Hi My Name Is… DiscoCtrl: „Soweit die menschliche Zivilisation diesen ganzen Trump-Pegida-Vibe überlebt, bin ich optimistisch.“

Der in Berlin geborene, in Texas aufgewachsene und wieder nach Berlin zurückgekehrte Rapper DiscoCtrl ist kulturell definitv von zwei unterschiedlichen Welten geprägt. Das ImageCtrl-Mitglied droppt seit diesem Jahr Soloprojekte auf Produktionen von Freunden. Der Audiolith-Künstler wurde auf seinem Weg unter anderem durch Südstaaten-Sounds und 90er Eastcoast-Boombap beeinflusst. Heute neigt DiscoCtrl inhaltlich zur psychologischen Selbsterkenntnis oder haut gern mal einen klassischen Banger raus. Der flowversierte Weltenbummler verfolgt in strikter Manier seine eigenen Ideen und will, dass die Hörer seine Musik fühlen. Für einen so interessanten Künstler wird es Zeit, sich selbst vorzustellen. DiscoCtrl spricht unter anderem über seinen persönlichen Werdegang, seine musikalischen Neigungen und Auffassung von Kunst. Let’s go!

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This is where I’m from…

Ich bin in Berlin zur Welt gekommen und in der fünften Klasse zu meinem Vater nach Austin, Texas gezogen. Seit 2012 lebe ich wieder in Berlin. Ohne Frage hab ich mich lange damit abgestresst, ob ich mich jetzt als Berliner oder Texaner oder Ami oder was auch immer präsentieren soll. Irgendwann bin ich zum Glück davon runtergekommen. Ohne Frage habe ich eine endlose Hassliebe für beide Städte und bin jederzeit bereit, Berlin in Döner- und Graffiti-Fragen zu verteidigen oder Texas in Bezug auf andere Imbissfragen. Aber auf der tieferen Ebene: „it ain’t where you from, it’s where you at.“.

I know my roots…

Eine Millionen Freestyles. In Berlin lief in meiner Grundschulzeit noch diese klassische Hip-Hop-Welle, also alle Elemente plus Basketball. In Austin haben die Leute auf meiner Schule aber eigentlich nur Südstaaten-Sachen gepumpt, also UGK, S.L.A.B., No Limit und DJ Screw Mixtapes auf endlos. Eigentlich fand ich es erstmal richtig Scheiße, dass sich niemand für Breakdance oder diese ganze Hip-Hop-Kultur interessiert hat. Dafür konnten aber manche von den Freaks damals 20 Minuten am Stück freestylen und gleichzeitig auf dem Cola-Automat den Beat hauen. Das hat mich gezogen. Irgendwann bin ich mit eingestiegen und hab dann auch relativ konsequent den Rest meiner Schulzeit damit verbracht.

You know my steez…

Rapmäßig ist Flow für mich im Mittelpunkt. Also nicht nur stabile Aussagen zu liefern, sondern wirklich Musik zu machen, ein Schema aufbauen, das sich mit dem Beat verwebt und die Leute reinzieht – ob sie dich verstehen oder nicht. Ich hab mich ziemlich früh für religiöse Rituale interessiert, zu viel Science Fiction gelesen und feier hart auf alten Electronica- und Grufti-Kram. Ich hab das Gefühl das kommt in meinen eigenen Productions raus. Umgekehrt konfrontieren mich Homies wie Django36 regelmäßig mit irgendwelchen Samplebrettern wie „Five Fingers“. Ich versuche mittlerweile nicht mehr zu hinterfragen, ob ich beides machen kann, sondern tu es einfach und guck was passiert.

That’s my motherf****** name…

Kid Disco hab ich mir in der neunten Klasse zugelegt. Irgendwann hab ich mich nur noch Disco genannt und ab dem Zusammenschluss meiner Crew ImageCtrl hab ich mir das „Ctrl“ noch hinten rangehangen. DiscoCtrl.

Turn my music on…

„Frida Kahlo“, meine zweite Single für Audiolith ist gerade mit einem Video von Benzki rausgekommen. Django36 hat wieder produziert, obwohl ich eigentlich einen ziemlich introspektiven Beat gebaut hatte. Im Endeffekt ist sein Remix als Single rausgekommen, weil er dieses Ding mit 808’s und Boogie-Funk-Samples gebastelt hat, dass viel besser auf unseren Modus gepasst hat.

Yo see the difference…

Je weniger Kompromisse mit dem eigenen Film, desto besser. Daran versuche ich mich beim Produzieren und Schreiben so oft wie möglich zu erinnern, damit ich nicht auf die Idee komme, einfach irgendwas nachzubauen, das ich gerade gehört habe. Das gilt aber auch für Mucke und Kunst, die ich konsumiere. Ich hab einfach keinen Bock 20 Tracks zu hören, die klingen wie Migos, wenn ich einfach direkt Migos hören kann, Eigenheit siegt. Szenemäßig hab ich aber in die Richtung keine Ansagen zu verteilen. Ich glaube, mittlerweile müssten auch alle genervt davon sein, sich immer zu allem zu positionieren, was irgendwo irgendwer mit Rap gemacht hat, als wär das im Kern ja genau das gleiche, das wir da alle machen.

My brand new album/mixtape…

„Five Fingers“ und „Frida Kahlo“ mit Videos von Benzki unbedingt checken. Das Mini-Mixtape „DUSK“ ist im Mai rausgekommen und for free. Die ImageCtrl Singles aus dem letzten Herbst find ich immer noch gut. Über die nächsten Wochen kommen noch Remixe zu „Frida Kahlo“ und ein paar Schläfer, die Django36 und ich gerade ins Leben holen. „DUSK2“ schwebt auch zumindest als Geist auf meinen Festplatten rum und im Herbst kommen ein paar Dinger raus, die ich schon ewig auf der Hand halte.

I know what I want…

Als ich 15 war hab ich gesagt, wenn ich einmal so ein dickes Konzert mit aufwendigen Lichtern und ein paar hundert Leuten spiele und die das halbwegs ok finden, hab ich alles geschafft. Seit meinem ersten dicken Konzert bin ich also in der Bonusrunde, weil ich mir so lange nicht vorstellen konnte, dass der Scheiß irgendwen interessiert. Ich freu mich einen Ast über jeden Fan und versuche so zu arbeiten, als würde die ganze Welt auf mein nächstes Release warten. Aber im Endeffekt will ich einfach nur Musik machen, die meine Leute fühlen und mir am Ende nicht vorwerfen müssen, ich hätte Möglichkeiten sausen gelassen.

Look into the future…

Seien wir ehrlich, die Zukunft sieht gerade aus wie der Vorspann von einem schlechten Apokalypsen-Film. Aber soweit die menschliche Zivilisation diesen ganzen TrumpPegida-Vibe überlebt, bin ich optimistisch. Alles rausholen, so viele Homies wie möglich mitnehmen, keine Schlangenmanöver.

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Moin, ich bin Freddy aus der besten Vorstadt Berlins: Bernau. Rapliebhaber, Fussballfanatiker, Sneakerfreak. Immer unterwegs durch die weitläufige Medienlandschaft. Jetzt bei BACKSPIN. #WKM$N$HG?

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