haben, den ich mein Leben lang als Musiker verwenden kann. Im Idealfall sollte der gut klingen und eine ästhetische Schreibweise haben. So bin ich irgendwann darauf gekommen, die Anfangsbuchstaben von zwei meiner Vornamen zu nehmen – YANnick und FAbian – und deren Reihenfolge zu vertauschen. Geboren war Fayan. Das Kürzel „VSIL“ ist der Name unserer Squad und steht für „Vom Schatten Ins Licht“. Dahinter verbirgt sich – kurz gesagt – das Prinzip des amerikanischen Traumes: Vom Tellerwäscher zum Miillionär. Denn wir alle stammen nicht aus reichem Elternhaus, sondern mussten uns alles selbst erarbeiten. Und dieses „von Nichts zu Etwas“ steckt eben hinter VSIL.

 
Turn my music on…
Meine Musik ist sehr modern und geht nach vorne, gibt dem Hörer aber auch die Möglichkeit, runterzukommen. Das Wichtigste sind für mich zwei Sachen: Erstens, dass meine Songs eine Emotion auslösen. Das kann zum einen sein, dass man sich bei Songs wie „Kapitel 4“ oder „Fake Yeezys“ wie der König der Welt fühlt; aber eben auch, dass es im Kopf anfängt zu rattern, wenn man nachts zu „Stunde Null“ oder „Fünf Minuten“ über die Autobahn brettert. Der zweite wichtige Punkt ist, dass man dabei niemals die HipHop-Attitüde vergessen darf. Denn einen „uncoolen Rapper“ will niemand sehen. Klar, ich mache auch sehr oft Songs, die eine tiefere Ebene haben, aber stehe dazu im Video eben nicht pseudo-melancholisch im Wald und schaue nachdenklich in die Ferne. Sondern ich versuche, das eher wie zum Beispiel ein Kendrick Lamar auf „Alright“ zu lösen: Ein an sich sehr schwieriges Thema aufgreifen, dass aber eben musikalisch und visuell so umsetzen, dass am Ende ein geiles Produkt dabei herauskommt.

 

You see the difference…
Ich glaube, der große Unterschied ist, dass ich meine Zeilen nicht auf Blättern festhalte, sondern alle Songs komplett in meinem Kopf „schreibe“. Wenn ich am texten bin, sucht man um mich herum also vergeblich nach irgendwelchen Mitschrieben. Die Inspiration für diese Songs kommt dabei von überall: Von anderer Musik, Filmen, Momentaufnahmen, Gesprächen und so weiter. Wenn ich beispielsweise durch die Stadt laufe, kann ich ein einzelnes völlig zusammenhangloses Wort soo geil und interessant finden, dass daraus ein kompletter Song entsteht. Was mich ansonsten abhebt, ist, dass ich nicht wahllos auf irgendwelche Internet-Beats rappe, sondern dass mein Brudi und Produzent PzY und ich die Musik komplett von Anfang an zusammen entstehen lassen. Außerdem machen wir alles selbst: Beats, Lyrics, Mix, Master, Videodrehs, Schnitt, Social Media und so weiter und so fort – das kommt alles aus einem Guss. Denn wir wollen nicht
hier und da ein bisschen „rum-rappen“, sondern dem Ganzen eine klare Handschrift verpassen: Von der Musik über die Visuals bis hin zu den Outfits. Und weil wir haptische, detailverliebte Menschen sind und unseren Hörern und Supportern ein bisschen mehr als nur einen ungreifbaren Stream mitgeben wollten, haben wir unsere „Kleineralsdrei EP“ auch in einer limitierten Auflage auf CD pressen lassen. Einfach, damit man all das irgendwie in den Händen halten und buchstäblich „greifen“ kann. Dazu kommt, dass meine Texte alles andere als beliebig und genau deshalb nicht einfach austauschbar sind. Ich bekomme immer wieder Nachrichten, in denen Leute mir schreiben, dass sie sich mit dem, was ich sage, identifizieren können. Und da sind wir wieder beim Thema „Emotion“ von oben: Ob kompletter TurnUp- oder eher Mellow-Song: Der Hörer soll fühlen, was ich rappe. Ich bin auch davon überzeugt, dass es dieses „Du bist, was du isst“ Prinzip nicht nur bei der Ernährung gibt, sondern genauso bei Musik: Du bist, was du hörst. So sehe ich das. Und da für mich Leute wie Michael Jackson, Kid Cudi, Kendrick Lamar, Westernhagen, Bon Iver, J. Cole oder Casper die lyrischen Helden sind, bin ich in meinen Songs eben genau so, wie ich auch privat bin. Ein nachvollziehbarer Mensch. Mit all seinen verschiedenen Facetten und Charakterzügen.

 
My brand new album / mixtape…
Am 31. März hab’ ich meine EP „Kleineralsdrei“ veröffentlicht – komplett produziert von PzY. Die gibt’s auf allen digitalen Portalen zum Stream und Download und eben auch als limitierte CD. Zu diesem Release haben wir in den letzten sechs Wochen fünf Musikvideos veröffentlicht! Und genau so soll es in naher Zukunft weitergehen. Viel Output, viele Songs, viele Videos. Denn nach der EP ist vor der EP – oder sogar vor dem Album. Das ist natürlich ein riesiges Pensum, vor allem wenn man alles selbst macht. Aber es „muss“ eben sein. Denn Beharrlichkeit und Fleiß sind unfassbar wichtige Tugenden, wenn man ein Ziel vor Augen hat und etwas reißen will.

 

I know what I want…
Ich hab’ an irgendeinem Punkt in meinem Leben aufgehört, Erwartungen zu haben oder mir irgendwelche traumtänzerische Sachen zu erhoffen. Ich bleib’ einfach weiter fleißig und schreib’ weiter meine Zeilen auf – steter Tropfen höhlt den Stein. Und momentan fühlt sich alles ziemlich nice an. Auch wenn wir zwar schon soo lange unterwegs sind und immer noch so gut wie am Anfang stehen, ist der aktuelle Weg der richtige. Deshalb bleiben wir genau darauf und geben so viel Gas, wie wir nur können. Selbst wenn das bedeutet, über Monate hinweg täglich nur vier Stunden zu schlafen, kaum Freizeit zu haben und alles für die Musik zu opfern. Aber ich hab’ tief in mir das Gefühl, dass das so sein muss… entweder jammer’ ich rum oder hab’ den Glauben daran, dass es klappen kann. Da gefällt mir die zweite Alternative deutlich besser.

 
Look into the future…
VSIL.

 

Wer nach seinen Worten und dem Video Lust hat, sich mehr von Fayan reinzuziehen oder ihn sogar zu unterstützen kann dies in der Form von seiner „Kleineralsdrei“-EP HIER tun.

 

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